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Coronakrise

Schweden lockert Reisebeschränkungen trotz hohen Infektionsraten

In Schweden sind mittlerweile mehr als 5000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Die Zahl der von der staatlichen Gesundheitsbehörde verzeichneten Todesfälle stieg am Mittwoch auf 5041, was einer Zunahme um 102 im Vergleich zum Vortag entsprach.

red/Agenturen

Schweden rät seinen Bürgern nicht länger von Reisen in eine Reihe von europäischen Ländern ab. Ab dem 30. Juni sei es wieder möglich, in zehn Staaten Europas zu reisen, sagte Außenministerin Ann Linde am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Stockholm.

Österreich und Deutschland sowie Schwedens Nachbarn Dänemark, Norwegen und Finnland gehören nicht dazu, dafür aber die Urlaubsländer Spanien, Italien und Griechenland sowie Belgien, Frankreich, Island, Kroatien, Luxemburg, Portugal und die Schweiz. Die Maßnahme werde zurückgefahren, weil diese Länder ihre Grenzen für Reisende aus Schweden und dem Rest der EU geöffnet hätten, sagte Linde.

Nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hatte die schwedische Regierung ihren Bürgern von nicht zwingend notwendigen Reisen ins Ausland abgeraten. Für die weiteren Länder der EU und des Schengenraums gelte dies wie bisher bis vorläufig zum 15. Juli, für alle Länder außerhalb der Europäischen Union bis Ende August, sagte Linde. Das schwedische Abraten von Reisen stellt kein eindringliches Reiseverbot dar, sondern soll die Schweden dazu aufrufen, unnötige Urlaubsreisen sein zu lassen. Die Grenzen Schwedens sind geschlossen, nicht aber für Bürger der EU und der Europäischen Freihandelszone.

Hohe Todeszahlen

Mehr als 54.500 Corona-Infektionen wurden in dem skandinavischen EU-Land bislang nachgewiesen. Zum Vergleich: Im benachbarten Dänemark, wo etwa halb so viele Menschen wie in Schweden wohnen und bislang knapp 13.000 Infektionen bestätigt sowie 598 Tote verzeichnet wurden, kam am Mittwoch kein neuer Todesfall hinzu.

Schweden hatte in der Corona-Krise weniger strenge Maßnahmen verfügt als alle anderen europäischen Länder. Auch hier gelten für die Bürger aber bestimmte Corona-Beschränkungen wie ein Besuchsverbot in Altersheimen oder eine maximale Teilnehmergrenze von 50 Personen für öffentliche Versammlungen. Restaurants, Kneipen und Cafés blieben aber ebenso durchgehend geöffnet wie Schulen und Kindergärten.

Verglichen mit Deutschland hat Schweden mit seinen 10,3 Millionen Einwohnern auf die Bevölkerungszahl gerechnet fünfmal so viele Todesfälle. In Großbritannien, Spanien, Italien und Belgien liegt dieser Wert jedoch noch höher, wie aus Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervorgeht.

 

Blick auf den Königspalast
Schweden geht bislang mit freizügigeren Maßnahmen als etwa Österreich oder seine skandinavischen Nachbarn Dänemark und Norwegen gegen die Corona-Pandemie vor.
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