Spanien will Ausnahmen von britischer Quarantänepflicht

Die nationalen Coronavirus-Abschottungsmaßnahmen decken sich oft nicht mit der in unterschiedlichen Ländern bestehenden Faktenlage. Spanien verhandelt mit Großbritannien darüber, die Balearen und die Kanaren von der seit Sonntag geltenden zweiwöchigen Quarantänepflicht für aus Spanien zurückkehrende Urlauber auszunehmen. Dort ist die Infektionsrate geringer als in Großbritannien.

red/Agenturen

Corona sei auf beiden Inselgruppen „unter Kontrolle“, die Ansteckungsrate mit dem Virus liege „weit unter“ der Großbritanniens, sagte Spaniens Außenministerin Arancha Gonzalez Laya. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner während der vergangenen 14 Tage liegt nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid für die Kanaren bei 5,8 und für die Balearen bei 8,0, während Großbritannien einen Wert von 14,7 aufweise, wie die spanische Zeitung „El País“ am Montag berichtete.

Die Regierung in London hatte die Quarantänepflicht wegen wieder steigender Corona-Zahlen in einigen Regionen Spaniens nur etwas mehr als 24 Stunden vor dem Inkrafttreten angekündigt. Nach dem Ende des Corona-Notstandes in Spanien am 21. Juni legen die Infizierten-Zahlen wieder zu, vor allem in Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und auch in Aragon. Für ganz Spanien beträgt die Ansteckungsrate der vergangenen zwei Wochen derzeit fast 38 pro 100.000 Einwohner, in Aragon jedoch fast 238 und in Katalonien 111. Die Behörden versichern, sie hätten die landesweit etwa 280 lokalen Corona-Ausbrüche unter Kontrolle. „Spanien ist ein sicheres Land“, betonte die Außenministerin.

GB: Quarantäne für weitere Länder bei Rückkehr möglich

Die spanische Tourismusindustrie aber, die bisher mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitrug und noch 2019 etwa 2,7 Millionen Beschäftigte aufwies, sprach von einer Katastrophe. Die britische Quarantänepflicht habe der spanischen Tourismusbranche „den Rest gegeben“, schrieb „El País“. Britische Touristen, die von der Maßnahme ihres Landes mitten im Urlaub überrascht wurden, hätten verärgert und frustriert reagiert, berichtete das spanische Fernsehen. Mit mehr als 270.000 nachgewiesenen Infektionen und über 28.400 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder Europas.

Die britische Regierung schließt nicht aus, ihre Quarantäne-Vorschriften auf Reisende auszuweiten. Auf die Frage, ob nach Spanien auch Deutschland und Frankreich als nächstes unter die Isolations-Regelungen fallen könnten, sagte Gesundheitsstaatssekretärin Helen Whately am Montag, die Lage müsse laufend geprüft werden. „Wenn wir sehen, dass die Raten in einem Land hochgehen, wo im Moment kein Quarantänebedarf besteht, (...) würden wir Maßnahmen ergreifen müssen, weil wir nicht riskieren dürfen, dass das Coronavirus erneut in Großbritannien verbreitet wird.“