Coronakrise

Steirischer Landtag debattierte über Lehren aus Maßnahmen

Um die Lehren aus den Maßnahmen gegen das Coronavirus ging es am Dienstag in der „Aktuellen Stunde“ des steirischen Landtags: Die KPÖ wollte von Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) u.a. wissen, wie es um den Erhalt der Landesspitäler steht. Bogner-Strauß sagte, der Kampf gegen eine Pandemie sei nicht allein im Spital zu gewinnen, sondern mit auf die Struktur abgestimmten Konzepten.

red/Agenturen

Für den KPÖ-Abgeordneten Werner Murgg war es „an der Zeit zu diskutieren, was die Coronakrise für den RSG 2025 bedeuten sollte, denn dieser geht von Abbau von Betten und Reduktion von Spitälern bzw. Abteilungen aus“. Murgg argumentierte, dass Länder mit dichter und dezentraler medizinischer Versorgung besser durch die Krise gekommen seien als solche mit Konzentration von Spitälern und Sparplänen. Laut einer OECD-Studie hätten Erfahrungen in China und Italien gezeigt, wie notwendig es sei, ausreichend Intensiv- und Normalbetten zu haben.

Als „Kronzeugin“ zitierte Murgg u.a. Rechnungshof-Präsidentin Margit Kraker. Diese habe kürzlich gesagt, die vorherige Linie des RH, dass es zu viele Betten und Spitäler in Österreich gebe, sei nicht mehr haltbar. Das Land Salzburg überlege laut Murgg, bei Pandemien die Routine in großen Standorten aufrecht zu erhalten. Die kleineren Spitälern würden sich dann etwa um Corona-Fälle kümmern.

Bogner-Strauß meinte in ihrer Beantwortung, es gehe darum, ein gutes System noch besser zu machen: „Leben rettet man in Krankenhäusern, die Epidemie bekämpft man davor. Es braucht Personal, das auf die Seuchenbekämpfung geschult ist, empfiehlt etwa das New England Journal of Medicine.“ Laut IHS sei Österreichs glimpfliches Abschneiden in der Coronakrise nicht der Spitalsbettenzahl geschuldet, so die Landesrätin. Es brauche bei Pandemien einen umfassenden Ansatz, Hotlines, Screening außerhalb der Regelversorgung, Eigenversorgung, mobile Teams, dann erst die Spitäler. Dazu komme noch eine Info- und Kommunikationsstrategie, plus guter Ausstattung. Deshalb werde weiter an Leitspitälern mit breitem Fächerspektrum gearbeitet und am steirischen Gesundheitsplan festgehalten, sagte Bogner-Strauß.

„Nur um 18 Uhr klatschen reicht nicht“

LAbg. Klaus Zenz von der SPÖ sagte, natürlich habe sich das Wissen um die hohe Bettenzahl beruhigend ausgewirkt, aber vor allem entscheidend sei das hochmotivierte und ausgebildete Personal gewesen. Home Containment und mobile Ärzteteams, die Vernetzung mit dem niedergelassenen Bereich und das oft gescholtene Gesundheitstelefon seien extrem wichtige Unterstützer im Kampf gegen das Coronavirus gewesen.

FPÖ-LAbg. Marco Triller verwies auf die Umsetzung des Ergebnisses der Volksbefragung voriges Jahr in der Obersteiermark, das den Erhalt der drei dezentralen Standorte Bad Aussee, Rottenmann und Schladming befürworte. Alles andere sei „ein Ausdünnen des ländlichen Raumes“. Bogner-Strauß habe nun die Möglichkeit, ein Bekenntnis für die chirurgische Tagesklinik Voitsberg zu geben, man munkle, diese schließe nach der Wahl. Dies bestritt allerdings ÖVP-LAbg. und Spitalsarzt Matthias Pokorn.

Georg Schwarzl (Grüne) sagte, die Coronakrise habe auch viele Schwächen hervorgebracht. Es brauche mehr Prävention, mehr Maßnahmen für den niedergelassenen Bereich und u.a. eine bessere Bezahlung nichtärztlicher Berufe: „Nur um 18.00 Uhr zu klatschen reicht nicht.“ Viele junge Menschen wollten auch in ländlichen Regionen im Gesundheitsbereich arbeiten, aber ohne vorher genannte Maßnahmen werde es nicht funktionieren.

NEOS-Klubchef Niko Swatek erinnerte daran, dass es darum gegangen sei, die Kurve der Neuinfektionen flach zu halten: „Dafür sind viele Menschen bis hin zu den Reinigungskräften an ihre Grenzen gegangen.“ Wenn man aus den Ereignissen Lehren ziehen wolle, dann auch jene, dass man die Regelversorgung nicht mit einer Ausnahmesituation in eine Reihe stellen könne. Gesundheitsversorgung müsse mehr Regionalität beinhalten, etwa durch Gesundheitszentren und Gemeindeschwestern.

Coronavirus - Krankenhausbett - Medizinische Versorgung - iStock
Ärzte ohne Grenzen fordert mehr Ressourcen für Gesundheitssystem in Bürgerkriegsland.
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