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Coronavirus

Große Sorgen in Europa: Gesundheitssysteme unter Druck, weltweit steigende Zahlen

Die Zahl der gemeldeten Ansteckungen mit dem Coronavirus in Europa steigt wieder deutlich an. Vielerorts sind die Intensivstationen von Krankenhäusern bereits am Limit. Regierungen verhängen strengere Maßnahmen, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen.

red/Agenturen

Merkel warnt vor unkontrollierbarer Pandemie

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach Beratungen mit Oberbürgermeistern vor einer unkontrollierbaren Coronavirus-Pandemie gewarnt. Die Gesundheitsämter leisteten zwar enorme Arbeit bei der Rückverfolgung von Infektionsketten, aber einige Städte verzeichneten einen sprunghaften Anstieg an Infektionen und näherten sich dem Punkt der Überforderung, sagte Merkel am Freitag.

„Wenn das einmal so ist, dann breitet sich das Virus unkontrolliert und unkontrollierbar aus“, warnte sie. „Was das heißt, für die Erkrankten, für das Gesundheitssystem, für das öffentliche Leben, das erleben leider gerade einige unserer europäischen Freunde“, fügte sie hinzu.

„Ich möchte, dass Deutschland auch in den nächsten Monaten eine solche Entwicklung nicht durchmachen muss“, sagte Merkel. Es gelte, ein erneutes Herunterfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft zu verhindern. Priorität habe für sie das Offenhalten der Wirtschaft sowie der Schulen. „Wir sind nicht ohnmächtig“, betonte Merkel und appellierte an die Bürger, die Corona-Regeln zu befolgen.

Johnson erwartet kein rasches Pandemie-Ende

Großbritannien leidet stark unter der Coronakrise: Mangel an Tests, ein Fleckerlteppich an Regelungen, marode Kliniken, Zehntausende Todesfälle. Der im Frühjahr selbst erkrankte Premier Boris Johnson steht zunehmend in der Kritik, ein schlechter Krisen-Manager zu sein. Seine Regierung spricht von einer „gefährlichen“ Lage.

Besonders stark betroffen sind der Norden Englands, Schottland, Nordirland und Teile von Wales. Experten zufolge stehen vor allem in Nordengland die Kliniken vor dem Kollaps. Allein am Donnerstag meldeten die Behörden landesweit mehr als 17.500 Infizierte binnen 24 Stunden.

Boris Johnson stellt seine Landsleute wegen der Corona-Pandemie auf weitere schwierige Monate ein. „Ich muss in aller Offenheit sagen, dass es bis Weihnachten weiterhin unruhig sein wird, vielleicht sogar darüber hinaus“, sagte Johnson am Sonntag in einem Interview im BBC-Fernsehen. Er verstehe, dass viele Bürger verärgert seien angesichts der Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie. „Aber wir müssen zusammenstehen“, sagte Johnson.

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen erstmals über die Marke von 10.000 gestiegen war. Am Samstag wurden 12.872 Fälle bekannt, fast doppelt so viele wie die 6.968 vom Vortag. Johnson macht technische Probleme für den sprunghaften Anstieg verantwortlich. Hintergrund sollen der Regierung zufolge verzögerte Meldungen zwischen dem 24. September und 1. Oktober sein, die nun und in den kommenden Tagen einliefen.

Johnson war Ende März selbst positiv auf Covid-19 getestet worden und lag eine Woche lang im Krankenhaus, wovon er drei Nächte auf der Intensivstation verbrachte. Er sagte, er sei inzwischen vollständig genesen.

Zentralregierung in Spanien erwägt Corona-Notstand

Spanien ist mit 850.000 Infektionen besonders schlimm betroffen. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag zuletzt bei 115. In einer Woche starben 1.330 Menschen. Der Anteil der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern steigt. Landesweit gelten strenge Beschränkungen und Maßnahmen, auch Maskenpflicht im Freien. Viele Gebiete und Gemeinden sind abgeriegelt.

