Corona-Impfung

Mehr als 70 Prozent der Italiener erstgeimpft

Mehr als 70 Prozent der italienischen Bevölkerung über zwölf Jahren ist zumindest einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. „Heute haben wir die Schwelle von 70 Prozent der Bevölkerung überschritten, die zumindest die erste Dosis erhalten haben. Das ist ein ermutigendes Ergebnis“, sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza laut Medienangaben am Donnerstag.

red/Agenturen

Die italienische Arzneimittelbehörde AIFA hat die Verwendung der Covid-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren genehmigt. Ein Coronavirus-Impfstoff für jüngere Kinder ist noch nicht zugelassen.

Inzwischen nimmt die Zahl der Infektionen im Land weiter zu. Immer mehr Covid-19-Patienten müssen in Sizilien im Krankenhaus behandelt werden, teilte die Nationale Agentur für regionale Gesundheitsdienste (AGENAS) am Donnerstag mit. Der Anteil der von Corona-Patienten belegten Intensivplätze auf der Insel stieg auf acht Prozent. Ab zehn Prozent Belegung wird eine Region von der weißen Zone mit geringem Risiko in die gelbe Zone mit mittlerem Risiko hochgestuft, was zu einer Reihe von Einschränkungen führt.

Seit Freitag ist in Italien unter anderem für Restaurantbesuche im Innenbereich, in Museen, Fitnessstudios und Schwimmbädern ein Impfnachweis, ein 48 Stunden gültiger negativer Corona-Test oder ein Genesungsnachweis notwendig. Ab 1. September werden nur Passagiere mit Grünem Pass auf Fernstreckenzügen zugelassen. Ab Anfang September müssen Universitätsprofessoren und -studenten, sowie Lehrer den Grünen Pass vorweisen. Dagegen gab es am Samstag - ähnlich wie in Frankreich - Proteste in mehreren italienischen Städten.

Probleme in Italien wegen Kontrollen des Grünen Passes

Unklarheiten über die Kontrolle des Grünen Passes und der Personalausweise sorgen indes für Auseinandersetzungen in Italien. Das Innenministerium kündigte rigorose Kontrollen an, um sicherzustellen, dass das Zertifikat für den Zugang zu den Innenbereichen von Restaurants, Kinos, Museen und Theatern bis zu Orten für Sportveranstaltungen oder Events genutzt werde, doch in vielen Bereichen bleibt unklar, wer die Gültigkeit des Nachweises prüfen soll.

Im Schulsektor sorgt der Grüne Pass für Diskussionen, da die Gewerkschaften anprangern, dass „die Entscheidung, das Zertifikat für das Schulpersonal einzuführen und bei Nichteinhaltung Sanktionen zu verhängen, einseitig von der Regierung getroffen wurde“. In einer Gruppe, „die zu 90 Prozent geimpft ist, führt diese Maßnahme zu starken Spannungen“, protestierten die Gewerkschaften am Donnerstag in einer Presseaussendung. Auch der Verband der Aufseher bei Sportevents und Shows will nicht die Verantwortung der Kontrolle des Grünen Passes übernehmen.

Zugleich kommt es zu Protesten. Die Mitarbeiter des Betriebs Hanon System in Campiglione Fenile bei Turin protestieren gegen die Ankündigung des Unternehmens, den Zugang zur Kantine nur noch Mitarbeitern mit Grünem Pass zu ermöglichen. Die Mitarbeiter planen für Freitag einen zweistündigen Streik.

„Halte den Grünen Pass für schädlich“

Gegen den Grünen Pass, der seit vergangenem Freitag in Italien für den Zugang zu den Innenräumen von Lokalen, Kinos, Theatern und Museen notwendig ist, stemmen sich auch die Rechtsparteien. „Ich halte den Grünen Pass für schädlich für unsere bereits geschwächte Wirtschaft und nutzlos für die Bewältigung der Pandemie. Die Wahrheit ist, dass der Grüne Pass nur ein Instrument ist, um die Impfpflicht einzuführen, ohne die Verantwortung dafür zu übernehmen“, erklärte Giorgia Meloni, Chefin der oppositionellen Rechtspartei „Fratelli d'Italia“, in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Donnerstagsausgabe).

Unterdessen wächst die Zahl der gefälschten Grünen Pässe. Laut dem Cybersicherheitsunternehmens Check Point Software Technologies sind derzeit 2.500 Gruppen auf Telegram aktiv, die gefälschte Impfzertifikate anbieten. Die Nachfrage nach gefälschten Impfausweisen habe sich in den vergangenen Tagen stark ausgeweitet. Die italienische Polizei hat diese Woche 32 Telegram-Kanäle gesperrt, die gefälschte Pässe anboten. Vier Personen, darunter zwei Minderjährige, wurden angezeigt.