Kurz unterstützt Australien bezüglich China-Untersuchung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich hinter die Forderung der australischen Regierung nach einer unabhängigen Untersuchung des Ausbruchs der Corona-Pandemie in China gestellt. Angesichts neuer Erkenntnisse, wonach sich das Coronavirus bereits Monate früher als gedacht in Norditalien verbreitet habe, unterstütze der Kanzler die Kampagne des australischen Premierministers Scott Morrison nach einer unabhängigen Untersuchung.

red/Agenturen

„Wir wollen kein Spiel der Schuldzuweisungen beginnen. Es geht um eine weltweite Pandemie, es ist gut, dass es eine Untersuchung der WHO gibt, wie von Premierminister Morrison verlangt. Es ist außerdem gut, dass wir mehr und mehr über das Virus in Erfahrung bringen, aber wir machen niemanden dafür verantwortlich“, so Bundeskanzler Kurz in dem Interview mit der „Sydney Morning Herald“. Befragt, ob er glaube, dass die chinesischen Behörden in der Frühphase des Ausbruchs Irreführung betrieben hätten, meinte Kurz, sein Schwerpunkt liege auf der bevorstehenden unabhängigen Untersuchung.

China war im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie international unter Druck geraten. US-Präsident Donald Trump brachte mögliche Entschädigungsforderungen ins Spiel. Morrison forderte, China müsse die Hintergründe des Ursprungs in der Provinzhauptstadt Wuhan aufklären; Australien habe in der Frage auch internationale Regierungschefs kontaktiert, hieß es.

China war in einem westlichen Geheimdienstpapier scharf für den Umgang mit der Coronakrise kritisiert worden. Das Dossier der „Five Eyes“ genannten Geheimdienstallianz der USA, Großbritanniens, Australiens, Kanadas und Neuseelands fasste die Vorwürfe und Verdächtigungen zusammen, wie die australische Zeitung „Saturday Telegraph“ Anfang Mai berichtete. Demnach dokumentiert das Dossier die Vertuschung chinesischer Behörden und weist auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in Wuhan hin, wo das neue Coronavirus im Dezember erstmals aufgetaucht war.

Kurz will strenge Gesetze im Falle von zweiter Welle vermeiden

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hatte sich anlässlich eines Telefonats mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi Ende April noch vorsichtiger als Kurz zu einer Untersuchung des Ursprungs der Corona-Pandemie in China geäußert. Er sprach sich für eine allgemeine Aufarbeitung aus. „Wir befinden uns noch mitten in der Phase des Krisenmanagements. Anschließend ist der Zeitpunkt für eine umfassende Aufarbeitung, um Lehren für die Zukunft zu schließen“, ließ Schallenbergs zu der Forderung Australiens damals wissen.

Kanzler Kurz hatte eine Gruppe mit im Kampf gegen die Coronakrise „smarten“ Ländern („First Movers“) ins Leben gerufen. Dazu gehört neben Österreich, Israel, Dänemark, Griechenland, Tschechien, Norwegen, Singapur und Neuseeland auch Australien. Die Regierungschefs dieser Staaten tauschten sich in mehreren Videokonferenzen zu Anti-Corona-Maßnahmen aus. Nach dem ersten bestätigten Fall im Land am 25. Jänner - ein Rückkehrer aus Wuhan - schloss Australien bereits am 1. Februar die Grenzen zu China.

Kurz äußerte sich gegenüber den „Sydney Morning Herald“ auch zum weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie: „Wir sind alle besser bei der Eindämmung geworden. Es gibt viel größere Testkapazitäten, und wir haben jetzt viel bessere Strukturen, um mit dieser Pandemie fertig zu werden. Daher denke ich, dass wir eine gute Chance haben, bei einer zweiten Welle mit regional begrenzten Maßnahmen reagieren zu können - möglicherweise mit regionalen Lockdowns.“ Außerdem habe auch die Bevölkerung mehr Erfahrung im Umgang mit dem Virus. „Daher glaube ich, sollten die (Infizierten)Zahlen wieder in die Höhe gehen, dass die Leute von sich aus reagieren - wahrscheinlich ohne Notwendigkeit einer strengen Gesetzgebung, zumal sie ja selbst nicht krank werden wollen.“