Coronavirus

Anschober: Neuinfektionen nach wie vor deutlich zu hoch

„Die Neuinfektionen sind nach wie vor deutlich zu hoch“, sagte Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) am Sonntag. Die neuen bundesweiten Maßnahmen sollten ab der ersten Oktoberhälfte schrittweise zur Absenkung der täglichen Neuerkrankungen führen.

red/Agenturen

Der Ressortchef wies neuerlich auf die Möglichkeit hin, in Regionen mit erhöhtem Risiko punktgenau Zusatzmaßnahmen zu setzen. „Mein Appell geht an die betroffenen Bezirkshauptleute und Länder, diese neue Möglichkeit mutig zu nützen.“

Zahl der Corona-Neuinfektionen ging in Wien zurück

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen geht im Moment in Wien zurück. In dieser Woche sind 1.998 Personen positiv auf SARS-CoV-2 getestet, teilte der medizinische Krisenstab der Stadt am Sonntag in einer Aussendung (Stand: 8.00 Uhr) mit. Das sind um 14,6 Prozent weniger als in der Woche zuvor. Unterdessen reißt die Kritik an den langen Wartezeiten bei der Hotline 1450 nicht ab.

Insgesamt wurden in Wien bis dato 15.142 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, hieß es in der Aussendung des Krisenstabes. In den vergangenen 24 Stunden kamen 279 neue Fälle hinzu. 10.437 sind Personen mittlerweile wieder gesund. 244 Menschen haben hingegen die Erkrankung nicht überlebt und sind verstorben.

Die durchschnittliche Positivrate bei den Testungen ist von 6,02 Prozent in der vergangenen Woche auf 5,71 Prozent in dieser Woche gesunken, hieß es in der Aussendung weiters. Am gestrigen Samstag erfolgten 2.471 Corona-Tests. In Summe stieg damit die Zahl der vorgenommenen Tests seit Anbeginn der Pandemie auf 437.463.

Bei der Hotline 1450, wo sich Menschen melden sollen, die vermuten, sich mit dem Virus infiziert zu haben, gingen am gestrigen Samstag 3.340 Anrufe ein. Allerdings reißen die Vorwürfe rund um die Hotline weiter nicht ab - vor allem um die extrem langen Wartezeiten.

Wiener ÖVP ortet Systemversagen bei Gesundheitshotline

In der „Kronen Zeitung“ (Sonntagsausgabe) meldete sich ein Telefonist zu Wort, der aus seinem Alltag bei 1450 erzählt. Unlängst habe er einen Patienten gehabt, der seit fast 14 Tagen fordert, getestet zu werden. Was die Warteschleifen in der Telefonleitung betrifft, so sei „das schon gut“, wenn man nur eine Stunde drinnen hänge. Vergangenes Wochenende sei die IT zusammen gebrochen, was auch mit den Anrufen zur Grippe-Impfung zu tun gehabt habe, die ebenfalls über 1450 abgewickelt werden. Einige Mitarbeiter seien daraufhin extra abgestellt worden, um Anrufer aus der Leitung zu werfen, war in dem Artikel zu lesen.

Die Wiener ÖVP ortet ein Systemversagen bei der Gesundheitshotline. Einmal mehr wurde in einer Aussendung die Entmachtung von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gefordert. „Es ist längst überfällig, dass SPÖ-Stadtrat Hacker vom Corona-Management entbunden wird“, sagten der nicht amtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch und Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Hacker habe die Situation von Anbeginn an nicht ernst genommen. Indes stehe 1450 kurz vor dem Kollaps, stundenlange Wartezeiten in den Corona-Test-Straßen seien die Regel und die Warteschlange vor privaten Labors werde immer länger, ärgerten sich die Türkisen.

