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Coronakrise

Reisewarnungen für Österreich werden ausgeweitet

Angesichts der steigenden Neuinfektionen gibt es weitere Reisewarnungen für Vorarlberg und Tirol. Das für den Tourismus wichtige Land Deutschland stufte Vorarlberg am Mittwochabend als Corona-Risikogebiet ein und verhängte eine Reisewarnung. Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) sprach sich unterdessen für einheitliche Kriterien für Reisewarnungen in Europa aus.

red/Agenturen

Derzeit gibt es keine einheitlichen Zählweisen von Infektionsfällen und Kriterien für Reisewarnungen innerhalb der Europäischen Union. Auch das EU-Parlament hat bereits eine Harmonisierung der Bestimmungen gefordert. Edtstadler erklärte, Österreich unterstützte den Vorstoß des deutschen EU-Ratsvorsitzes für einen gemeinsamen Kriterienkatalog bei Reisewarnungen innerhalb der EU. Sie sei dazu auch bereits in Kontakt mit dem deutschen Staatsminister für Europa, Michael Roth, und dem französischen Europa-Staatssekretär Clément Beaune.

„Insbesondere was die Personenfreizügigkeit und den Warenverkehr betrifft, braucht es transparente und nachvollziehbare Vorgehensweisen sowie Planbarkeit für Reisende, Verwaltung und Betriebe. Aktuell funktioniert das nicht zufriedenstellend und es droht daher erneut Chaos in Europa“, warnte Karoline Edtstadler.

Besonders davon betroffen seien Tourismus- und Freizeitbetriebe, denen durch Reisewarnungen massive Umsatzeinbußen drohten, wodurch auch viele Arbeitsplätze in Gefahr seien - vor allem in der für Österreich so wichtigen Wintersaison, so Edtstadler weiter. Die Bundesregierung habe einen Plan für sicheren Wintertourismus entwickelt, um das Risiko für die Gäste zu minimieren. „Wir müssen in den nächsten Wochen und Monaten alles tun, um die Ansteckungszahlen in Österreich niedrig zu halten, denn es gibt keinen Tourismus ohne Gäste.“

Deutschland: Vorarlberg nun auch Risikogebiet

Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) setzte Vorarlberg und Regionen in zehn weiteren europäischen Ländern auf die Liste der Risikogebiete. „Es gilt nun auch das Bundesland Vorarlberg als Risikogebiet“, hieß es am Abend auf der Website des Instituts. Kurz darauf verhängte das deutschen Außenministerium eine Reisewarnung in Deutschland.

Einreisende aus Wien und Vorarlberg müssen nun bei der Einreise nach Deutschland einen negativen COVID-19 Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, um nicht eine verpflichtende 14-tägige Quarantäne anzutreten. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Deutschen Urlauber ermöglicht sie, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Neu auf die deutsche Liste der Risikogebiete kamen am Mittwoch auch Regionen in Dänemark, Portugal, Irland und Slowenien. Zudem wurden weitere Regionen in Frankreich, Tschechien, den Niederlanden, Kroatien, Rumänien und Ungarn als Risikogebiete ausgewiesen. Wegen der hohen Infektionszahlen ist nun fast ganz Tschechien als Risikogebiet eingestuft. „Das gesamte Land mit Ausnahme der Regionen Aussiger Region (Ústecký) und der Mährisch-Schlesischen Region (Moravskloslezský)“ gelten seit Mittwoch als Risikogebiet.

Deutschland: 14 EU-Staaten als Risikogebiete

Österreich hat bisher keine Reisewarnung für das Nachbarland erlassen. Das Außenministerium in Wien rät zwar generell vor nicht notwendigen Reisen derzeit ab, explizite Reisewarnungen gibt es in der EU aber nur für Portugal, den Großteil Spaniens, Schweden, Kroatien, Bulgarien und Rumänien.

Deutschland hat mittlerweile wieder 14 von 27 EU-Mitgliedstaaten ganz oder teilweise als Corona-Risikogebiete ausgewiesen. Die Einstufung als Risikogebiet basiert in Deutschland auf einer zweistufigen Bewertung. Zunächst wird festgestellt, in welchen Staaten/Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab. In einem zweiten Schritt wird nach qualitativen Kriterien festgestellt, ob für Staaten/Regionen, die den Grenzwert nominell unterschreiten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliegt.

Weitere schlechte Nachrichten kam am Mittwoch auch aus Belgien: Nach Wien setzte Belgien auch die Bundesländer Vorarlberg und Tirol auf die Rote Liste. Das teilte das österreichische Außenministerium am Mittwoch auf seiner Webseite mit. Demnach ist ab Freitag 16.00 Uhr bei Aufenthalt in diesen Gebieten innerhalb der letzten 14 Tage direkt nach der Einreise nach Belgien ein belgischer PCR-Test und eine 14-tägige Quarantäne verpflichtend.

