Eigenverantwortung wird eingemahnt, Maßnahmen verschärft

Die Halbierung der Infektionszahlen am Wochenende sei leider keine Entwarnung, dämpfte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) entsprechende Hoffnungen. Der Rückgang sei teilweise auf die geringeren Testzahlen am Wochenende zurückzuführen (10.573 Tests in den letzten 24 Stunden). Die Sozialpartner fordern mehr Eigenveramntwortung, die verschärften Corona-Maßnahmen sind bereits in Kraft.

red/Agenturen

Die Zahl der Neuinfektionen ist nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich deutlich zurückgegangen: Am Sonntag meldeten Innen- und Gesundheitsministerium 463 Fälle, was nur etwa der Hälfte der 869 positiven Testergebnisse von Samstag entspricht.

Bisher gab es in Österreich 33.159 positive Testergebnisse. Mit Stand von Sonntag sind 756 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben und 26.760 wieder genesen. Derzeit befinden sich 226 Personen aufgrund des Corona-Virus in krankenhäuslicher Behandlung, davon 44 auf Intensivstationen.

Mit den neuen Maßnahmen der Bundesregierung gemeint sind die Verkleinerung der Veranstaltungen und die flächendeckende Einführung des Mund-Nasen-Schutzes (MNS) in den meisten öffentlichen Gebäuden, die am Montag in Kraft treten. „Ich erwarte mir davon auch eine spürbare Verstärkung des Risikobewusstseins der Bevölkerung - denn jetzt ist in allen Bereichen für alle sichtbar, dass die Situation ernst ist“, so der Ressortchef. „Wir haben im Frühling gezeigt, dass wir es können, jetzt müssen wir zu dieser damaligen Umsicht und Vorsicht und dem damals von fast allen praktizierten Verantwortungsgefühl füreinander zurückkehren.“

Anschober verwies darauf, dass gerade angesichts steigender Zahlen ein sehr schnelles Kontaktpersonenmanagement mit schnellen Testungen und einer schnellen Suche der Kontaktpersonen dringend erforderlich ist. Das sei ein Wettlauf mit der Zeit. Je länger es dauert, desto mehr Ausbreitung des Virus ist möglich. Das Ministerium habe dafür die Zeitvorgabe von maximal 48 Stunden von Symptomen bis Befund und maximal 24 Stunden für das engere Kontaktpersonenmanagement vorgegeben.

Strenge Auflagen für Wintertourismus

Angesichts steigender Zahlen sei das eine enorme Herausforderung für die Gesundheitsbehörden der Länder: „Viele Bundesländer haben daher bereits massiv Personal aufgestockt, um diese entscheidende Tätigkeit schnell umsetzen zu können. Das muss nun auch in Wien verstärkt geschehen, da die Wiener Gesundheitsbehörden durch steigende Infektionszahlen besonders stark gefordert sind.“

Die nächsten Tage und Wochen seien eine wirklich entscheidende Phase. „Jetzt müssen wir mit aller Kraft verhindern, dass Österreich in exponentielle Steigerungen kippt und die Kontrolle über die Pandemie verliert“, betonte der Politiker.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat gestern in der „ORF-Pressestunde“ zudem strenge Auflagen für den Wintertourismus angekündigt. Mund-Nasen-Schutz und Mindestabstand werden Gäste und Touristiker durch die Saison begleiten, Après-Ski in der bisherigen Form wird es nicht geben. Konkrete Maßnahmen nannte Anschober nicht, vieles hänge von der Situation vor Ort ab.

Als Beispiel nannte er, ob es sich um offene oder geschlossene Gondeln handelt. Man sei hier kurz vor einer Einigung, nächste Woche würden Ergebnisse präsentiert. Die Rahmenbedingungen für den Wintertourismus würden jedenfalls „streng“ sein. „Es kommt nur in Frage, was verantwortbar ist“, so Anschober.

Kanzler Kurz wundert sich

Die Bundesregierung und die Sozialpartner haben am Sonntag nach einem Spitzengespräch unterdessen an die Bevölkerung appelliert, die steigenden Corona-Zahlen ernst zu nehmen und Schutzmaßnahmen einzuhalten. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) warben dafür, in den Betrieben wo möglich wieder mehr auf Homeoffice zu setzen und die Hygienekonzepte zu überarbeiten.

„Was wir erleben, ist der Beginn der zweiten Welle“, warnte Kurz. Das sei keine rhetorische Formel, sondern die Realität. Er wundere sich, dass so viele das noch nicht sehen. Daher sei es dringend nötig, dass die von der Bundesregierung verordneten Maßnahmen auch eingehalten werden - zum Schutz auch der älteren Menschen und der Risikogruppen. Ziel sei es, einen zweiten Lockdown zu verhindern. Die Messlatte, ob es zu einem zweiten Lockdown kommen könnte, sei die Situation in den Spitälern. Zwar seien die Belegungszahlen noch sehr niedrig, das dürfe aber nicht überraschen, da es immer einige Zeit brauche, bis sich die Infektionen in Krankenhausaufenthalten niederschlagen. Außerdem seien derzeit noch vor allem junge Menschen betroffen.

Die Sozialpartner, Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl, ÖGB-Chef Wolfgang Katzian und WKÖ-Präsident Harald Mahrer, forderten ebenfalls die Eigenverantwortung der Menschen in Österreich ein - und wollen rasch die Rahmenbedingungen definieren, unter denen die Maßnahmen in den Betrieben umgesetzt werden können. Mahrer sagte: „Der Weg von der Hirnlosigkeit Weniger zur Arbeitslosigkeit Vieler ist ein kurzer“. Anderl forderte klarere Regelungen etwa zum Homeoffice, zusätzlich müsse man aber auch die schützen, die nicht ins Homeoffice gehen können, ergänzte Katzian und forderte einmal mehr eine Pause für Maskenträger. Viele Betriebe hätten sehr gute Sicherheitskonzepte, bei manchen gebe es aber noch „Luft nach oben“.

„Schau auf dich, schau auf mich“ gelte noch immer, erinnerte Kogler. Wenn ausreichend viele mitmachen, könne man in Österreich Gesundheitsschutz, Schutz der Arbeitsplätze und Schutz der Wirtschaft unter einen Hut bringen. Wenn man hingegen den Virus auf den Arbeitsplatz einschleppe, gefährde man auch seine Kollegen und die Arbeitsplätze. Es sei daher besser, jetzt die Kontakte einzuschränken als später noch strengere Maßnahmen einsetzen zu müssen.

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Durch die wiedererstarkte Maskenpflicht erwartet sich Gesundheitsminister Anschober „auch eine spürbare Verstärkung des Risikobewusstseins der Bevölkerung."
BKA / Christopher Dunker