Immuntherapie dürfte auch bei Prostatakrebs wirken

Ein bereits seit Jahren für die Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms zugelassener monoklonaler Antikörper dürfte auch bei Prostatakrebs wirken. Das ist das Ergebnis der Langzeit-Analyse einer internationalen Phase-III klinischen Studie, die jetzt im Fachjournal „European Urology“ veröffentlicht wurde. Dies teilte die MedUni Wien am Dienstag in einer Aussendung mit. Wiener Onkologen haben an der Untersuchung mitgearbeitet.

red/Agenturen

Bei Ipilimumab handelt es sich um einen humanisierten monoklonalen IgG1-Antikörper, der gegen CTLA-4 wirkt. CTLA-4 ist ein Molekül, das einen Teil des Immunsystems kontrolliert, indem es dieses unterdrückt. „Krebszellen können der körpereigenen Abwehr des Immunsystems entkommen, indem sie dieses abschalten. Ein Antikörper gegen CTLA-4, ein sogenannter Checkpointinhibitor (CPI), kann diese Abschaltung blockieren und damit das Immunsystem wieder einschalten. Diese wieder aktivierte Immunreaktion kann dann dem Körper dabei helfen, Krebszellen zu zerstören“, wurde Onkologe Michael Krainer von der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien/AKH Wien zitiert. Er und seine Arbeitsgruppe haben an der Untersuchung mitgearbeitet.

Die aktuelle Studie schloss insgesamt 799 Männer ein. Weltweit wurde sie in den USA, Kanada, Südamerika, Australien und europäischen Ländern durchgeführt. Patienten erhielten im Verhältnis 1:1 eine knochengerichtete Strahlentherapie (8 Gy in einer Fraktion) gefolgt von entweder Ipilimumab zehn Milligramm/Kilogramm Körpergewicht oder einem Placebo alle drei Wochen über bis zu vier Injektionen. Während in der ersten geplanten Auswertung der Überlebensvorteil in der behandelten Gruppe zwar vorhanden, aber statistisch nicht signifikant war, zeigte die Langzeitanalyse, dass gegenüber der Placebogruppe, das Langzeitüberleben nach 3,4 und fünf Jahren in der Immuntherapiegruppe zwei- bis dreimal höher war.

Ipilimumab wurde von der Europäischen Arzneimittel-Agentur bereits zur Behandlung von Melanomen, Lungenkrebs und Blasenkrebs zugelassen. Für die Zulassung zur Behandlung von Prostatakrebs fehlten aber weiterhin noch aussagekräftige Daten, hieß es in der Aussendung. CTLA-4-Checkpoint-Inhibitoren haben im Vergleich zu ähnlich wirkenden PDL-1-Checkpoint-Inhibitoren relativ häufig starke Nebenwirkungen.

Prostatakrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebsart bei Männern. In der EU wurden im Jahr 2015 bei 365.000 Männern Prostatakrebs diagnostiziert. Patienten mit hormon-resistentem Prostatakrebs benötigen zusätzliche Behandlungsoptionen. US-amerikanischen Schätzungen zufolge gelten innerhalb von fünf Jahren zehn bis 20 Prozent aller Prostatakarzinome als kastrationsresistent, was die Behandlung mit antihormonellen Medikamenten unwirksam macht. Dann sind Alternativen verlangt.