Eine vom Gesundheitsministerium angeordnete Absperrung der Hauptstadt und neun weiterer Kommunen im Großraum Madrid wurde aber von der Justiz aufgehoben. Die Zentralregierung erwägt nun einen Corona-Notstand.

Über 10.000 Neuinfektionen an einem Tag in Italien

Am Freitag ist in Italien eine Rekordzahl von mehr als 10.000 Corona-Infektionen an einem Tag gemeldet worden. In dem Land, das im März Europas Corona-Hotspot gewesen war, wurden 10.010 neue Fälle registriert, so viele wie noch nie binnen 24 Stunden. Am Vortag waren es 8.804 Neuinfektionen gewesen. Zudem gab es am Donnerstag 55 zusätzliche Todesopfer, am Donnerstag waren es sogar 83. Die Zahl der Corona-Toten in Italien seit Beginn der Epidemie im Februar stieg somit auf 36.427.

Die Zahl der bestätigten aktiven Fälle kletterte am Freitag auf 107.312, jene der in Spitälern behandelten Covid-19-Patienten stieg von 5.796 auf 6.178, teilte das italienische Gesundheitsministerium mit. In Quarantäne befinden sich derzeit 100.496 Personen. Auf Intensivstationen lagen 638 Patienten, am Vortag waren es 585.

Ein Regierungsberater, Walter Ricciardi, warnte im Sender Sky TG24, dass die Zahl der täglichen Ansteckungen bis Dezember auf 16.000 Fälle steigen könnte. Die Regierung schließt weitere Verschärfungen der Corona-Regeln nicht aus. Rom verschärft ständig die Maßnahmen - nun gilt Maskenpflicht auch im Freien. Besonders stark klettern die Werte im Süden. Dort ist das Medizinsystem schwächer als im Norden.

Angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionen in Italien wird die Einrichtung von Sperrzonen in besonders stark betroffenen Provinzen nicht ausgeschlossen. Bisher hatte Premier Giuseppe Conte einen Lockdown auf gesamtstaatlicher Ebene wie im März und April verneint. Eine Verschärfung der restriktiven Maßnahmen wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

Niederlande: Zahlen steigen schnell

In den Niederlanden wurden am Donnerstag 5.831 Neu-Infektionen gemeldet - 800 mehr als am Vortag. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen steigt schnell. Kliniken haben die Versorgung für andere Patienten drastisch reduziert und Hunderte Operationen abgesagt. Innerhalb von sieben Tagen wurden zuletzt 841 je 100.000 Einwohner infiziert. Vergangene Woche wurden im Schnitt 16 Tote am Tag gemeldet. Bürger und Experten fordern deutlich strengere Maßnahmen. Masken sind für öffentliche Räume zwar dringend empfohlen, bisher aber keine Pflicht.

Rekord an neuen Infektionen in Belgien

Die Zahl der Corona-Infektionen in Belgien ist auf Rekordhoch. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes meldeten am Donnerstag 7.481 registrierte Fälle innerhalb von 24 Stunden. In den vergangenen zwei Wochen seien auf 100.000 Einwohner rund 494 Infektionen gemeldet worden.

In der vergangenen Woche lag die Zahl der Neuinfektionen mit 5.421 den Angaben zufolge doppelt so hoch wie in der Woche davor. Besonders hoch sind die Infektionszahlen in der Hauptstadt Brüssel. Dort gab es in den vergangenen zwei Wochen mehr als 880 registrierte Fälle pro 100.000 Einwohner. Allerdings war der Zuwachs in Brüssel zuletzt geringer als in allen anderen Regionen Belgiens.

18.746 Corona-Neuinfektionen in Frankreich

Frankreich hat in mehreren Großstädten bereits die höchste Corona-Warnstufe verhängt - unter anderem in Paris, Lyon und Marseille. Gesundheitsminister Olivier Veran warnt, dass es noch schlimmer wird. Sorge herrscht über die Lage in den Pariser Krankenhäusern. Dort nimmt der Anteil der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zu.

