Kärnten

Ärztin wegen Suchtgifthandels vor Gericht

Eine Allgemeinmedizinerin musste sich am Dienstag vor dem Landesgericht Klagenfurt wegen des Vorwurfs von Suchtgifthandel verantworten. Sie hatte Abhängigen in ihrer Ordination teils hohe Dosen von Opiaten verschrieben. Sie gab die Verschreibungen zu, fühlte sich aber nicht schuldig. Das Verfahren endete mit einer Diversion.

red/Agenturen

Bei der Gebietskrankenkasse hatten die Alarmglocken geschrillt, weil die Ärztin auffällig viele Suchtgiftpräparate verschrieben hatte. Daraufhin wurde die Medizinerin in die Ärztekammer zu einem Gespräch geladen, danach stellte sie die ominösen Verschreibungen ein. Sie sei zu naiv gewesen, hätte ihren Patienten zu sehr geglaubt, rechtfertigte sie sich vor Gericht. An die 50 Patienten mit Suchtgiftproblemen wurden von der Ärztin betreut. Am Anfang seien es nur einige wenige gewesen, bald seien aber mehr gekommen, sagte sie.

Die Patienten erklärten der Frau, was für sie am Besten wäre, und die Ärztin schrieb die Medikamente auf, darunter auch ein Opiat, das für die Substitutionstherapie gar nicht zugelassen war. Eine Zusatzausbildung für derartige Therapien hatte sie nicht, die Leitlinien des Gesundheitsministeriums bezüglich der Verschreibung von Opiaten waren ihr ebenso wenig bekannt wie die Vorschriften des Suchtmittelgesetzes. Warum sie etwa eine 30-Stück-Packung eines Opiats verschrieben habe, wollte die Staatsanwältin wissen. Da bestehe doch die Gefahr, dass der Patient Missbrauch oder Handel damit treibe, bei dem besagten Präparat liege der Schwarzmarktpreis bei 35 Euro pro Tablette. Es sei nicht möglich gewesen, die Patienten ständig in der Ordination zu haben, rechtfertigte sich die Medizinerin. Dass ihre Patienten die verschriebenen Medikamente regelwidrig verwenden könnten, sie etwa im Schwarzhandel zu verkaufen, sei ihr nie in den Sinn gekommen.

Richter Kugi bot der Ärztin schließlich eine Diversion an, die ihr Verteidiger schon zu Prozessbeginn beantragt hatte. Sie sei kein Suchtgifthändler im klassischen Sinne und habe nicht in Bereicherungsabsicht gehandelt, sondern aus Naivität und Mitleid. Daher sei aus seiner Sicht keine Verurteilung notwendig, zumal sie die Verschreibungspraxis abgestellt habe. Die Frau muss 8.100 Euro Geldbuße bezahlen und der Gebietskrankenkasse mehr als 6.000 Euro rückerstatten. Die 51-Jährige nahm das Angebot sofort an, bat aber um Ratenzahlung. Die Staatsanwältin zeigte sich nicht einverstanden.