Deutsche Kinderärzte gegen Ethikrat

Masern-Impfpflicht unverzichtbar

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland zeigt sich davon überzeugt, dass die Masern in Deutschland ohne eine Impfpflicht nicht ausgerottet werden können.

red/Agenturen

Er wandte sich am Samstag entschieden gegen die Einschätzung des Deutschen Ethikrates, dass die von der Bundesregierung geplante Impfpflicht in Kitas und Schulen nicht gerechtfertigt sei. Es sei wirklichkeitsfremd, wenn das Gremium zwar die moralische Pflicht zur Impfung anerkenne, die rechtliche Pflicht aber ablehne, erklärte der Verband.

Kinder- und Jugendärzte verwendeten einen großen Teil ihrer Arbeit darauf, Eltern über Nutzen und Risiken aufzuklären, Impfbücher zu kontrollieren und an ausstehende Impfungen zu erinnern. Aber es gebe viele Eltern, die erst gar nicht in die Praxen kämen oder die ihren Kindern nicht die wichtige Zweitimpfung geben ließen, erklärte der Verband. Grund sei meist Vergesslichkeit und Nachlässigkeit.

Deutscher Ethikrat: Impfen „keine reine Privatangelegenheit“

„Das Ansteckungsrisiko für ihre eigenen Kinder und erst recht für andere Kinder übersehen diese Eltern“, kritisierte der Berufsverband. „Daher fordern wir: So wie es eine allgemeine Schulpflicht zum Wohle der Kinder und der ganzen Gesellschaft gibt, sollte es auch eine allgemeine Impfpflicht geben, nachdem alle gut gemeinten Aufklärungskampagnen der letzten Jahre nicht dazu geführt haben, die Masern in Deutschland auszurotten.“

Der deutsche Ethikrat hatte erklärt, die Impfpflicht für Kinder in Kitas und Schulen sei wegen der hohen Impfquoten in diesen Altersgruppen nicht gerechtfertigt. Grundsätzlich sei es keine reine Privatangelegenheit, ob man sich gegen eine hochansteckende Infektionskrankheit impfen lasse. Angesichts einer solchen „moralischen Pflicht“ sei aber zu prüfen, für wen auch eine Rechtspflicht erforderlich sei.

Nach dem Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll eine Impfpflicht gegen Masern ab März 2020 für Kinder und das Personal in Kitas und Schulen kommen, außerdem für Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen.