Grenzöffnung - Slowenien erwägt Schließung für Kroatien-Rückkehrer

Der Traum vom Urlaub an der kroatischen Adria könnte ein kurzer gewesen sein: Slowenien erwägt eine neuerliche Schließung der Grenze zum Nachbarland, nachdem mehrere von dort importierte Coronafälle bestätigt worden waren. Sollte die Zahl weiter steigen, „wird eine Quarantäne für alle eingeführt, die aus Kroatien kommen“, sagte Gesundheitsminister Tomaz Gantar. Laut slowenischen Epidemiologen ist Kroatien bezüglich des Coronavirus aber vorerst sicher.

red/Agenturen

„Sobald sich die Zahl der Infektionen in Slowenien erhöht und festgestellt wird, dass diese aus Kroatien eingeschleppt wurden oder die Zahl der täglichen Neuinfektionen dort auf einem höheren Niveau verharrt, wird dieser Staat zur roten Zone und es wird eine Quarantäne für alle eingeführt, die aus Kroatien kommen“, sagte Gantar dem TV-Sender POP TV. Slowenischen Bürgern, die sich jetzt nach Kroatien aufmachen, könnte es damit „passieren, dass sie bei der Rückkehr in Quarantäne“ müssen, mahnte der Minister. „Angesichts der Tatsache, dass sich Kroatien in einem gefährlichen Gebiet befindet, ist diese Gefahr real.“

Slowenien hatte schon Anfang Mai seine Grenze zu Kroatien geöffnet, vor allem auf Druck der Tausenden slowenischen Zweitwohnungsbesitzer im Nachbarland. Seitdem gibt es einen regen Grenzverkehr, der die Behörden in Ljubljana zunehmend nervös macht, zumal Kroatien auch vermehrt Urlauber aus anderen europäischen Ländern wie Österreich anzieht. Bereits in der Vorwoche hatte die slowenische Regierung wegen vom Westbalkan importierter Fälle schon erfolgte Lockerungen im Grenzregime mit Ländern wie Serbien und Bosnien-Herzegowina wieder zurückgenommen.

Der slowenische Außenminister Anze Logar betonte am gestrigen Montag beim Besuch seines österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg in Ljubljana die Entschlossenheit, das Grenzregime bei Bedarf „prompt“ wieder zu verschärfen. „Slowenien kann im Fall eines neuen Ausbruchs jederzeit die Handbremse anziehen und die Grenze für das betroffene Land wieder schließen“, sagte Logar.

Kroatien laut slowenischen Epidemiologen vorerst sicher

Die epidemiologische Lage in Kroatien sei derzeit aber vergleichbar mit Slowenien versichern Epidemiologen: die Zahl der Corona-Fälle pro 100.000 in letzten 14 Tagen liege etwas über zwei, sagte Mario Fafangel aus dem nationalen Institut für öffentliche Gesundheit (NIJZ) bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

„Es ist nach wie vor sinnvoll, Kroatien zu den epidemiologisch sicheren Ländern gezählt wird“, sagte Fafangel, Leiter des Zentrums für Infektionskrankheiten beim NIJZ. Die Situation in Kroatien werde aufmerksam beobachtet, betonte der Epidemiologe. „Die absoluten Zahlen sind nicht dramatisch, sie sind auf einem sicheren Niveau“, sagte er und fügte hinzu, dass die Situation in Kroatien sorgfältig beobachtet werde.

„Epidemiologisch tut sich etwas“ sowohl in Kroatien als auch in Slowenien, sagte Fafangel und fügte hinzu, dass es sich in den nächsten Tagen zeigen werde, in welche Richtung sich der Trend bewege.

Die Pressekonferenz über die Lage zur Corona-Pandemie wurde laut dem Regierungssprecher Jelko Kacin am Dienstag angesetzt, nachdem es in der Öffentlichkeit zu Aufregung gekommen sei, unter anderem wegen eines „zu wenig durchdachten Auftritts des Gesundheitsministers Tomaz Gantar“. Der Minister hatte am Montagabend in einem Fernsehinterview eine neuerliche Schließung der Grenze zu Kroatien nicht ausgeschlossen, sollte dort die Zahl der Coronafälle weiter steigen.

Laut den aktuellsten kroatischen Daten vom Montag wurden jüngst in 24 Stunden insgesamt 19 neue Infektionen bestätigt. Damit liegt die Zahl aller bestätigten Fälle im Adrialand bei 2.336. In Slowenien wurden ebenfalls am Montag 13 neue Coronafälle bestätigt, womit die Zahl auf insgesamt 1.534 bestätigte Infektionen gestiegen ist. Slowenien hat zwei Millionen Einwohner, Kroatien rund doppelt so viele.