„Jede Reisewarnung schmerzt“

Personen aus Regionen auf der Roten Liste können sich entweder nach Voranmeldung auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem testen lassen, oder in einem der staatlich zertifizierten Labore des Landes, deren Liste auf der Homepage des Außenministeriums verlinkt ist. Ein negativer Test beendet nicht vorzeitig die Quarantäne, diese muss auf jeden Fall absolviert werden, betont das Außenministerium. Ausgenommen von den Bestimmungen sind Personen, die sich weniger als 48 Stunden in Wien, Tirol und Vorarlberg aufgehalten haben oder sich weniger als 48 Stunden in Belgien aufhalten werden. Von touristischen Reisen nach Belgien aus diesen Regionen wird daher dringend abgeraten.

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) betonte in einer ersten Reaktion auf die belgische Entscheidung, er nehme „diese Entscheidung zur Kenntnis“, unterstrich aber gleichzeitig, dass „wir unsere Bemühungen zur Eindämmung des Virus klar fortsetzen werden“. Dazu gehöre etwa die Vorverlegung der Sperrstunde in der Gastronomie auf 22.00 Uhr, hieß es in einer Aussendung des Landeshauptmanns vom Mittwochabend. Vorarlberg werde „alles dransetzen, dass die Reisewarnung wieder aufgehoben wird“.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) meinte am Mittwochabend in einer ersten Stellungnahme, dass „jede Reisewarnung“ schmerze. Denn in Tirol seien unzählige Arbeitsplätze vom Tourismus abhängig. Aktuell sei es jedoch positiv, dass die Tendenz bei den Infektionszahlen in den vergangenen Tagen rückläufig sei. „Unser Ziel bleibt, die Zahlen weiter zu senken“, erklärte Platter.

Zuvor hatten bereits die Niederlande die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck auf die Rote Liste gesetzt. In Dänemark gilt für ganz Österreich eine Reisewarnung. Vor Reise in die Bundeshauptstadt Wien warnen neben Belgien, auch Deutschland, die Schweiz und die Niederlande.

Reiseerleichterungen etwa nach Schweden

Am Donnerstag wurden außerdem Reisewarnungen für die tschechische Hauptstadt Prag sowie die französischen Regionen Île de France und Provence-Alpes-Côte d'Azur verhängt. Die Maßnahmen gelten ab Montag, 00.00 Uhr, gab das Außenministerium in einer Mitteilung bekannt.

Gleichzeitig soll es aber auch Reiseerleichterungen geben: Die seit vielen Monaten geltende Reisewarnung für Schweden wird nun aufgehoben; für Portugal gilt sie ab Montag nur mehr für die Regionen Lissabon und Norte, nicht mehr für das ganze Land.

Weiters werden neue Reisewarnungen für Andorra sowie für die nichteuropäischen Länder Israel, Argentinien, Bahrain, Kuwait, Costa Rica und die Malediven ausgesprochen. Damit gelten Covid-19-bedingte österreichische Reisewarnungen für 37 Länder weltweit, hieß es.

Österreicher nehmen Reisewarnungen mehrheitlich ernst

Dass die Mehrheit der Österreicher offenbar die Reisewarnungen ernst nehmen, zeigt eine Umfrage im Auftrag des Außenministeriums. Demnach schätzen 64 Prozent die Sicherheitsrisiken durch die Pandemie für eine Auslandsreise als besorgniserregend ein. Die große Mehrheit der Befragten nimmt laut der im August durchgeführten Umfrage, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, Reisewarnungen des Außenministeriums ernst und verändert aufgrund dieser auch ihr Reiseverhalten.

88 Prozent der Befragten nehmen demnach die Reisewarnungen ernst. Nur 6 Prozent gaben an, dass sich für sie trotz der Reisewarnungen keinerlei Veränderungen oder Einschränkungen in Hinblick auf Reisen ins Ausland ergeben. Dagegen sagte 23 Prozent wegen der Reisewarnungen eine geplante Auslandsreise ganz ab, 21 Prozent wollten heuer gar nicht verreisen, 18 Prozent ihren Urlaub in Österreich verbringen. 29 Prozent gaben an, nur ins „sichere“ bzw. benachbarte Ausland zu reisen.

Drei Viertel der Österreicher sind laut der Umfrage dafür, dass Personen, die sich wissentlich und fahrlässig in Gefahr bzw. trotz Reisewarnung in ein Krisengebiet begeben haben, selbst für die mit ihrer Rettung verbundenen Kosten aufkommen müssen. Bei den Über-60-Jährigen sind sogar 90 Prozent dieser Meinung.
 

 

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