Impfallianz bestellt weitere 100 Millionen Dosen bei indischem Produzenten

Die Impfallianz Gavi hat den indischen Impfstoff-Produzenten Serum Institute of India (SII) mit der Herstellung von 100 Millionen weiteren Dosen eines künftigen Wirkstoffs gegen das Coronavirus für ärmere Länder beauftragt. Damit habe sich die Zahl der bei SII bestellten Impfdosen verdoppelt, kündigte das Impfbündnis am Dienstag an, das dabei mit der Bill and Melinda Gates Foundation zusammenarbeitet.

red/Agenturen

Gavi und die Gates Foundation hatten SII bereits im August mit der Produktion von 100 Millionen Dosen eines künftigen Impfstoffs beauftragt. Gavi stellt demnach dem indischen Großproduzenten im voraus Geld zur Verfügung, um die Produktionskapazitäten auszuweiten.

Sollte ein geeigneter Impfstoff bald die behördliche Zulassung erhalten, könnten die Dosen dann bereits in der ersten Jahreshälfte 2021 hergestellt werden. Verteilt wird der Impfstoff dann über die von Gavi, WHO und der Forschungsallianz Cepi betriebenen Impfstoffplattform Covax.

Zwei Kandidaten, die vom britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca und vom US-Unternehmen Novovax entwickelten Impfstoffe, wurden nun ausgewählt. Laut Gavi sollen die Mittel zum Preis von maximal drei Dollar pro Dosis an bis zu 92 Länder verteilt werden. „Kein Land, ob reich oder arm, sollte in der Schlange hinten anstehen, wenn es um Covid-19-Impfstoffe geht“, erklärte Gavi-Chef Seth Berkley.

Russland macht bei Covid-19-Impfstoff weiter Tempo

Unterdressen drückt Russland  bei der Entwicklung seines Corona-Impfstoffs aufs Tempo und will erste Ergebnisse der klinischen Studie mit tausenden Testpersonen Ende Oktober veröffentlichen. Die Geschwindigkeit sei notwendig, da die Pandemie kriegsähnliche Zustände verursache, sagte Alexander Gintsburg, Leiter des Gamaleya-Instituts, das den Impfstoff mit dem Namen Sputnik V entwickelt, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.

„Die Menschen sterben wie in einem Krieg“, sagte der Mikrobiologe. Das heiße aber nicht, dass Abkürzungen bei der Entwicklung genommen würden. „Auf keinen Fall.“ Bei den Tests für die Sicherheit und Wirksamkeit von Sputnik V würden alle Anforderungen erfüllt.

Russland hatte Mitte August als weltweit erstes Land einen Corona-Impfstoff zugelassen und damit Kritik von Experten auf sich gezogen. Sputnik V war zu diesem Zeitpunkt weniger als zwei Monate am Menschen getestet worden. Gintsburg verteidigte die frühe Zulassung: „Die Wahl war, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu schützen, oder sie mit dieser tödlichen Infektion Roulette spielen zu lassen.“ Erst am 9. September begann Russland mit einer Studie der Phase III, der eigentlich letzten Forschungsphase vor einer Zulassung, mit 5.000 Freiwilligen.

Andere Impfstoffkandidaten gerade in Phase-III-Studien

Zwischenergebnisse dieser Studie sollen nun schon nach sechs Wochen veröffentlicht werden, wie Gintsburg ankündigte. Das wäre ab dem 21. Oktober. Damit hat Russland gute Chancen, als erstes Land Erkenntnisse aus einer fortgeschrittenen Studie der Phase III bekannt zu geben.

Weitere Pharmakonzerne testen Impfstoffkandidaten ebenfalls gerade in Phase-III-Studien, teilweise auch schon länger als sechs Wochen. Der britische Pharmakonzern AstraZeneca hat zum Beispiel bereits im Mai mit Tests der letzten Forschungsphase begonnen, die Partner Pfizer und Biontec sowie der US-Konzern Moderna Ende Juli. Zwischenergebnisse hat allerdings noch keiner vorgelegt. Man werde warten, bis man genug Daten für eine verlässliche Aussage habe, hatte es geheißen.

Gintsburg sagte, es gebe ein öffentliches Interesse an frühen Ergebnissen, weil diese den Trend der Daten schon lieferten. Bisher seien in der Phase III-Studie keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt worden. Bei 14 bis 15 Prozent der Probanden seien geringfügige Nebenwirkungen aufgetreten. Ein Viertel der Teilnehmer habe ein Placebo erhalten.