Coronavirus

Schnelltests aus der Drogerie: Was die DIY-Methode kann

Die Drogeriemarktkette „Bipa“ bietet in einigen Wochen den Verkauf eines Corona-Tests an. Das vom Wiener Virologen Christoph Steininger mitgegründete Unternehmen Lead Horizon stellt die Test-Kits für „Bipa“, das zur REWE-Gruppe gehört, zur Verfügung. Der Infektiologe und Internist Marton Szell von der Tropenordination hat für Medinlive die Pros und Contras skizziert.

red/Agenturen

Die Probe wird zu Hause gemacht und in einem zertifizierten Labor ausgewertet. Im Test-Kit befindet sich eine Flüssigkeit, die gegurgelt und in ein beigelegtes Röhrchen gespuckt werden muss. Das Ganze wird dann per Post in das Labor geschickt.

„Das Verwenden von Rachenspülflüssigkeit statt eines Nasopharyngealabstrichs ist eine akzeptable Alternative. Der Goldstandard ist weiterhin der Abstrich, jedoch gibt es bei der Durchführung immer wieder Probleme (falsche Durchführung, Verletzungen), weshalb die Rachenspülflüssigkeit mit ihrer annähernd gleichen Sensitivität ausreichend ist.“ so Marton Szell. Problematisch sieht er die Lage, „wenn kranke Menschen, ganz auf Corona fokussiert, sich selbst diagnostizieren. Die meisten hochfieberhaften Patienten haben in der momentanen epidemiologischen Situation kein Covid-19, sondern andere Infektionen. Ich habe bereits dutzende Covid-Verdachtsfälle gesehen, die dann ganz andere und teilweise lebensbedrohliche Infekte wie Legionellenpneumonie, Urosepsis etc. hatten. Wenn diese fiebernden Patienten sich jetzt, ohne einen Arzt zu sehen, selbst testen können, werden möglicherweise andere behandlungspflichtige Infektionen nicht oder zu spät behandelt.“ warnt er. „Aus der oberen Überlegung heraus sehe ich diese DIY-Tests nur für mild Erkrankte („Halsweh“) und als screening für Risikopersonal indiziert.“

Testungen: „Private Konkurrenz gut “

Wenn die Probe eingetroffen ist, soll ein Testergebnis innerhalb eines Werktages verfügbar sein, die dann per SMS an den Kunden übermittelt wird. Laut „krone.at“ sollen in drei bis vier Wochen die Tests in mehr als 500 „Bipa“-Filialen und im Onlineshop verfügbar sein.

„Es muss natürlich sichergestellt sein, dass eine positive PCR sofort an das Gesundheitsamt weitergeleitet wird. Auch die korrekte Identifikation des Patienten ist selbstverständlich wichtig.“ so Szell. Er sieht außerdem „bei den „offiziellen" PCR Abstrichen über 1450 weiterhin das Problem der zu langsamen Befundübermittlung. Rein technisch sollte es möglich sein, dem Patienten binnen 24h ein definitives Ergebnis per Mail, SMS oder Anruf mitzuteilen. Auch am Wochenende. Die Geschwindigkeit der Befundung ist enorm wichtig, wenn man positiv Getestete rasch isolieren und die Kontakte verfolgen will. Hierzu gibt es inzwischen Modellrechnungen, dass die Sensitivität des Tests nicht so wichtig ist, sondern der Fokus auf der sehr raschen Durchführung und Weiterleitung der Testergebnisse gelegt werden soll. Aus diesem Gesichtspunkt halte ich eine private Konkurrenz für gut.“

Wieviel besagter Test kosten wird, ist noch unklar. Auf der Website von Lead Horizon ist die Rede von 124 Euro pro Einzeltest, allerdings lassen sich diese Preise vermutlich nicht mit den bei Bipa angebotenen Preisen vergleichen. Dazu Szell: „Entscheidend werden natürlich auch die Kosten der Testung sein. Wenn so ein Test deutlich unterhalb der aktuellen Preise von diversen Labors sein wird, ergeben sich leistbare Screeningstrategien. Beispielsweise könnten Firmen ihre Mitarbeiten im Hochrisikobereich (Tourismus, Fleischverarbeitung,…)  2-3x pro Woche mit dieser Methode testen lassen und so das Risiko eines super spreading events minimieren. Die Firmen können diese Tests direkt am Arbeitsplatz durchführen, der Mitarbeiter müsste dazu nicht in ein Labor fahren.“

WEITERLESEN:
PCR test
PCR-Tests weisen unter anderem akute Coronainfektionen nach. Künftig sollen Testkits auch bei der Drogeriekette „Bipa" erhältlich sein.
iStock_Sinhyu