Berechnung

Arzneimittelausgaben bleiben finanzierbar

Die Arzneimittelausgaben bleiben für die österreichischen Krankenkassen finanzierbar. Die Kostensteigerungsraten für erstattungsfähige Medikamente im Bereich außerhalb der Spitäler sind und bleiben geringer als der Zuwachs der Beitragseinnahmen.

red/Agenturen

Dies hat eine am Donnerstag in Wien präsentierte Expertenrechnung ergeben. Österreichischer Apothekerverband, Fachverband der chemische Industrie (FCIO), das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) und der Gesamt-Pharmaverband Pharmig hatten beim Arzneimittel-Marktforschungsunternehmen IQVIA (ehemals IMS Health) eine Analyse und eine Prognose für den Zeitraum 2019 bis 2023 in Auftrag gegeben. „Ziel war es, eine solide datenbasierte Grundlage für alle 'Player' im Gesundheitswesen zu schaffen", sagte IQVIA-Geschäftsführer Stefan Baumgartner bei einer Pressekonferenz.

Für Analyse und Prognose wurden zunächst die Daten aus dem Zeitraum 2016 bis 2018 verwendet. Aus der Entwicklung und den gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen wurde eine Prognose für 2019 bis 2023 abgeleitet.

„Der erstattungsfähige Markt (Arzneimittel auf Krankenkassenkosten; Anm.) betrug 2,709 Milliarden Euro im Jahr 2018. 2023 werden es 2,920 Milliarden Euro sein“, erklärte der Pharma-Marktforscher. Der erstattungsfähige Arzneimittelmarkt werde demnach bis 2023 inflationsbereinigt um jährlich rund 1,5 Prozent wachsen. Alle Angaben beziehen sich auf die Fabriksabgabepreise der Pharmaunternehmen.

Die Entwicklung setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen: Das inflationsbereinigte Marktwachstum selbst wird bis 2023 plus 702 Millionen Euro betragen. Preiseffekte via Konkurrenzkampf in der Pharmaindustrie, Patentabläufe mit nachfolgenden deutlich billigeren Generika und Biosimilars sowie Preisabsenkungen bei den ursprünglichen Originalpräparaten werden den Krankenkassen hingegen 944 Millionen Euro ersparen. Innovationen bei Arzneimitteln ab 2019 landen hingegen mit plus 454 Millionen Euro in der Berechnung.

Beschränkte gesamtwirtschaftliche Aussagekraft

Über Preiseffekte durch Generika und Biosimilars sowie mittlerweile gesetzliche Preisregelungen dürften sich die Krankenkassen 2019 rund 60 Millionen Euro ersparen. 2021 dürften es schon minus 187 Millionen Euro sein, 2023 dann 287 Millionen Euro. Dem dürften 2019 Mehraufwendungen für Innovationen von 20 Millionen Euro gegenüberstehen (2021: plus 86 Millionen Euro; 2023: plus 172 Millionen Euro). Baumgartner wies darauf hin, dass die Berechnungen eher konservativ durchgeführt worden seien. Wahrscheinlich würden sich im Endeffekt noch geringere Zuwachsraten bei den Arzneimittelausgaben der Krankenkassen ergeben.

Die gesamtwirtschaftliche Aussagekraft der bereit angelegten Studie ist allerdings beschränkt. Der Markt der von den Krankenkassen bezahlten Arzneimittel im extramuralen Bereich macht zwei Drittel der aus öffentlichen Quellen finanzierten Ausgaben für Medikamente aus. Der Rest sind die Krankenhäuser, die von Bundesländern finanziert werden. Im Spitalssektor aber werden hoch wirksame, innovative und im Vergleich teurere Arzneimitteltherapien in Österreich aber zumeist zuerst angewendet.

IHS-Gesundheitsökonom Thomas Czypionka bestätigte im Grundsatz das Bild aus Analyse und Prognose: „Die Preise im erstattungsfähigen Arzneimittelmarkt sinken nach Patentablauf stark und bleiben dann auf konstant auf niedrigerem Niveau. (...) Die Ausgaben für Arzneimittel entwickeln sich in den letzten Jahren und auch in naher Zukunft etwas geringer als die Einnahmen." Die Gesamtausgaben für Gesundheit wüchsen geringfügig stärker als das Bruttoinlandsprodukt. Die Beitragseinnahmen der Krankenkassen steigen laut Czypionkas Darstellung aber deutlich schneller als BIP und die Arzneimittelausgaben der Sozialversicherung.

Ein Beispiel: Zwischen dem Jahr 2001 und 2021 zeigen die Beitragseinnahmen der Krankenkassen eine Gesamtwachstumsrate von um die 48 Prozent. Das BIP legt in Österreich in dem Zeitraum um etwas mehr als 35 Prozent zu, die Arzneimittelausgaben um etwa 38 Prozent. Ein Faktum, das bisher in der öffentlichen Diskussion zumeist untergegangen ist: Durch die jährlich steigende Rezeptgebühr, de facto ein Selbstbehalt für die Krankenversicherten, und durch die vor allem bei den am häufigsten benutzten erstattungsfähigen Arzneimitteln gleichbleibenden bis sinkenden Preise müssen Patienten immer häufiger Medikamente privat zahlen. Unterhalb der Rezeptgebühr zahlen die Krankenkassen nicht mehr.