Die Regierung reagiert etwa mit Schließungen von Bars in den Regionen, in denen die Entwicklung besonders ernst ist. Generelle Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land sollen verhindert werden. Mit 18.746 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden gab es am Mittwoch einen Tageshöchstwert.

Tschechien verhängte erneut Notstand ab 5. Oktober 

Tschechien -  ehemals ein Corona-Musterschüler - ist nach den jüngsten Zahlen der EU bei den Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zum traurigen Spitzenreiter geworden. Im Schnitt steckten sich binnen 14 Tagen 374,6 Menschen je 100.000 Einwohner an. Am Donnerstag wurden in dem 10,7-Millionen-Einwohner-Land 5.394 neue Fälle verzeichnet - der dritte Tagesrekord in Folge. Die Regierung hat Kultur- und Sportveranstaltungen verboten. Sollte die Kurve nicht abflachen, droht nach Ansicht von Experten bald ein dramatischer Engpass im Gesundheitssystem.

28 Tote bedeuten Rekordwert in Ungarn

In Ungarn wurde in den vergangenen 24 Stunden ein Rekordwert hinsichtlich Corona-Toten verzeichnet. So starben am Montag 28 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus SARS-CoV-2. Die Gesamtzahl der Todesopfer erhöhte sich so in dem Land mit rund zehn Millionen Einwohnern auf 996.

Weiter wurden laut offiziellen Angaben vom Dienstag 1.025 Neuinfizierungen verzeichnet, so dass die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infizierten auf 39.862 stieg. 11.733 gelten als geheilt. Im Spital werden 1.519 Patienten behandelt, 160 künstlich beatmet. Die Zahl der Quarantäne-Fälle beträgt 21.990, die Zahl der bisher erfolgten Corona-Tests 841.220.

Erstmals mehr als 2.000 Neuinfektionen in der Slowakei

Die Slowakei hat am Freitag zum ersten Mal mehr als 2.000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Insgesamt wurden 2.075 neue Fälle registriert.

Eindringlich schlug die slowakische Ärztekammer Alarm: „Die Personalsituation beginnt in einigen Krankenhäusern ernst bis kritisch zu werden. Es fehlen nicht nur Ärzte, sondern auch anderes Gesundheitspersonal“, warnte Ärztekammer-Präsident Marian Kollar am Freitag vor Journalisten in Bratislava. Dem konservativen Gesundheitsminister Marek Krajci warf er Missmanagement und völlige Kommunikationsverweigerung gegenüber Experten vor. Das Ministerium habe bisherige Warnungen völlig ignoriert, kritisierte Kollar.

Mit 71 bestätigten Corona-Toten seit Ausbruch der Pandemie scheint die 5,4 Millionen Einwohner zählende Slowakei auf den ersten Blick noch immer weniger stark betroffen zu sein als andere Staaten. Allerdings berücksichtigt das Land nur jene Verstorbenen, bei denen sich keine andere Todesursache nachweisen lässt.

Polen verzeichnet erneut so viele Corona-Neuinfektionen wie noch nie

Den zweiten Tag in Folge hat Polen so viele neue Corona-Fälle registriert wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Am Freitag verzeichneten die Behörden 2292 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden, wie das Gesundheitsministerium in Warschau mitteilte. Der Schwerpunkt lag mit 282 Fällen in Kleinpolen im Süden des Landes, aber auch die Region um die Hauptstadt Warschau (246) und Pommern im Westen (228) waren stark betroffen. Erst am Donnerstag wurde der bisherige Rekortwert erfasst, er betrug 1967 Neuinfektionen.

In Polen haben sich nach offiziellen Angaben bislang 95 773 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. 2570 Menschen starben demnach in Zusammenhang mit dem Virus. Polen hat rund 38 Millionen Einwohner. Das Land wird vom Robert Koch-Institut bislang nicht als Risikogebiet eingestuft.

