ÖGARI

Intensivmediziner regen Lehren aus Krise an

Die Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) hat in der Corona-Pandemie Stärken aber auch Schwächen auf den heimischen Intensivstationen ausgemacht. In einem Positionspapier fordern die Fachärzte nun anlässlich des Tags der Intensivmedizin am 20. Juni, Lehren aus der Krise zu ziehen. Die Gesundheitsplanung müsse aufgrund einer sich ändernden Patientenstruktur abgesichert, Arbeitsbedingungen attraktiv gestaltet und Daten verstärkt genutzt werden.

red/Agenturen

„Österreich hat, auch im internationalen Vergleich, generell ein hervorragendes Gesundheitssystem, und es ist insbesondere auch gut aufgestellt, was die intensivmedizinische Versorgung betrifft“, betonte ÖGARI-Präsident Walter Hasibeder am Freitag in einer Aussendung. Österreich verfügte Ende Mai 2021 über 2.057 Intensivbetten, hieß es darin unter Berufung auf Zahlen des Gesundheitsministeriums. Österreich liege damit im OECD-Vergleich mit 28,9 Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern hinter Deutschland und vor den USA an zweiter Stelle, deutlich vor Nachbarländern wie der Schweiz (11,8), Ungarn (11,2) oder Italien (8,6).

„Trotz unserer Stärken sind gerade in der Pandemie auch strukturelle und personelle Schwächen sichtbar geworden“, erläuterte Hasibeder. Starke Veränderungen in der Altersstruktur der Patienten, die Zunahme der Zahl und Schwere der Vorerkrankungen und die Tatsache, dass erfolgreiche Behandlungen heute auch bei Menschen mit eingeschränkten Leistungsreserven möglich geworden sind, sollten sich in künftigen Anpassungen des Österreichischen Strukturplans Gesundheit (ÖSG) stärker widerspiegeln, heißt es in dem Positionspapier.“Aus unserer Sicht sind bundesländerübergreifende Mindeststandards für die personelle Ausstattung des gesamten Anästhesiebereichs mit seinen Operationssälen, Aufwachräumen bzw. Holdingareas erforderlich“, so der ÖGARI-Präsident und Vorstand der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams.

Kommunikation mit Angehörigen essentiell

Die Herausforderungen der Pandemie habe auch die Notwendigkeit deutlich gemacht, im Krisenfall zusätzliche Personalreserven für die Intensivversorgung mobilisieren zu können, zum Beispiel ärztliches Pflegepersonal aus dem Bereich Anästhesie. „Hier bewährt sich das österreichische Modell, ärztliches Personal in der Intensivmedizin auf der Basis eines Grundlagenfaches wie Anästhesie oder Innerer Medizin auszubilden, statt im Rahmen einer eigenen Facharztausbildung“, betonte Eva Schaden von der MedUni Wien/AKH. Die pflegerischen Spezialausbildungen in Anästhesie- und Intensivpflege sollten aus Sicht der ÖGARI zumindest in Teilbereichen über ein gemeinsames theoretisches und praktisches Curriculum verfügen.

Weitere Themen, die im Positionspapier angesprochen werden, sind die Forderungen, Patientenwege in die Intensivmedizin und nach dem Intensiv-Aufenthalt noch besser zu strukturieren und die Notwendigkeit einer „erweiterten Intensivdokumentation“. Eine optimale Nutzung von Informationstechnologien, Big Data und Künstlicher Intelligenz könnten intensivmedizinische personelle Ressourcen schonen und die Versorgung stärken, betonte die ÖGARI. „Ein wichtiger Aspekt ist hier auch die Kommunikation von Intensivpatientinnen und -patienten mit ihren Angehörigen“, sagte Schaden. „In der Pandemie haben wir rasch Alternativen zum persönlichen Besuch eingesetzt, zum Beispiel Videotelefonie. Diese Optionen sollten nicht nur erhalten, sondern noch weiter professionalisiert werden“, so die Stellvertreterin für den Bereich Intensivmedizin im ÖGARI-Vorstand.