Forscher blicken tief ins Innere von Zellkraftwerken

Wissenschafter der ETH Lausanne (EPFL) und der Universität Genf haben erstmals in lebenden Zellen beobachtet, wie die Mitochondrien - die Energiezentren des Körpers - das Erbgutmolekül RNA verteilen. Demnach sind die Moleküle in winzige Tröpfchen verpackt, eingebettet in einer Wolke aus Proteinen.

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Die RNA-Kügelchen sind kleiner als ein Tausendstel der Breite einer Haarsträhne. Wie die Forschenden mittels hochauflösender Fluoreszenz- und Elektronenmikroskopie herausfanden, können sie miteinander verschmelzen und auseinanderbrechen. Weil sich die Membrane der Mitochondrien ständig verformen, verteilen sich die Tröpfchen entlang der Zellkraftwerke. Diese Erkenntnis gebe einen Einblick, wie die Mitochondrien die genetische Information zur Energiegewinnung in Zellen sicherstellen würden, sagte die EPFL-Biophysikerin Suliana Manley laut einer Mitteilung der Hochschule.

Die Mitochondrien enthalten ein eigenes, überwiegend von der mütterlichen Eizelle stammendes Erbgut. Es ist unabhängig vom Genom der menschlichen Zelle und nur etwa 16.000 Basenpaare lang. Zum Vergleich: Die DNA der menschlichen Zelle besteht aus drei Milliarden Basenpaaren.

Besonders für Zellen, die viel Energie benötigen - etwa Nerven- und Muskelzellen - können gestörte Mitochondrien zu schweren Erkrankungen führen. Umso wichtiger sei es, die Funktion dieser Kraftwerke genau zu verstehen, so die Wissenschafter. Sie veröffentlichten ihre Arbeit im Fachmagazin „Nature Cell Biology“.

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Um zu überleben, braucht der menschliche Körper Energie. Diese wird aus der Nahrung gewonnen und gelangt dann über das Blut in die Zellen. Dies ist Aufgabe der Mitochondrien, die deshalb auch als Kraftwerke des Körpers bezeichnet werden.
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