Coronavirus

Trump-Umfeld setzt Attacken gegen Virenexperten Fauci fort

Das Umfeld von US-Präsident Donald Trump setzt die Attacken gegen den renommierten Virenexperten Anthony Fauci in der Corona-Pandemie fort. Trumps Handelsberater Peter Navarro warf Fauci am Mittwoch in einem Meinungsbeitrag in der Tageszeitung „USA Today“ in hartem Tonfall zahlreiche Fehleinschätzungen zur Krise vor.

red/Agenturen
"Wenn Sie mich fragen, ob ich auf Dr. Faucis Ratschläge höre, lautet meine Antwort: nur mit Skepsis und Vorsicht.“ Trumps Handelsberater Peter Navarro

„Dr. Anthony Fauci ist gut im Umgang mit der Öffentlichkeit, aber er lag in allen Punkten falsch, in denen ich mich mit ihm ausgetauscht habe.“ So habe das prominente Mitglied des Corona-Krisenstabs des Weißen Hauses sich im Jänner gegen ein Einreiseverbot für Reisende aus China ausgesprochen, im Februar das Risiko für die USA als niedrig bezeichnet und schließlich beim Tragen von Schutzmasken eine „plötzliche Kehrtwende“ vollzogen. „Wenn Sie mich fragen, ob ich auf Dr. Faucis Ratschläge höre, lautet meine Antwort: nur mit Skepsis und Vorsicht“, beendete Navarro den Meinungsbeitrag.

Der scharfe Angriff auf den angesehenen Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten reiht sich in Versuche von Trumps Umfeld ein, Fauci öffentlich zu diskreditieren. Am Wochenende hatte ein Vertreter des Weißen Hauses an Journalisten eine Liste mit Äußerungen verteilt, in denen Fauci im Umgang mit dem Coronavirus falsch gelegen haben soll.

Fauci hatte in den vergangenen Wochen eine vorschnelle Lockerung der Corona-Beschränkungen beklagt und ein düsteres Bild von der Lage in den USA gezeichnet. Der 79-Jährige ging damit auf Konfrontationskurs zu Trump, der im Wahljahr 2020 auf eine möglichst rasche Rückkehr zur Normalität drängt und die Gefahr durch das Virus kleinredet.

Laut Trump Verhältnis zu Fauci jedoch „sehr gut“

Trump beteuerte aber am Mittwoch erneut, seine Verhältnis zu Fauci sei „sehr gut“. Der Präsident distanzierte sich zudem von Navarro und sagte, dieser hätte den Text nicht schreiben sollen.

Fauci bezeichnete die Versuche des Weißen Hauses, ihn zu diskreditieren, unterdessen im Magazin „The Atlantic“ als „bizarr“. „Letztlich schadet es dem Präsidenten.“ Mit Blick auf Trumps Handelsberater Navarro sagte der Mediziner: „Er lebt in seiner eigenen Welt.“

Die USA haben in den vergangenen Wochen einen drastischen Wiederanstieg der Infektionszahlen verzeichnet. Tag für Tag kommen rund 60.000 weitere Fälle hinzu. Seit Beginn der Pandemie wurden bereits mehr als 3,4 Millionen Infektionen und mehr als 136.000 Tote bestätigt - die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit.

Trump wird für sein Krisenmanagement seit Monaten scharf kritisiert, die Mehrheit der Bevölkerung stellt dem Präsidenten für seinen Umgang mit der Pandemie ein schlechtes Zeugnis aus. Fauci dagegen genießt bei den US-Bürgern großes Vertrauen. Allerdings wird er von rechten Kreisen angefeindet: Verschwörungstheoretiker werfen dem Immunologen vor, mit seinem Werben für Corona-Beschränkungen der Wirtschaft schaden zu wollen, um Trumps Wiederwahlchancen zu mindern.

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