Mehr als eine Million Corona-Infizierte in Brasilien

Mehrere lateinamerikanische Länder gehören derzeit zu den Brennpunkten der globalen Pandemie - fast vier Monate, nachdem die ersten Fälle in der Region erfasst wurden. Brasilien steht mit offiziell mehr als einer Million Infizierten und mehr als 50.000 Toten in beiden Kategorien weltweit nur noch hinter den USA.

red/Agenturen

Brasilien verzeichnet nach offiziellen Angaben im Zusammenhang mit dem Coronavirus mehr als eine Million Fälle und mehr als 50.000 Todesopfer. Die Zahl der Toten ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums binnen 24 Stunden um 641 auf 50.617 gestiegen. Weitere 17.459 Infektionen lassen die Gesamtzahl der bestätigten Fälle auf 1.085.038 klettern.

Brasilien verzeichnet nach den USA weltweit die meisten Covid-19-Infektionen und Todesfälle infolge der Atemwegserkrankung. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer mangels breiter Testmöglichkeiten weitaus höher liegen könnte.

Soziale Brennpunkte: Virus verbreitet sich

„Brasilien testet brutal weniger als es sollte. Im besten Falle 20 Mal weniger als das, was als angemessen erachtet wird“, sagte der Biowissenschaftler Daniel Lahr von der Universität São Paulo dem Portal „G1“. Wissenschaftliche Studien und Schätzungen von Organisationen legen nahe, dass sich mindestens sieben Mal so viele Menschen infiziert haben als bislang bekannt, und doppelt so viele als erfasst sind gestorben. 

Den vermutlich ersten Coronavirus-Fall registrierte das Land am 25. Februar - einen Geschäftsmann, der aus Italien zurückgekommen war. Zunächst als Virus der Reichen bekannt, die es sich leisten können, ins Ausland zu reisen, hat sich Corona inzwischen in die sozialen Brennpunkte großer Städte wie Rio de Janeiro und São Paolo sowie in das Landesinnere verbreitet.

Präsident Jair Bolsonaro verharmloste das Coronavirus als „kleine Grippe“ und wollte keine Maßnahmen zur Eindämmung treffen. Nachdem Gouverneure und Bürgermeister Einschränkungen erlassen hatten, wurden diese vielerorts zuletzt wieder gelockert.

Costa Rica stoppt Lockerungen von Corona-Maßnahmen

Costa Ricas Regierung stoppt währenddessen nach Angaben von Gesundheitsminister Daniel Salas bis auf weiteres die begonnenen Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Grund sei der Anstieg der Infektionen in den letzten Tagen.

So seien alleine in den vergangenen 24 Stunden 119 neue Fälle bestätigt worden - so viele wie noch nie binnen eines Tages. Costa Rica zählt gut 5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Insgesamt hat das mittelamerikanische Land nunmehr 2058 Ansteckungen und zwölf Tote zu verzeichnen.

Man könne angesichts dieser Zahlen nicht so tun, als ob alles in Ordnung sei und einfach mit der Wiedereröffnung der Wirtschaft fortfahren, sagt Salas. „Geschäfte und Einkaufszentren, Strände, Kirchen und andere Aktivitäten werden warten müssen, bis wir eine nachhaltige Abnahme der Fälle haben.“ Auch der Spielbetrieb der Fussballliga werde bis auf weiteres ausgesetzt.

Guatemalas umstrittener Gesundheitsminister abgesetzt

Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei hat inmitten der Corona-Krise den Gesundheitsminister ausgetauscht. Er habe María Flores und drei Vizeminister vereidigt, teilt Giammattei am Freitag per Twitter mit. Flores, die bereits während der Regierung von Präsident Óscar Berger (2004-2008) einen hochrangigen Posten im Gesundheitsministerium innegehabt hatte, ersetzt den bisherigen Minister Hugo Monroy. Eine Begründung gab der konservative Giammattei, selber gelernter Arzt, nicht.

Der guatemaltekische Staatsanwalt für Menschenrechte, Jordán Rodas, nannte den Schritt wichtig, aber verspätet. Er hatte bereits am 23. März in einem offenen Brief Giammattei empfohlen, Monroy zu feuern. Kontrollen in Krankenhäusern sowie des Ankaufs von Materialien hätten zutiefst besorgniserregende Mängel beim Umgang des Gesundheitsministeriums mit der Corona-Krise zutage gebracht, hieß es damals.

Inzwischen 20.000 Tote in Mexiko

Lateinamerika ist derzeit einer der Brennpunkte der globalen Coronavirus-Pandemie. In Guatamela - mit etwa 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Mittelamerikas - wurden bisher offiziell 11 868 Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 und 449 Todesfälle nach einer Covid-19-Erkrankung registriert.

Mexiko hat die Marke von 20.000 Todesopfern infolge der Corona-Krise überschritten. Nach Angaben der Regierung vom Freitag (Ortszeit) stieg die Anzahl registrierter Todesopfer nach Covid-19-Erkrankung im Vergleich zum Vortag um 647 auf 20.394. Mehr als 170.000 Infektionen inzwischen festgestellt.

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