Im Büro des Gesundheitsstadtrats will man die Vorwürfe so nicht im Raum stehen lassen. Dort wurde gegenüber der APA versichert, dass sich die täglichen Anrufer-Zahlen bei 1450 nach zeitweiligen, „nur bedingt vorhersehbaren“ Spitzen - etwa bei ersten Medienberichten über eine orange oder später rote Ampelschaltung Wiens - wieder normalisiert hätten.

Weiters wurde auf die Ankündigung von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) verwiesen, wonach laufend Personal im Gesundheitsbereich eingestellt werden - darunter auch bei 1450. Derzeit seien dort 425 Mitarbeiter im Einsatz. Auch aktuelle Daten zu den Wartezeiten wurden der APA übermittelt.

Gastronomiebetriebe müssen Daten ihrer Gäste für ein effizientes Contact-Tracing erfassen

Am gestrigen Samstag dauerte es im Schnitt 30 Sekunden bis zur Annahme des Anrufes im First Level, wo die Daten des Anrufers aufgenommen werden. Weitere 20 Sekunden dauerte die Weiterleitung zum Abklärungsgespräch mit dem medizinischen Personal. Was die lange Dauer bis zur Testabnahme betrifft, so wurde auf die am Donnerstag eröffnete zweite Corona-Teststraße auf der Donauinsel verwiesen, wo sich auch Personen mit Symptomen testen lassen können. Dadurch könne die Wartezeit verkürzt werden, da man selbst dorthin fahren könne und nicht mehr warten müsse, bis das Mobile Home Sampling Team nach Hause komme.

Und auch an einer anderen Front in Sachen Bekämpfung der Weiterverbreitung des Coronavirus gibt es in Wien ab dem morgigen Montag eine neue Regelung: Gastronomiebetriebe müssen die Daten ihrer Gäste für ein effizientes Contact-Tracing erfassen. Die Figlmüller Group, die in der Bundeshauptstadt sechs Betriebe führt, hat dazu eine digitale Lösung gefunden. Gemeinsam mit der Diamir Holding wurde Online-Tool „Gast-CheckIn“ entwickelt, wie in einer Aussendung verkündet wurde.

Dabei scannen Gäste einen QR-Code mit ihrem Smartphone und geben ihre Daten im Online-Formular ein. Sind sie bereits einmalig hinterlegt, müssen sie nur bestätigt werden. Uhrzeit und Datum werden automatisch erfasst. Die Daten werden gemäß der EU-Datenschutzgrundverordnung auf europäischen Servern gespeichert und nach 28 Tagen automatisch gelöscht, wurde versprochen. „Gast-CheckIn“ stehe allen Wiener Gastronomen ab sofort zur Verfügung, hieß es. Die monatliche Lizenzgebühr betrage ab 29 Euro.

Deutschland erklärte auch Tirol zum Risikogebiet

Das deutsche Außenamt warnt jetzt auch vor Reisen in das österreichische Bundesland Tirol, nach Tschechien und Luxemburg. Tirol und die beiden EU-Staaten seien wegen stark steigender Coronavirus-Infektionszahlen zu Risikogebieten erklärt worden, hieß es am Freitagabend. Bereits vor einigen Tagen waren Österreich betreffend Reisewarnungen für Wien und Vorarlberg sowie für einige Regionen Tschechiens ausgegeben worden.

Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts in Berlin wurde am Freitag entsprechend aktualisiert, hieß es. Tschechien und Luxemburg wurden zur Gänze als Risikogebiete eingestuft. Damit sind aus deutscher Sicht nun 15 von 27 EU-Ländern zumindest teilweise Corona-Risikogebiete, Spanien, Tschechien und Luxemburg sogar ganz. Polen ist das einzige der neun Nachbarländer Deutschlands, das noch nicht betroffen ist.

Es wurde erwartet, dass das Auswärtige Amt noch am Freitagabend für alle neuen Risikogebiete eine offizielle Reisewarnung für Urlaubsreisen ausspricht. Für die Länder der Europäischen Union und des Schengen-Raums decken sich die Kriterien.

