Corona-Pandemie

Mehr Beschwerden über Lärmbelästigung in Großbritannien

In Pandemiezeiten hat die Zahl der Beschwerden über Lärmbelästigung durch Nachbarn in Großbritannien deutlich zugenommen. Bei den Gemeinden gingen zwischen April 2020 und März 2021 mehr als 1.000 Beschwerden pro Tag ein, ein Plus von mehr als einem Viertel. Das teilte das Versicherungsunternehmen Churchill Home Insurance am Donnerstag unter Berufung von Daten aus 70 Prozent der Gemeinden im Vereinigten Königreich mit.

red/Agenturen

Sechs der zehn Bezirke mit der höchsten Zahl von Beschwerden lagen demnach in London: Spitzenreiter war der Hauptstadtbezirk Kensington and Chelsea mit 99 Beanstandungen je 1.000 Bewohner. Doch auch anderswo gab es viel Lärm um Nachbarn - in der mittelenglischen Stadt Dudley nahe Birmingham gingen insgesamt 26.000 Beschwerden ein.

„Die Pandemie hat dazu geführt, dass wir auf unsere Wohnungen beschränkt sind. Das bedeutet, dass wir wahrscheinlich alle bewusster auf die Geräusche um uns herum hören“, sagte Churchill-Chef Steven Williams. Da viele Menschen weiterhin von zu Hause arbeiten, würden laute Nachbarn weiterhin als störend empfunden.

Laute Musik als Spitzenreiter

Einer Umfrage im Auftrag des Versicherers zufolge gab ein Drittel (32 Prozent) der Menschen an, dass ihre mentale Gesundheit durch Nachbarschaftslärm negativ beeinflusst worden sei. Die meisten Beschwerden gab es demnach über laute Musik (34 Prozent), gefolgt von Kinder- oder Gartenlärm (30 Prozent) und Partys (29 Prozent). Der Versicherer schätzt, dass die Dunkelziffer enorm hoch ist. So hätten nur 11 Prozent der Befragten angegeben, sich beim Gemeinderat über Nachbarlärm beschwert zu haben. 16 Prozent kontaktierten die Vermieter und 14 Prozent die Polizei.

Psychologin Donna Dawson nannte den Anstieg der Beschwerden angesichts der veränderten Routine verständlich. „Selbst kleine Klangveränderungen können bei vielen Menschen zu erhöhter Angst und Stress führen, insbesondere wenn sie das Privatleben stören und es schwierig machen, sich zu entspannen, zu arbeiten oder sich um die Familie zu kümmern“, sagte Dawson. Probleme sollten mit den Nachbarn besprochen werden - aber nicht in ängstlichem oder wütendem Zustand.