Rekordwerte bei Corona-Neuinfektionen in Litauen und Lettland

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Litauen und Lettland haben Rekordwerte erreicht. In beiden baltischen Staaten wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Vilnius und Riga am Freitag so viele neue Fälle registriert wie noch nie seit Beginn der Pandemie. In Litauen wurden demnach 284 positive Tests innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, in Lettland waren es 148. Die bisherigen Höchstwerte lagen bei 255 und 137. Im dritten Baltenstaat Estland wurden 37 Neuinfektionen festgestellt.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen riefen Litauens Präsident Gitanas Nauseda und die Regierungschefs von Lettland und Estland, Krisjanis Karins und Jüri Ratas, zu mehr Eigenverantwortung und der Befolgung von Hygiene- und Schutzempfehlungen auf. „Wir fordern alle auf, wachsam zu bleiben und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen“, schrieben sie in einer gemeinsamen Erklärung.

Die drei Baltenstaaten im Nordosten Europas standen bislang in der Coronakrise durchaus gut da. Die Infektionszahlen waren im internationalen Vergleich eher gering. Zuletzt haben sie aber teils deutlich zugenommen.

Nach Angaben der EU-Behörde ECDC lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen in Litauen zuletzt bei 70,7. Lettland kam auf einen Wert von 61,9 und Estland auf 40,0.

Dänemark verlängert Beschränkungen

Dänemark hat einen neuen Höchststand bei den Corona-Neuinfektionen erreicht und weitet seine gegen die Virusausbreitung ergriffenen Beschränkungen aus. Die landesweit ergriffenen Maßnahmen werden nun um zwei Wochen bis zum 18. Oktober verlängert, wie der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke am Freitag in Kopenhagen bekannt gab.

Ab Samstagmittag werde das Verbot von Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern auch für private Veranstaltungen gelten, die zum Beispiel in einem Restaurant stattfinden, kündigte Heunicke an. Das dürfte unter anderem Hochzeiten und Firmungen betreffen, sofern sie nicht in Privathaushalten abgehalten werden. Feste würden beschränkt, damit der Rest der Gesellschaft so weit wie möglich offen bleiben könne, sagte Heunicke.

Seit einer Woche müssen Restaurants, Cafes und Lokale in ganz Dänemark wegen der steigenden Corona-Zahlen bereits um 22.00 Uhr schließen. Zudem muss man seitdem in allen Lokalen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Arbeitnehmer werden zudem aufgefordert, wenn möglich im Home-Office zu arbeiten, soziale Kontakte sollen die Dänen generell begrenzen und den öffentlichen Nahverkehr in Stoßzeiten meiden.

Zuvor hatte das dänische Gesundheitsinstitut SSI am Freitag den höchsten Stand an Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie vermeldet. Demnach kamen innerhalb eines Tages 678 neue bestätigte Corona-Fälle hinzu. Es gab auch zwei neue Todesfälle, womit die Zahl der Toten in Verbindung mit einer Corona-Erkrankung seit Beginn der Corona-Krise auf 647 anstieg.

Wieder strengere Regeln in Russland

Angesichts wieder rasant steigender Corona-Zahlen von täglich mehr als 10.000 in Russland verschärft die Hauptstadt Moskau die Regeln zur Eindämmung der Pandemie. Von diesem Montag an müssen Unternehmen mindestens ein Drittel ihrer Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten lassen. Das gelte auch für alle Beschäftigten, die älter als 65 Jahre oder chronisch krank sind, teilte die Stadtverwaltung weiter mit.

Ausgenommen davon sind demnach diejenigen, die nicht zu Hause arbeiten können, weil sie etwa in Betrieben Maschinen bedienen. Zudem wurden die Schüler in Moskau in verlängerte Herbstferien geschickt. Sie sollen nun zwei Wochen frei haben und dazu beitragen, dass es weniger Neuinfektionen im flächenmäßig größten Land der Erde gibt. Nach den Ferien sollen Schüler in Moskau und einigen anderen Regionen wie bereits im Frühjahr wieder zu Hause lernen.

