Pflege

Caritas sieht Notstand und fordert Reformen von Regierung

Die Caritas drängt auf eine baldige Umsetzung der Pflegereform. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch wiesen Spitzenkräfte gemeinsam mit Vertreterinnen aus der Praxis auf bestehende Probleme hin. Der Personalengpass werde immer akuter, zahlreiche Stellen könnten nicht besetzt werden. Caritas-Präsident Michael Landau forderte daher die Politik zu Taten auf: „Der Pflegenotstand ist längst Realität. Die Regierung muss jetzt liefern, sonst lässt sie die Menschen im Stich.“

red/Agenturen

Landau hatte symbolisch einen Stapel Papier mit und zitierte frühere Sozialminister. Seit 15 Jahren gebe es Ankündigungen und Versprechungen, passiert sei aber nichts. In der Pandemie sei die Pflege als systemrelevant erkannt worden, so behandelt werden würde sie aber trotzdem nicht, so Landau. Nun drohe das „Pflegesystem selbst zum Pflegefall zu werden“, sagte der Caritas-Präsident.

Generalsekretärin Anna Parr wies auf die vielen offenen Stellen im Pflegebereich hin, mehrere hundert Fachkräfte würden aktuell fehlen. In Niederösterreich müssten deshalb Anfragen für mobile Pflege abgelehnt werden, in Kärnten gebe es Aufnahmestopps in Wohnheimen. Hier müsse man ansetzen, sagte Parr: „Eine Reform steht und fällt mit der Frage nach Fachkräften.“

Konkret wünschte sich Parr vielfältigere Ausbildungswege und die Abschaffung von Ausbildungskosten samt Unterstützung bei den Lebenserhaltungskosten. Die Berufsmöglichkeiten in der Pflege müssten bekannter werden, die Länder sollten die entsprechenden Jobs in ihre Personalschlüssel aufnehmen. Zudem solle der „Einstieg für ausländische Arbeitskräfte vereinfacht“ werden, so die Generalsekretärin.

„Sichere Jobs mit Sinn und Zukunft“

Caritasdirektor Klaus Schwertner merkte ergänzend an, dass bis zum Jahr 2030 100.000 neue Pflegekräfte benötigt würden. Das sei eine schlechte Nachricht, es gebe aber auch eine gute: „Das sind sichere Jobs mit Sinn und Zukunft.“ Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, die Wertigkeit der Berufe steigen, sagte Schwertner. Man müsse dabei über Geld reden aber auch über Arbeitsbedingungen und Freizeit.

Unterstützt wurden diese Aussagen mit Stimmen aus dem pflegerischen Alltag. Barbara Poier, die Direktorin der Pflegeschulen der Caritas Steiermark und Barbara Riegler, eine Pflegefachkraft aus Niederösterreich erzählten von Herausforderungen in der Praxis. Fehlende Ausbildungsplätze wären problematisch, durch die Pandemie seien zusätzliche bürokratische Aufgaben entstanden.

Caritas-Präsident Landau wünschte sich einen Pflegegipfel mit allen beteiligten Organisationen, bei dem ein Stufenplan erstellt werden solle. Die Caritas sei aber auch selbst gefordert, mit einer neuen Kampagne versuche man, auf die Jobchancen in der Pflege aufmerksam zu machen.