Neue Lockerungen im Sport-, Kultur- und Gastrobereich

Die Regierung hat am Mittwoch nach dem Ministerrat weitere Lockerungen der Coronamaßnahmen bekanntgeben. So ist ab 1. Juli wieder jeder Sport sowohl Indoor als auch Outdoor erlaubt, also auch Kontakt- und Mannschaftssport. Die Sperrstunde für Veranstaltungen bis 100 Personen und die Maskenpflicht für Kellner fällt. Zudem wurde eine Reisewarnung der Stufe fünf für Nordrhein-Westfalen ausgesprochen.

red/Agenturen

Das gab Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bekannt. Er bat aber darum, „die Maske bitte nicht wegzuwerfen, wir werden sie noch brauchen“, sagte Kurz. Vor allem im Spätherbst könne es wieder eine „schwierige Situation“ geben, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) forderte dazu auf, mit den Lockerungsschritten „sorgsam umzugehen“. Das Motto „genießen und aufpassen“ solle beherzigt werden.

Ab September werden unter bestimmten Voraussetzungen Events im Freien mit bis zu 10.000 und drinnen mit bis zu 5.000 Teilnehmern erlaubt - das betrifft den Sportbereich ebenso wie die Kultur. Somit sind Besucher in Stadien und bei Konzerten auch wieder erlaubt. Allerdings muss es für diese zugewiesene Sitzplätze geben, auch müssen Abstandsregeln eingehalten werden. Dazu wird laut Anschober auf „freiwilliges Tracking“ gesetzt. Die Namen der besuchenden Personen sollen erfasst werden - „freiwillig im Rahmen des Datenschutzes“, sagte der Minister. Das „festhalten von Kontaktdaten auf freiwilliger Ebene“ soll auch für alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern realisiert werden, sagte Anschober.

Ab 1. Juli jeder Sport wieder erlaubt, keine Maskenpflicht für Gastronomie

Umfangreich fallen die Lockerungen im Sportbereich aus. Hier wird bereits nächste Woche sowohl im Innen- als auch im Außenbereich wieder alles erlaubt. Allerdings müssen Anwesenheitslisten geführt werden, sagte Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne).

In der Gastronomie darf ab Juli früher aufgesperrt werden - um 5.00 Uhr statt wie bisher um 6.00 Uhr, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Buffets mit Selbstbedienung werden prinzipiell wieder möglich. Die Sperrstunde für geschlossene Veranstaltungen bis zu 100 Personen - also beispielsweise für Hochzeitsfeiern - fällt. Außerdem wird für das Personal in der Gastronomie die Maskenpflicht aufgehoben, wie Kanzler Kurz ankündigte. Das sei eine „deutliche Arbeitserleichterung“. Die Masken seien nur noch eine Empfehlung und keine Pflicht mehr. 

Eine baldige „pragmatische Lösung“ stellte Anschober bei der Pressekonferenz für die Nachtgastronomie in Aussicht: Am gestrigen Dienstag gab es eine „gute Sitzung“ mit Branchenvertretern. Für kleine Bars wird die Thekenausschank ab 1. Juli möglich sein. Mit den größeren Clubs soll es bis Ende nächster Woche eine Lösung geben. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Ausnahmen für Risikogruppen werden verlängert

Kurz betonte, dass die skizzierten Schritte nur dann umgesetzt werden können, „wenn die Entwicklung weiter eine gute ist“. Mit aktuell 474 aktiven Erkrankten stehe man im europäischen Vergleich sehr gut da. „Wir evaluieren die Öffnungsschritte, bisher haben wir neun große hinter uns gebracht“, so Anschober. Bis zum heutigen Tag sei es bei keinem der Öffnungsschritte zu einem spürbaren Anstieg der Infektionen im betroffenen Bereich gekommen, „deswegen trauen wir uns den nächsten Schritt zu und wollen zweitens mit dem heutigen Tag eine Planungsperspektive bieten“.

Das Sozialministerium kündigte am Mittwoch an, die Ausnahmebestimmungen für sogenannte Covid-19-Risikogruppen bis Ende Juli zu verlängern. Menschen aus den Risikogruppen sollen weiterhin von der Arbeit freigestellt werden oder wenn möglich von zu Hause arbeiten. Der besondere Schutz gilt vor allem für Personen mit chronischen Grunderkrankungen.

Reisewarnstufe fünf für Nordrhein-Westfalen

Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen in Österreich stabil ist zeigen internationale Entwicklungen, dass das nicht überall der Fall ist, meinte Kurz. „Das Virus ist nicht verschwunden. Wir müssen auch in Österreich bei niedrigen Ansteckungszahlen weiter wachsam sein“, forderte er.

Vor allem der massive Corona-Ausbruch beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen habe gezeigt, „wie schnell es zu weiteren dramatischen Situationen kommen kann“, sagte der Bundeskanzler. Daher wurde die partielle Reisewarnung der Stufe fünf für das deutsche Bundesland verhängt.

Professionalisierung des Containments

Wegen der Entwicklungen beim deutschen Fleischverarbeitungsbetrieb Tönnies will auch Gesundheitsminister Anschober auf jene Risikogruppe in prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen ein Auge werfen, die sich im Verdachtsfall nicht von selbst bei den Gesundheitsbehörden melden.  Anschober kündigte deshalb für kommende Woche ein „umfassendes neues Testprogramm mit großem Screening“ an. 

Für das sogenannte Containment sollen noch einmal 390 Millionen Euro in die Hand genommen werden, um die Teststrategien zu verbessern. Es gehe darum, „Glutnester“ von Infektionen einzudämmen, damit kein „Flächenbrand“ entstehe, erklärte Kurz.

Wie Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) ausführte, sollen ab kommender Woche auch die Testungen für Tourismus-Mitarbeiter schrittweise in allen Urlaubsregionen ausgerollt werden.

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BKA / Andy Wenzel