FSME-Hotspots verändern sich

Die FSME-Fallzahlen in Österreich sind in den letzten Dekaden um mehr als 80 Prozent gesunken. Das hat aber nichts mit einem Rückgang der verseuchten Zecken zu tun, sondern ausschließlich mit der hohen Durchimpfungsrate. Ganz Österreich gilt als Endemiegebiet, denn Hotspots sind schwer zu prognostizieren und haben sich im Lauf der Jahre ständig verschoben. 

red/Agenturen

Die Anzahl der FSME-Neuerkrankungen ist seit Einführung der Impfung um 85 Prozent zurückgegangen. Sie liegt derzeit (Zeitraum 1999 bis 2017) jährlich bei etwa 41 bis 123 Erkrankungen im Vergleich zu 300 bis 700 in der Zeit davor. Zwischen 2000 und 2011 konnten so durch die Impfung etwa 4.000 FSME-Erkrankungen und 30 Todesfälle verhindert werden.

Gleichzeitig ist das Erkrankungsrisiko für nicht geimpfte Personen unverändert geblieben. Nach wie vor liegt es bei 6 Fällen pro 100.000 Einwohner. Und hier liegt auch die große Gefahr, denn: „Im Unterschied zu anderen Krankheiten führt die FSME-Impfung nur zu einem individuellen Schutz“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien. „Das eigene Erkrankungsrisiko lässt sich nicht dadurch verringern, dass sich alle Personen in meiner Umgebung impfen lassen. In diesem Fall hilft nur die eigene Impfung.“

Zunahme von FSME in Teilen Österreichs und Europas

Die FSME-Hotspots haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte ständig verschoben, eine Prognose über potenzielle weitere Änderungen ist schwierig. Jährliche Fluktuationen in den FSME-Fallzahlen der betroffenen Länder sind typisch. Insgesamt lässt sich aber eine Zunahme in bestimmten Teilen Europas erkennen. Auch haben sich in Gegenden, die bisher als virusfrei betrachtet wurden, neue Hotspots gebildet. Das gilt zum Beispiel für Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland, aber auch für die Schweiz. In Tschechien und der Slowakei wurden FSME-Gebiete in höher gelegenen Gebieten entdeckt. „Die Gründe für diese Veränderungen sind derzeit noch Gegenstand der Forschung“, berichtet der Wiener Virologe Dr. Otfried Kistner. „Mehrere Faktoren dürften eine Rolle spielen. Dazu gehören sicherlich der Klimawandel, aber eventuell auch Zugvögel oder größere Säugetiere, die als Transportvehikel für infizierte Zecken dienen könnten.“

Auch in Österreich haben sich die Gebiete, die besonders stark von FSME betroffen sind, verändert. So wiesen Ober- und Niederösterreich ursprünglich eine ähnlich hohe Erkrankungsrate auf. Nach 1990 stieg jene von Oberösterreich auf mehr als das Doppelte an, während jene von Niederösterreich zurückging. „Besonders auffällig waren jedoch die Veränderungen im Westen des Landes“, stellt Sozialmediziner Kunze fest. „In Tirol gab es bis 1984 und in Vorarlberg bis 2000 keinen einzigen FSME-Fall. Danach wurden das Inn- und das Zillertal in Tirol sowie das Illtal in Vorarlberg hochendemisch. Auch in der Nähe von Salzburg sind neue Hochrisikogebiete entstanden.“

„Auch wenn wir noch nicht genau wissen, wie genau sie zusammenhängen, so gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Faktoren Klima, Wirtstiere und Menschen für die unterschiedliche Verteilung der FSME-Hotspots verantwortlich sein dürften“, bringt Kistner den Stand der Forschung auf den Punkt. „Für uns Menschen bedeutet das, dass wir uns nach wie vor impfen lassen müssen, egal, wo in Österreich wir uns aufhalten. Schließlich wissen wir nicht, wo morgen der nächste FSME-Hotspot auftauchen wird“, ergänzt Kunze.

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