Coronavirus

Kaum Beschränkungen für Gäste aus deutschem Risikogebiet

Trotz Bedenken in österreichischen Tourismusregionen angesichts des massiven Coronaausbruchs in Nordrhein-Westfalen (NRW) gibt es für Gäste aus deutschen Risikogebieten kaum Einreisebeschränkungen. Die Bundesregierung sei derzeit im Abstimmungsprozess mit der deutschen Regierung. Die Lage werde laufend evaluiert, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums Freitagnachmittag gegenüber der APA.

red/Agenturen

Während einige deutsche Bundesländer wie etwa Bayern oder Baden-Württemberg Beschränkungen wie Beherbergungsverbote für Personen aus deutschen Risikogebieten verhängt haben, wurden auch in Österreich Bedenken geäußert. Die Salzburger Landessanitätsdirektion hatte angesichts der Reisewarnungen und des Ferienbeginns in NRW einen Nachweis über einen negativen Coronatest bei der Reise nach Salzburg gefordert.

Auch der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) gab sich zurückhaltend. „Wenn ich in einem Gebiet wohne, wo es größere Ausbrüche der Krankheit gibt, begebe ich mich nicht ins Ausland. Denn dort muss ich ja dann mit Quarantänemaßnahmen, mit Absonderungen und vielleicht auch damit rechnen, dass ich behördlich wieder zurückgeschickt werde“, sagte er und riet Urlaubern aus Risikogebieten eindringlich von einer Reise ab.

Massiver Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies

Während das Außenministerium Österreicher vor der Ausreise in die beiden NRW-Landkreise Gütersloh und Warendorf warnt, gibt es für Reisende aus der Region kaum Einreisebeschränkungen nach Österreich. Das Gesundheitsministerium verhängte entgegen einer frühere Ankündigung doch kein Landeverbot für Flüge aus NRW. An den österreichischen Flughäfen werden lediglich Gesundheitskontrollen - in Form von Fieberchecks - vorgenommen. Für auf dem Landweg einreisende Touristen aus den betroffenen Landkreisen gibt es gar keine Einschränkungen. Sie würden nicht anders behandelt als restliche Deutsche, sagte ein Sprecher des Krisenstabs des Innenministeriums gegenüber der APA.

Beim deutschen Fleischkonzern Tönnies hatte es zuletzt einen massiven Corona-Ausbruch mit mehr als 1.500 infizierten Arbeitern gegeben. Im Kreis Gütersloh, aber auch im Kreis Warendorf, lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage zuletzt teils deutlich über der Marke 50. Laut Robert Koch-Institut sanken die Raten am Donnerstag im Kreis Gütersloh auf 192,8 und im Kreis Warendorf auf 50,4. Das Bundesland NRW hat das Alltagsleben vorläufig bis zum 30. Juni wieder deutlich eingeschränkt. Die Ferien beginnen am 29. Juni.

Sollte eine Person in Österreich erkranken, muss sie in Quarantäne oder darf vorausgesetzt einer Zustimmung des Amtsarzts nach Hause fahren, teilte das Gesundheitsministerium der APA am Freitagnachmittag mit. Kranke, Krankheitsverdächtige und Ansteckungsverdächtige sind nach dem österreichischen Epidemiegesetz abzusondern. „Wo die Absonderung konkret erfolgt, obliegt der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde vor Ort“, erläuterte ein Sprecher. Sei sie in der Wohnung des Kranken nicht möglich, so sei die Unterbringung in einer Krankenanstalt oder einem anderen geeigneten Raum durchzuführen, der durch die Bezirksverwaltungsbehörde zur Verfügung gestellt werden müsse. „Das bedeutet, dass der Betroffene oder die Betroffene die dafür anfallenden Kosten nicht selbst zu tragen hat, sie werden behördlich übernommen.“

Ein allfälliger Transport liegt ebenfalls im Entscheidungsbereich der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde. Ein Amtsarzt muss entscheiden, ob es zumutbar beziehungsweise medizinisch tragbar ist, dass eine solche Person nach Hause ins Heimatland fahren darf oder nicht. „Eine Absonderung nach dem EpG schließt nicht aus, dass die Behörde in Absprache mit der zuständigen Behörde im Heimatland, eine Person in einem Absonderungstransport mit gewissen Auflagen heimschickt. Das medizinische Wohl der betroffenen Person und der Schutz der Bevölkerung sind an oberster Stelle.“

Wichtig sei, alle Schritte mit den örtlichen Gesundheitsbehörden abzuklären. Ziel des Gesundheitsministeriums ist es, die Testung nach Verdacht innerhalb von 24 Stunden zu veranlassen sowie auch die Klärung der unmittelbaren Kontakte im gleichen Zeitraum. Auch die Kontaktpersonen sollten, sofern der Verdachtsfall sich bestätigt, innerhalb von erneut 24 Stunden abgesondert werden.

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