| Aktualisiert:
Coronakrise

Anschober: 684 Neuinfektionen „zu hohe Werte"

684 positive Corona-Testergebnisse binnen 24 Stunden am Freitag sind für Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) "zu hohe Werte für diesen Zeitpunkt". Die Zuwächse seien aktuell aber schon wieder geringer als um den 17., 18. September. Damit sei Österreich "derzeit nicht in Richtung einer exponentiellen Steigerung unterwegs", betonte er bei einer Pressekonferenz in Wien.

red/Agenturen

Der Minister erwartet, dass sich ab Anfang Oktober die zuletzt verschärften Eindämmungsmaßnahmen in Zahlen niederschlagen werden. Mit dem Herbst komme aber auch „die Phase, wo das Risiko steigt, wo wir mehr indoor sind“, warnte er und regte dringend die Verwendung der Corona-App des Roten Kreuzes an.

„Ich bin mir absolut sicher, die Ampel wird noch extrem wichtig werden für uns“, betone Anschober sein Vertrauen. Bei der Sieben-Tages-Inzidenz zeige sich in den Bezirken ein „großteils stabiler oder sogar rückläufiger Trend“, erläuterte Daniela Schmid, Sprecherin der Corona-Kommission. Die Reproduktionszahl - wie viele weitere Fälle von einem einzelnen Fall ausgehen - sinke wieder in Richtung 1,1. Der Altersdurchschnitt der in der Vorwoche positiv Getesteten lag bei 35 Jahren.

Die Corona-Kommission hatte in ihrer Sitzung am Donnerstagnachmittag die Ampel u.a. für zehn weitere Bezirke auf orange gestellt, weil sie dort ein hohes Infektionsrisiko sieht. Rot ist nach wie vor kein Bezirk. In Vorarlberg wurde die Risikoeinschätzung von Bezirke auf Regionen umgestellt.

Für Niederösterreich stellte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) neue Maßnahmen vor, die in den Bezirken in Kraft treten sollen, sobald die Corona-Ampel dort auf Orange oder Rot steht. Sie kündigte „strenge Kontrollen“ an. Sportevents sollen in „orangen“ Bezirken nur noch ohne Publikum stattfinden, ausgenommen Bundesliga-Veranstaltungen im Freien. Für die Gastronomie wurden verpflichtende Gästelisten angekündigt. Sollte die Ampel in einem Bezirk auf Rot wechseln, soll die Sperrstunde auf 22.00 Uhr vorverlegt werden. Die Verschärfungen, die auf dem mit 1. Oktober in Kraft tretenden Covid-Gesetz basieren, wurden von den NÖ Freiheitlichen heftig kritisiert.

Steuermark schaltet eigene Ampel für Pflegeheime

Die in Wien beschlossene Registrierungspflicht für Gäste in Gastronomiebetrieben hat unterschiedliche Reaktionen in anderen Bundesländern ausgelöst. Ein Rundruf der APA ergab, dass etwa Salzburg im Sinne hat, dem Beispiel zu folgen. Auch Kärnten zeigte sich offen dafür. Vorarlberg hat eine ähnliche Maßnahme zunächst nicht vor. Die Steiermark will angesichts stabiler Zahlen vorerst die Wiener Erfahrungen abwarten. Die Freiheitlichen in Vorarlberg, Tirol und Salzburg wollen indes die in ihren Bundesländern verfügte Sperrstundenverordnung mit einer Petition rückgängig machen. Der Obmann der Gastrosparte der Wirtschaftskammer (WKÖ), Mario Pulker, finde eine coronavirusbedingte Gästeregistrierung besser als eine frühere Sperrstunde, die für viele Betriebe eine finanzielle Katastrophe bedeute.

Die Steiermark wird ab 1. Oktober eine eigene Corona-Ampel für Pflegeheime einführen, die sich an der Schaltung der Ampel des Bundes orientiert. Derzeit gebe es in drei Heimen 39 Covid-positive Bewohner.

Die SPÖ fordert unterdessen ein Corona-Gewaltschutz-Sofortpaket in Höhe von fünf Millionen Euro. „Die Pandemie verschärft die Situation der Frauen im Land“, warnte Gabriele Heinisch-Hosek, Vorsitzende des Gleichbehandlungsausschusses im Parlament. „Im Herbst wird es eng in den eigenen vier Wänden. Man darf die Frauen in diesem Land nicht alleine lassen.“

Die Coronakrise ist am Freitagnachmittag Anlass für ein Zusammentreffen der Regierungsspitze mit den Landeshauptleuten. Es soll um Infektionszahlen, Maßnahmen und geplante Verschärfungen, Testungen und das Management der Gesundheitshotline 1450 gehen.