Deutschland

Virologin Ciesek: Fieberambulanzen gute Idee, aber schlechter Name

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hält die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagenen Fieberambulanzen für „eine gute Idee für den Herbst und den Winter“. Eine spezielle Einrichtung, in der sich Patienten mit Atemwegsinfekten vorstellen können, „macht generell Sinn“, sagte sie am Dienstag im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Solche Ambulanzen entlasteten die Arztpraxen und verringerten die Ansteckungsgefahr für andere Patienten im Wartezimmer.

red/Agenturen

„Nicht so gelungen“ findet die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt den Namen Fieberambulanz. Er könne dazu führen, dass nur Menschen mit Fieber diese Ambulanzen aufsuchten, aber nicht jeder Patient mit Covid-19 entwickle Fieber.

Falsch findet die Virologin den Vorschlag, in den Ambulanzen einen Antigentest anzubieten. Diese Art Test liefert ein Ergebnis zwar schon nach wenigen Minuten, der aussagekräftigere PCR-Test dauert mehrere Stunden.

„Aber da bin ich nicht dafür“, betonte Ciesek. „Bei symptomatischen Patienten sollte man möglichst die richtige Diagnose mit einem sensitiven Test, also der PCR, haben.“

Spahn: Keine Schnellzulassung bei Corona-Impfstoff 

Eine Schnellzulassung bei einem Corona-Impfstoff wird es nach den Worten von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht geben. Schnelligkeit sei nicht die Hauptpriorität bei der Entwicklung, sondern Sicherheit und Wirksamkeit, sagte Spahn am Dienstag in Frankfurt am Main. Der Minister betonte, es werde ein freiwilliges Impfangebot geben. Er sei sicher, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung ausreiche.

Spahn startete in einem Industriepark im Stadtteil Höchst einen Testlauf einer Anlage zur sterilen Abfüllung eines künftigen Impfstoffs des französischen Herstellers Sanofi. Der Impfstoff wird derzeit getestet, mit Ergebnissen wird Anfang Dezember gerechnet. Weltweit sind Unternehmen dabei, Impfstoffe zu entwickeln.

Spahn verwies auf den russischen Impfstoff Sputnik V. Der Name zeige, dass hier das Ziel der Schnelligkeit gelte. Eine vorschnelle Zulassung würde weltweit Vertrauen verspielen, mahnte der Minister.

Der Leiter der Sanofi-Impfstoffsparte, Thomas Triomphe, sagte, das Unternehmen entwickele zwei Impfstoffe. Bei den verschiedenen Test-Phasen gebe es keine Abstriche im Vergleich zu anderen Impfstoffen. Ziel sei es, jährlich mehr als eine Milliarde Dosen herzustellen. Dazu müssten bereits jetzt die Vorbereitungen getroffen werden. Vom am weitesten fortgeschrittenen Impfstoff, den Sanofi zusammen mit dem Unternehmen GSK entwickele, sollten mehrere 100 Millionen Dosen in Frankfurt hergestellt werden. Zudem sollen weitere Standorte in Europa den Impfstoff produzieren.

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte am Freitag erklärt, mit einer Zulassung von Corona-Impfstoffen für Ende 2020 oder Anfang 2021 zu rechnen. Derzeit seien neun Impfstoff-Kandidaten in der abschließenden klinischen Phase III.