Am Wochenende wurde landesweit erstmals seit Monaten wieder die Marke von 10.000 Neuninfektionen erreicht - also die Zahl der Menschen, die sich täglich neu mit dem Coronavirus infiziert haben. Bereits im Mai gab es so hohe Werte. Der US-Universität John Hopkins zufolge liegt Russland bei der Gesamtzahl der Infektionen weltweit auf Platz vier.

Nach offiziellen Zahlen vom Montag erkrankten innerhalb eines Tages 10.888 Menschen neu. Die Zahl registrierter Corona-Infizierter ist seit Beginn der Pandemie auf mehr als 1,2 Millionen gestiegen. Bisher seien mehr als 21.400 Menschen mit dem Virus gestorben - das ist ein vergleichsweise niedriger Wert. Die Behörden hatten im Sommer Vorwürfe zurückgewiesen, dass diese Zahlen geschönt seien.

In Moskau galten im Frühjahr mehr als zwei Monate lang strenge Ausgangssperren. Einkaufszentren und Restaurants waren lange geschlossen. Nun wächst die Sorge, dass es erneut zu Schließungen kommen könnte. Im Sommer lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen wochenlang unter der Marke von 5.000.

Neue Corona-Beschränkungen auf Island - Bars werden geschlossen

Die Menschen auf Island müssen sich wegen steigender Infektionszahlen auf neue Corona-Beschränkungen einstellen. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus wird die Teilnehmergrenze für öffentliche Versammlungen ab Montag auf maximal 20 Personen herabgesetzt. Ausnahmen davon gelten etwa für Hochschulen und auf Beerdigungen. Außerdem werden Bars, Nachtclubs und Fitnessstudios geschlossen, wie die isländische Regierung am späten Samstagabend mitteilte. Damit folgte Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir einem Vorschlag des isländischen Chefepidemiologen Thórólfur Gudnason. Schulen und Kindergärten bleiben offen.

Island mit seinen gut 360 000 Einwohnern hat seit Beginn der Corona-Krise knapp 2900 Infektionen verzeichnet und ist insgesamt bislang verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen. Zehn Erkrankte sind bislang gestorben, der letzte dieses Todesfälle ist aber bereits Monate her. Im Sommer hatte es kaum noch aktive Fälle gegeben, seit Ende Juli nehmen die Infektionszahlen aber wieder zu.

Schwerkranken-Zahl in Israel knapp vor kritischer Marke

Die Zahl der in der Corona-Krise schwer Erkrankten liegt in Israel nur noch knapp unterhalb einer kritischen Marke. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, wurden zuletzt 778 solcher Fälle registriert. Als kritische Marke für eine Überlastung des Gesundheitssystems hatten Experten zuletzt 800 Schwerkranke genannt.

Israel steckt mitten in einer zweiten Corona-Welle. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hatte Ende vergangener Woche mit fast 8.500 einen Rekordwert erreicht. Mit einem kompletten Lockdown will die Regierung die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems sichern.

Für den Montag wurden 1.151 Neuinfektionen registriert. Die Zahl der Tests fiel am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur sehr gering aus, allerdings wurden davon 15 Prozent positiv getestet. Der Erreger SARS-CoV-2 ist seit Beginn der Pandemie bei insgesamt 235.465 Menschen in Israel nachgewiesen worden. 1.523 Menschen sind in Verbindung mit einer Corona-Infektion gestorben.

Iran: Alle 7 Minuten Corona-Tote, alle 23 Sekunden Neuinfektionen

Im Iran hat es binnen 24 Stunden alle sieben Minuten einen Corona-Toten und alle 23 Sekunden eine Neuinfektion gegeben. Das Gesundheitsministeriums registrierte in diesem Zeitraum 211 Tote und 3825 neue Ansteckungen. Damit liegt die aktuelle Zahl der Corona-Opfer bei insgesamt 26 380, die der nachgewiesenen Neuinfektionen bei mehr als 460 000, wie Ministeriumssprecherin Sima Lari am Donnerstag im Staatsfernsehen sagte.

