Coronavirus

Bei 42 Prozent der Covid-Fälle Infektionsquelle unklar

Die Corona-Kommission hat Freitagmittag ihre Indikatoren zur Risikoeinstufung für die derzeit geltende Ampel-Schaltung veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass in der Kalenderwoche 38 österreichweit bei 42 Prozent der SARS-CoV-2-Fälle die Infektionsquelle unbekannt war. Wien verzeichnete dahin gehend mit 49 Prozent den höchsten Wert, Oberösterreich mit 19 Prozent den geringsten. Österreichweit waren ein Viertel der Fälle asymptomatisch.

red/Agenturen

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 54,8. Das bedeutet, dass zwischen 17. und 23. September österreichweit 54,8 Personen pro 100.000 Einwohner positiv getestet wurden. Die aktuelle Risikoeinstufung umfasst unterschiedliche Zeiträume. Bezogen auf das Contact Tracing wurde die Kalenderwoche 38 von 14. bis 20. September hergenommen. Hier zeigen sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern bei den Fällen mit geklärter Infektionsquelle. Die meisten unklaren positiven SARS-CoV-2-Betroffenen gab es demnach mit 49 Prozent in Wien. In Salzburg war bei 47 Prozent der Infektionen die Quelle unklar, in Niederösterreich und Vorarlberg jeweils bei 41 Prozent. In der Steiermark waren 40 Prozent der Fälle ohne bekannte Quelle, in Tirol 34 Prozent. In Kärnten war bei 29 Prozent der Infizierten nicht klar, wo sie sich angesteckt hatten, in Oberösterreich bei 19 Prozent. Dort konnten somit bei 81 Prozent der Infizierten die Quelle ausfindig gemacht werden.

Zuletzt hatte die leitende Epidemiologin der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), Daniela Schmid, erklärt, dass sich mindestens 60 bis 70 Prozent aller Infektionen mit dem Coronavirus idealerweise auf ihre Quelle zurückführen lassen sollten. Falle dieser Wert unter 50 Prozent, werde es schwieriger, wirkungsvoll mit Präventivmaßnahmen zu arbeiten.

Aus der Analyse der Corona-Kommission geht auch hervor, dass nunmehr lediglich vier Prozent der positiven Fälle reiseassoziiert sind. Fünf Prozent wurden ihm Rahmen von Screening-Programmen entdeckt, Kärnten verzeichnete hier mit neun Prozent den höchsten Wert, Salzburg und die Steiermark mit zwei Prozent den geringsten. Und österreichweit waren in der Vorwoche 24 Prozent der Fälle asymptomatisch.

Berechnet wurde auch für alle Bundesländer die Sieben-Tage-Inzidenz. Den mit Abstand höchsten Wert verzeichnete die Bundeshauptstadt. Hier gab es in der Woche von 17. bis 23. September 114,4 positiv getestete Menschen pro 100.000 Einwohner. An die zweite Stelle reihte sich Vorarlberg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 59,4, gefolgt von Tirol mit 54,8. Knapp unter dem kritischen Wert von 50 landete Niederösterreich, hier gab es 49 positiv getestete Einwohner pro 100.000.

In Oberösterreich lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 37,6, im Burgenland bei 35, in Salzburg bei 33,5 und in der Steiermark bei 22,5. Die wenigsten Infektionen verzeichnete Kärnten. Hier gab es 14,8 positive SARS-CoV-2-Tests pro 100.000 Einwohner.

Deutliches Bild über Testzahlen in den Bundesländern

Deutliche Unterschiede zeigten sich auch bei den asymptomatisch verlaufenden Fällen. Beinahe die Hälfte der positiv getesten Personen in Oberösterreich waren in der Vorwoche ohne Beschwerden - 46 waren asymptomatisch. Die wenigsten SARS-CoV-2-Fälle ohne Symptome gab es mit 18 Prozent in Wien und mit 16 Prozent in Vorarlberg. Die meisten reiseassoziierten Fälle gab es in der Vorwoche noch mit 15 Prozent in Salzburg und 14 Prozent in Oberösterreich, alle anderen Bundesländer zeigten deutlich geringere Werte von Fällen, die importiert wurden, in Niederösterreich und Vorarlberg waren es so lediglich zwei Prozent.

Die Risikoeinschätzung durch die Corona-Kommission zeigte auch ein deutliches Bild über Testzahlen in den neun Bundesländern. Hier wurden Tests bis Mittwoch, 23. September, 24.00 Uhr berücksichtigt. Gerechnet auf 100.000 Einwohner wurden bisher österreichweit 1.229 Tests durchgeführt - von denen 4,4 Prozent auch tatsächlich positiv ausfielen. Weitaus die meisten PCR-Untersuchungen wurden bisher mit 2.083 pro 100.000 Einwohner in Wien durchgeführt - 5,4 Prozent waren in der Bundeshauptstadt positiv.

1.848 Tests pro 100.000 Einwohner führte Vorarlberg durch (3,6 Prozent positiv), 1.574 Tirol (3,5 Prozent positiv) und 1.294 das Burgenland (2,7 positiv). Alle anderen Bundesländer reihten sich teils weit unter 1.000 ein. In der Steiermark wurden bisher 901 Tests pro 100.000 Einwohner gemacht, 2,6 Prozent hatten ein positives Ergebnis. In Kärnten wurden 884 Tests pro 100.000 Einwohner durchgeführt - mit 1,8 Prozent positiven Fällen verzeichnete das südlichste Bundesland einmal mehr den geringsten Wert.

In Niederösterreich waren es 877 Tests pro 100.000 Einwohner (5,4 Prozent positiv), in Oberösterreich 802 Tests (4,9 Prozent positiv) und weiterhin die geringste Anzahl an Tests verzeichnete Salzburg. Hier wurden bisher 651 PCR-Untersuchungen pro 100.000 Einwohner gemacht, davon waren 5,2 Prozent positiv.

Reproduktionszahl von 1,3 auf 1,09 gesunken

Die effektive Reproduktionszahl in Österreich ist im Wochenvergleich von 1,3 auf 1,09 gesunken. Das heißt, ein Infizierter steckte zwischen 11. und 23. September geschätzt im Schnitt 1,09 weitere Personen an. Das geht aus dem Update der Berechnungen von AGES und TU Graz von Freitagnachmittag hervor, für die 9.057 Fälle in dem Zeitraum untersucht wurden. Auch die geschätzte Steigerungsrate der täglichen Neuinfektionen ging von 8,0 auf 0,7 Prozent zurück.

In allen Bundesländern außer Tirol lag die Reproduktionszahl in der vergangenen Woche über 1,0. Es zeigte sich aber überall ein Rückgang des Werts, wurde in der Analyse auf der Internetseite der AGES betont. In manchen Bundesländern ist die Anzahl der inzidenten Fälle (Neuinfektionen) zudem sehr gering, weswegen Schwankungen der effektiven Reproduktionszahl mit großer Vorsicht zu interpretieren seien. Bei niedriger Fallzahl reagiere der Wert stark auf kurzfristige Änderungen, wie dem Auftreten von Clustern. Der Effekt werde durch aktive Fallsuche im Zuge von Ausbruchsabklärungen weiter verstärkt.

Eine Annäherung der effektiven Reproduktionszahl an 1,0 bedeutet, dass pro Fall ein neuer Fall generiert wird. Somit ergibt sich theoretisch täglich eine gleichbleibende Anzahl der inzidenten Fälle, also eine endemische Verbreitung der Infektion. Die effektive Reproduktionszahl sagt jedoch nichts über die Höhe der täglichen Neuinfektionen aus, betonten die Experten.