Tirol ist ein bei Deutschen sehr beliebtes Urlaubsgebiet im Sommer wie Winter. Dort liegt auch der Skiort Ischgl, der im vergangenen Winter zu den Hotspots gehörte, von denen sich die Pandemie in Europa ausbreitete, wie die Deutsche Presseagentur dpa am Freitag schrieb. Einreisende aus Wien und Vorarlberg mussten bereits aktuell bei der Einreise einen negativen Covid-19 Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Andernfalls gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht.

Unterschiedliche Quarantänepflicht in deutschen Bundesländer

In Österreich befürchtet man weitere Auswirkungen auf den Tourismus durch die Reisewarnungen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) hatten am Donnerstag einen Ausblick auf den Wintertourismus gegeben und dabei Gäste und Gastgeber auf einen schaumgebremsten Skiurlaub eingestimmt. „Skivergnügen ja, aber ohne Apres Ski“, sagte Kurz. „Jede Reisewarnung ist für den Tourismus dramatisch“, sagte Köstinger und stellte klar, dass Essen und Trinken auch im Freien im Sitzen konsumiert werden müssen.

Zwischen den deutschen Bundesländer wird die Quarantänepflicht unterschiedlich gehandhabt, so verlangt etwa Schleswig-Holstein einen zweiten negativen Corona-Test frühestens fünf Tagen nach Einreise, um die Quarantäne vorzeitig zu beenden. Reisende, die in den vergangenen 14 Tagen nicht in Wien oder Vorarlberg waren, können vom Flughafen Wien-Schwechat ohne Einschränkungen einreisen.

Ausnahmen gibt es auch für Pendler, den Transit (etwa im deutschen Eck und vom kleinen Walsertal) und bei Einreisen für familiäre Angelegenheiten wie der Pflege von Familienangehörigen, Besuchen des Lebenspartners oder der Kinder sowie medizinische Behandlungen und sonstige triftige Gründe. Ab dem 15. Oktober müssen sich Personen aus Risikogebieten, zu denen Wien, Tirol und Vorarlberg zählen, vor der Einreise digital anmelden. Wer seiner Verpflichtung zur Anmeldung nicht nachkommt, riskiert eine Geldstrafe. Ausnahmeregelungen soll es weiterhin für Berufspendler und andere Reisende im sogenannten kleinen Grenzverkehr geben.

Reisewarnung kein Verbot, soll aber abschreckende Wirkung haben

Die meisten tschechischen Regionen waren bereits am Mittwoch von Deutschland in die Risikoliste aufgenommen worden. Jetzt folgten noch die Mährisch-Schlesische Region im äußersten Osten des Landes an der Grenze zu Polen und das an Sachsen grenzende Usti (Aussig). Luxemburg grenzt an das Saarland und an Rheinland-Pfalz. Die Regierung des Großherzogtums hatte frühere Grenzschließungen und Reisewarnungen seitens Deutschlands stets kritisiert. In dem kleinen Land mit seinen etwa 630.000 Einwohnern gibt es zahlreiche Berufspendler, die regelmäßig die Grenze überqueren. Sie sind allerdings von Quarantäneregeln ausgenommen.

Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen und dann solange in Quarantäne, bis das Testergebnis da ist. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung für touristische Reisen haben.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie hatte das Auswärtige Amt am 17. März erstmals eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Für mehr als 30 europäische Länder wurde sie Mitte Juni zunächst wieder aufgehoben. Schon nach wenigen Wochen mussten die Reisewarnungen für die ersten Länder aber wegen steigender Infektionszahlen wieder reaktiviert werden.

Die Einstufung als Risikogebiet und die anschließende Reisewarnung erfolgt, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt. Bei der Reisewarnung für Länder außerhalb Europas kann es bisher auch noch andere Gründe für eine Reisewarnung geben wie Einreisesperren oder Einschränkungen des Flugverkehrs. Das soll aber zum 1. Oktober geändert werden.