Gesundheitsexperten schlagen Alarm und fordern umgehend Ausgangssperren, Präsident Hassan Ruhani ist dagegen. Er will die akute Wirtschaftskrise im Land nicht noch weiter mit Lockdowns verschärfen.

Die am stärksten von der Pandemie betroffene Weltregion sind Lateinamerika und die Karibik mit insgesamt etwa 341.000 registrierten Todes- und mehr als neun Millionen Ansteckungsfällen, gefolgt von Europa (rund 230.000 Todes- und etwa 5,27 Millionen Infektionsfälle) sowie den USA und Kanada (etwa 214.000 Todes- und 7,26 Millionen Infektionsfälle).

Über sieben Millionen Corona-Infektionen in Indien

Indien hat mehr als sieben Millionen Corona-Infektionen registriert. Allein innerhalb von 24 Stunden seien rund 74 000 nachgewiesene Neuinfektionen hinzugekommen, berichtete das indische Gesundheitsministerium am Sonntag. Das Land mit über 1,3 Milliarden Einwohnern hat damit nach den USA die zweitmeisten bekannten Infektionen.

Die offiziellen Neuinfektionen nehmen in absoluten Zahlen seit längerem schneller zu als in jedem anderen Land der Welt. Gleichzeitig macht sich unter der Bevölkerung eine Maskenmüdigkeit breit. Auch Abstandsregeln werden weniger befolgt. Der Chef der Ärztevereinigung des Bundesstaates Maharashtra sagte: „Die Leute glauben, dass sie sicher sind, weil sie bis jetzt noch nicht infiziert worden sind.“

Indien verzeichnet laut Johns-Hopkins-Universität die drittgrößte Zahl von Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind - nach Daten des indischen Gesundheitsministeriums rund 108 000. Auf die Bevölkerung gerechnet sind dies zwar weniger Corona-Tote als in anderen Ländern. Allerdings ist die Testrate in Indien noch deutlich niedriger als in vielen anderen Staaten.

Zuletzt stiegen die täglichen offiziellen Fallzahlen zwar etwas weniger stark als mehrfach im September mit mehr als 90 000 Fällen pro Tag. Allerdings warnen etliche Ärzte davor, dies als Indiz zu nehmen, dass Indien das Schlimmste überstanden habe - besonders, da in den kommenden Wochen mögliche Superspreader-Anlässe stattfinden. So stehen Wahlen im Bundesstaat Bihar mit mehr als 70 Millionen Wahlberechtigten an und zudem mehrere mehrtägige und wichtige hinduistische Feste, bei denen sich oft größere Menschenansammlungen bilden. Gleichzeitig berichteten örtliche Medien in einigen Teilen des Landes von einem Mangel an medizinischem Sauerstoff in Krankenhäusern.

Doch trotz der steigenden Corona-Zahlen lockert die Regierung zunehmend Maßnahmen. Sie betont, es gebe eine niedrige Todesrate und eine relativ hohe Genesungsrate. Dies könnte nach Expertenangaben unter anderem an der relativ jungen Bevölkerung liegen. Außerdem werden in Indien ohnehin generell viele Tote nie erfasst. Doch die Regierung will die Wirtschaft wieder beleben, die wegen eines ehemals strikten Lockdowns stark gelitten hatte. Viele Millionen Menschen hatten ihre Jobs verloren. Die indische Zentralbank ging zuletzt von einem Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes von 9,5 Prozent im Finanzjahr 2020 und 2021 aus.

Europakarte
Die Zahlen gemeldeter Corona-Infektionen seien seit August in der ganzen Europäischen Union und in Großbritannien stetig gewachsen und lägen nun teils höher als auf dem ersten Höhepunkt der Pandemie im März.
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