Alpbach

Brustkrebspatientinnen brauchen mehr „Service“

Rund 5.600 Betroffene erkranken in Österreich jedes Jahr an Brustkrebs. 76 Prozent überleben zumindest fünf Jahre. Bei steigenden Zahlen der zum allergrößten Teil betroffenen Frauen mit stabiler Erkrankung auch im fortgeschrittenen Stadium benötigt es neue Betreuungsangebote, hieß es am Sonntag bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen in Alpbach.

red/Agenturen

„Wenn ich zurückkomme auf meine eigene Diagnose, bin ich sehr gut im Krankenhaus Wiener Neustadt betreut worden. Aber alles 'herum' war ein Problem“, sagte Claudia Altmann-Pospischek, die seit 2013 mit einem Mammakarzinom im metastasierten Stadium lebt und in der Selbsthilfe engagiert ist (Claudias Cancer Challenge).

 „Vier von fünf Patientinnen überleben. Wenn wir beim metastasierten Mammakarzinom auf eine durchschnittliche Überlebensdauer von ehemals zwei Jahren auf sechs Jahre gekommen sind, bedeutet das auch, dass wir Patientinnen haben, die zehn bis 15 Jahre Überlebenszeit haben“, fasste der Wiener Chirurg und Mammakarzinom-Spezialist Michael Gnant den medizinischen Fortschritt zusammen.

Leben mit Krebs sollte aber längst nicht nur aus medizinischer Sicht betrachtet werden. Die Betroffenen benötigen laut Claudia Altmann-Pospischek viel mehr: „Zum Beispiel gibt es einen Pflegegeldanspruch mit der ersten Chemotherapie. Das weiß man nicht.“ Das Geld komme aber erst nach dem Datum des Antrags. Ein verspäteter Antrag schade somit.

Neu überlegt werden sollten auch die arbeitsrechtlichen Normen in Österreich. „Wir brauchen flexiblere Arbeitszeitregelungen für Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung. Wir möchten arbeiten. Wir wollen etwas leisten und etwas verdienen, weil viele von uns an der Armutsgrenze leben“, sagte die in der Selbsthilfe engagierte Aktivistin. Für eine optimale Rundumversorgung benötige man auch entsprechende Rehabilitationsangebote, die speziell auf Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung zugeschnitten seien.

Ein ganz heikles Thema sei schließlich das für Betroffene absehbar gewordene Lebensende. Claudia Altmann-Pospischek: „Wir sind da die personalisierte Angst der Anderen. Wir sollten über das Thema des Sterbens offen diskutieren.“ Das sei bisher „das Tabuthema der Tabuthemen“ in der Gesellschaft.

An allen diesen Fragen wird wohl kein Weg vorbeiführen. „Die Gruppe der Menschen, die durch die gute medizinische Versorgung als chronisch Kranke länger überleben, wird größer“, sagte Claudia Altmann-Pospischek. Die Detailprobleme seien vielfältig und sollten angegangen werden. „Viele Frauen, die im mittleren Lebensalter an Brustkrebs erkranken, haben Kinder“, erklärte die Aktivistin. Für sie und ihre Familien müsse man sich ebenfalls Konzepte einfallen lassen.

Brustkrebs
Rund 5.600 Betroffene erkranken in Österreich jedes Jahr an Brustkrebs. 76 Prozent überleben zumindest fünf Jahre.
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