Infektionszahlen in Tokio weiter angestiegen

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen hat Tokios Gouverneurin die Bewohner der japanischen Hauptstadt aufgefordert, am bevorstehenden langen Wochenende möglichst zu Hause zu bleiben. Das Virus breite sich nicht nur wie zuletzt bei jungen Leuten verstärkt aus, sondern inzwischen auch bei mittelalten und alten Menschen, sagte Yuriko Koike am Mittwoch.

red/Agenturen

Japans Regierungschef Shinzo Abe hatte den wegen der Corona-Pandemie ausgerufenen Ausnahmezustand Ende Mai wieder aufgehoben. Danach stieg die Zahl der bestätigten Neuinfektionen jedoch wieder an, vor allem in Tokio. Zuletzt lag die Zahl der Neuinfektionen in der japanischen Hauptstadt jeden Tag über 200. Ab Donnerstag haben die Japan vier Tage frei. Am Freitag sollten in Tokio eigentlich die Olympischen Sommerspiele beginnen, die wegen der Corona-Pandemie aber auf Sommer 2021 verschoben wurden.

Nach Angaben der Gouverneurin gab es in Tokio zuletzt vor allem in Restaurants und Theatern neue Infektionsherde, aber auch an Arbeitsplätzen und in Schulen. In der Hauptstadt gilt wegen der steigenden Zahl an Neuinfektionen bereits die höchste Warnstufe.

Die Situation in Japan ist insgesamt aber weniger ernst als in anderen Ländern. Japan bestätigte am Dienstag 631 neue Infektionsfälle, davon 231 in Tokio. In drei Präfekturen erreichten die Tageszahlen Höchststände seit Ausbruch der Pandemie. Etwa 27.000 Menschen infizierten sich nach Zahlen des Gesundheitsministeriums bisher mit dem SARS-CoV-2-Virus, der die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Etwa 1.000 Menschen starben. Wegen der Pandemie wurden die Olympischen Spiele 2020, die in Tokio stattfinden sollten, auf das kommende Jahr verschoben.

Tourismus mit Staatszuschüssen

Japans Regierung hat trotz der wieder steigender Coronainfektionszahlen eine umstrittene Tourismuskampagne mit Zuschüssen aus Steuergeldern für Reisende aufgelegt. Mit der Maßnahme, die am Mittwoch vor einem langen Wochenende mit vier freien Tagen startete, will Japan die schwer von der Corona-Krise gezeichnete Reiseindustrie stützen. Bis zur Hälfte der Tourismusausgaben wie Beherbergung und Transport sollen vom Staat bezuschusst werden.

Das Angebot gilt aber nur für Reisende innerhalb Japans, die Außengrenzen des Landes sind weiterhin geschlossen. Zudem wurde die Hauptstadt Tokio wegen der dort wieder deutlich steigenden Tageszahlen an Neuinfektionen ausgeschlossen.

Bereits vor dem Start dieser Förderkampagne regte sich Widerstand: Kritiker befürchten, dass sich das Virus weiter ausbreiten könnte, wenn die Menschen wieder in andere Regionen reisen. Doch der rechtskonservative Regierungschef Shinzo Abe trat Bedenken entgegen: „Wir werden Anti-Infektionsmaßnahmen gründlich umsetzen (...)“, sagte er vor Reportern. „Wir werden die wirtschaftlichen Aktivitäten vorsichtig und in Zusammenarbeit mit den Menschen wieder aufnehmen.“ Noch vor etwa zwei Monaten hatte Abes Regierung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus Menschen dazu aufgerufen, keine nicht absolut notwendigen Reisen über die Grenzen der Präfekturen hinweg zu unternehmen.