Coronavirus

Regionale Kontaktbeschränkungen „wie im Lockdown“ denkbar

Lokale Ausbrüche bestimmen weiterhin das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland. Insgesamt haben die Behörden dem Robert Koch-Institut (RKI) 537 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet, wie das RKI am Montag vormittag meldete. Der Fleischerzeuger Tönnies in Nordrhein-Westfalen steht weiterhin im Mittelpunkt des Infektionsgeschehens. Ministerpräsident Armin Laschet unterstrich diesbezüglich die  Möglichkeit eines regionalen Lockdowns.

red/Agenturen

Damit liegt die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen weiter deutlich über den Werten, die noch bis etwa Mitte Juni täglich gemeldet wurden. Die höheren Zahlen der vergangenen Tage seien insbesondere auf größere Ausbrüche in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen zurückzuführen, hieß es zuletzt vom RKI.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich insgesamt 190.359 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt. Im Zusammenhang mit dem derzeit größten lokalen Ausbruch in einer Fleischfabrik von Tönnies im ostwestfälischen Kreis Gütersloh wurde bei mehr als 1300 Beschäftigten das Virus nachgewiesen. Der Kreis überschreitet damit den von Bund und Ländern vereinbarten Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen binnen einer Woche je 100.000 Einwohner klar. Für einen Lockdown sehen die Behörden derzeit dennoch keinen Grund.

Allerdings weist Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, wo Tönnies steht, darauf hin, dass selbige auf regionaler Ebene durchaus möglich wäre. „Wir haben die Schulen und Kitas geschlossen, das ist der erste Teil eines Lockdowns. Und wir werden weitere Schritte in diesen Tagen prüfen.“ Er führte aus: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir Kontaktbeschränkungen ebenfalls wieder erlassen, so wie sie im Lockdown gegolten haben.“ Laschet hatte am Sonntag argumentiert, das Infektionsgeschehen sei klar bei der Firma Tönnies lokalisierbar, und es gebe keinen „signifikanten Übersprung“ hinein in die Bevölkerung.

Im ZDF verwies er unter anderem auf die Quarantäne, „die wir jetzt für 7000 Menschen verordnet haben“ - sämtliche Tönnies-Mitarbeiter waren unter Quarantäne gestellt worden. „Und das ist schon ein ambitiöses Ziel, denn die Menschen müssen mit Essen versorgt werden, man muss ihnen auch in ihrer Muttersprache erklären, was eigentlich das Problem ist“, sagte der Ministerpräsident.

Infektionsketten werden nachvollzogen

In den nächsten Tagen werde es einen Bericht von Experten geben, die die Infektionsketten nachverfolgten - der solle abgewartet werden. „Und ich kann diesen Lockdown nicht ausschließen. Er muss nur gezielt sein, er muss begründet sein, und er muss das Ziel erreichen, dass sich die Infektion nicht weiter in die Bevölkerung verbreitet.“

In den meisten Bundesländern ist die Zahl der Neuinfektionen weiterhin gering. Auch im Bundesland Thüringen, das vor etwa einer Woche als erstes die Kontaktbeschränkungen aufgehoben hat, bleibt die Lage überschaubar. In den vergangenen 24 Stunden wurden den Behörden dort drei neue Fälle gemeldet. Mehr als 140 Landkreise meldeten in den vergangenen sieben Tagen überhaupt keine Neuinfektionen.

Bislang starben dem RKI  zufolge 8.885 nachweislich mit dem Virus Infizierte. 175.300 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden, ein Plus von rund 400 im Vergleich zum Vortag.