Medikament zielgenau mit Ultraschallwellen freigesetzt

Schon lange tüftelt die Medizin daran, Medikamente gezielt an eine bestimmte Stelle im Körper zu dirigieren. Forschende der ETH-Zürich haben nun eine neue Methode entwickelt, die in diesem Vorhaben einen Schritt näher rückt: Mit Ultraschallwellen setzten sie Medikamente im Gehirn von Ratten zielgenau frei.

red/Agenturen

Dazu packten sie den Wirkstoff in kugelförmige Lipidbläschen. Diese reicherten sie mit Ultraschallwellen am gewünschten Ort im Gehirn der Ratten an und ließen die Träger danach mit höherer Ultraschall-Energie vibrieren. Dadurch platzten die Bläschen, sodass der Wirkstoff schließlich freigesetzt wurde.

Die Forschenden testeten ihre Methode mit Neurohemmstoffen. Resultat: Das Medikament wurde nur an der gewünschten Stelle abgegeben und nicht im ganzen Gehirn, wie sie im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten.

Geringe Dosis reicht aus

„Weil wir mit unserer Methode Medikamente dort im Körper anreichern können, wo ihre Wirkung erwünscht ist, reicht eine sehr viel geringere Dosis aus“, sagte Mehmet Fatih Yanik, Professor für Neurotechnologie, laut einer Mitteilung der Hochschule. Beispielsweise benötigten sie für ihr Experiment 1.300-mal weniger Wirkstoff als herkömmlicherweise nötig wäre. Ebenfalls lassen sich mit der zielgerichteten Behandlung unerwünschte Nebenwirkungen verhindern.

Die Wissenschafter testen ihre Methode nun weiter in Tiermodellen, um etwa Angststörungen oder Hirntumore an chirurgisch unzugänglichen Stellen zu behandeln. Erst wenn die Wirksamkeit und Vorteile der Methode in Tieren bestätigt ist, können sie den Einsatz bei Menschen vorantreiben.