Corona-Impfung

Deutschland: Ablehnung für Lotterievorschlag als Impfanreiz

Der Vorstoß von Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans, mit einer Lotterie gegen die Corona-Impfmüdigkeit anzugehen, stößt in Deutschland auf weitgehende Ablehnung. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt erklärte am Donnerstag, dass man lieber auf eine neue Aufklärungskampagne setze. In Niedersachsen sieht man dies ähnlich. „Eine Lotterie oder ähnliche Ideen halte ich nicht für den richtigen Ansatz“, sagte auch Berlins CDU-Chef Kai Wegner der Nachrichtenagentur Reuters.

red/Agenturen

Neben der Aufklärung sei ein möglichst niedrigschwelliges Angebot für das Impfen erforderlich. „Zum Beispiel in den Betrieben, den Einkaufszentren oder vor Ort in den Wohngebieten“, fügte Wegner hinzu. In Sachsen will Ministerpräsident Michael Kretschmer am 20. Juli mit Unternehmensverbänden, Krankenkassen, Ärzten und Gewerkschaften beraten, wie man weiter vorgehen will. In Südostsachsen gilt die Impfbereitschaft als unterdurchschnittlich gering.

Als erster Ministerpräsident hatte Hans gegenüber der Funke-Mediengruppe zur Erhöhung der Impfbereitschaft eine Verlosung vorgeschlagen, „bei der unter Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird“. Hintergrund ist die neue Berechnung des Robert-Koch-Instituts (RKI), dass sich wegen der höheren Ansteckungsgefahr durch die nun auch in Deutschland dominierende Delta-Variante des Coronavirus deutlich mehr als 80 Prozent der Bevölkerung für eine sogenannte Herdenimmunität impfen lassen müssten. Bis einschließlich Mittwoch wurden nach Angaben der Bundesregierung bisher 40,8 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 57,6 erhielten zumindest eine Impfung.

Unterstützung erhielt Hans zumindest von den Intensivmedizinern. Sinnvoll sei neben mobile Impfteams in Innenstädten und großen Treffpunkten wie beispielsweise Fußballstadien auch, „Kampagnen wie in den USA und ... mit einer Verlosung von einem Gewinn von Hunderttausenden Euro“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, dem „Handelsblatt“.

Das RKI meldete 970 neue Positiv-Tests. Das sind 78 mehr als am Donnerstag vor einer Woche, als 892 Neuinfektionen verzeichnet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 5,2 von 5,1 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 31 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Mittwoch erklärt, dass es nach leichten Anstiegen an den Vortagen zu früh sei, von einer Trendumkehr bei den bis zum Wochenende stets sinkenden Infektionszahlen zu sprechen.