Spitäler

Was tun mit den Gastpatienten?

Bei der aktuell aufgeflammten Debatte um so genannte Gastpatienten aus den Bundesländern in Wiens Spitälern sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: 23,6 Prozent der Niederösterreicher und damit knapp ein Viertel wurden 2017 in Wien stationär versorgt, unter den niederösterreichischen Krebspatienten lag der Anteil sogar bei 47,8 Prozent. Die Ärztekammer weist auf einige wesentliche Punkte in der Debatte hin.

red/ek

„Selbstverständlich ist es so, dass Wien und seine Spitäler als Standorte für Spitzenmedizin unter den Patienten auch in den anderen Bundeländern wahrgenommen werden“, erklärt Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, den regen Andrang von Gastpatienten. Schon 2016 lag der Anteil der Aufnahmen in den Wiener Gemeindespitälern von Einwohnern aus anderen Bundesländern bei 21,4 Prozent, die stationären Aufnahmen lagen ein Jahr später, 2017, bei 23,6, Prozent. „Dass zusätzlich in den Wiener Spitälern gespart wird, ist für Weismüller „vollkommen unverständlich“: Die Ärztekammer weise schon seit Jahren auf diese Problematik hin. 

Besonders heftig zeigt sich auch die Situation am Wiener AKH, dort ist vor allem die Onkologie an den Rand der Belastbarkeit gekommen, betont AKH-Direktor Herwig Wetzlinger. Er meinte kürzlich im „Kurier“, dass schon im Jänner die Reißleine gezogen werden musste und er „ 20 Patienten darauf hingewiesen hat, in welchen Spitälern in ihrem Heimat-Bundesland sie sich mit der gleichen Qualität behandeln lassen können. Sie sind diesem Vorschlag auch gefolgt, ansonsten wäre auf der Abteilung die Versorgung zusammengebrochen.“ Die dortige Onkologie-Tagesklinik ist auf 65 bis 70 Patienten ausgelegt. Tatsächlich musste sie zuletzt mehr als 90 pro Tag versorgen. „40 Prozent davon stammten nicht aus Wien“ ergänzt Wetzlinger.

AKH muss Balanceakt zwischen Forschung, Lehre und Klinik meistern

Einen interessanten Denkanstoß zur AKH-Thematik liefert Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen und Wiener Ärztekammer. Er betont in seinem kürzlich veröffentlichten Blogbeitrag, dass „die Ärzte am AKH  Bundesangestellte sind. Die Universitätsklinik ist für alle Patienten da, gleichgültig aus welchen Bundesländern sie kommen.“  Subkutane Schuldzuweisung an die Bundesländer und das Differenzieren zwischen Wiener und Nichtwiener Patienten würden einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Allerdings sei der „Personalmangel im AKH chronisch“ und ohnehin gilt „zu bedenken, dass die Uniklinik strukturell keine Notfallambulanz, sondern ein Spitzeninstitut ist: Für komplexe Erkrankungen, Unfälle und Eingriffe.“

Szekeres hofft jedenfalls auf einen Weckruf an die Politik, ganz allgemein in Sachen Personalmangel und speziell im Bezug auf das Allgemeine Krankenhaus, denn „das AKH ist Mitteleuropas größtes Krankenhaus, mit teilweise exzellentem Ruf in manchen Fächern, bestqualifizierten Spezialisten. Und gleichzeitig ist es eines der größten angewandten Forschungszentren. Dafür muss Geld und Personal ausreichend zur Verfügung gestellt werden.“ Auch Weismüller stößt ins selbe Horn, denn „Wiens Spitäler brauchen nicht nur mehr Personal, sondern auch eine Infrastrukturmilliarde – und das sofort“.

 

 

 

 

 

 

Krankenhaus
Die Menschen, die Rehaangebote nutzen, werden immer älter: Nur mehr knapp 12 Prozent der Patienten waren 2018 jünger als 45 Jahre.
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Wolfgang Weismüller
Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien.
Ärztekammer für Wien_Stefan Seelig
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres
Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen sowie Wiener Ärztekammer.
Ärztekammer für Wien_Stefan Seelig