Telemedizin

Austrian Health Forum klopft Gesundheitswesen auf Digitalisierung ab

Die Corona-Pandemie hat im österreichischen Gesundheitsbereich ihre Spuren hinterlassen. Was verbessert, verändert und was beibehalten werden sollte und welche Rolle dabei der Digitalisierung zukommen kann, wird vom Austrian Health Forum auf seinem jährlichen Netzwerkgipfel diskutiert. Der vom Senat der Wirtschaft und unter anderem dem Land Steiermark unterstützte Kongress wurde am Donnerstagnachmittag eröffnet und findet bis zum 26. Juni in Schladming statt.

red/Agenturen
Alexander Gaiger, Wiener Onkologe und Psychotherapeut: „Telemedizin ist eine Möglichkeit das Gesundheitssystem pandemietauglich zu machen.“

Menschen mit starkem Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder Herzinsuffizienz, die noch dazu nicht mehr ganz jung sind, brauchen eine kontinuierliche Gesundheitsversorgung. Doch in der Zeit der Lockdown wurden die Ordinationen und Ambulanzen, die für die Regelversorgung zuständig sind runtergefahren. Schwerpunkte der zweitägigen Tagung in Schladming sind die Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen des Corona-Krisenmanagements speziell auf die Versorgung chronisch kranker Menschen. Konkrete Lösungen, Ideen sowie vor allem die Frage, wie die Digitalisierung die künftige Patientenversorgung prägen wird, werden bis zum 26. Juni von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis, Umsetzern und Entscheidungsträger diskutiert.

Für viele chronisch Kranke oder auch Krebspatienten war die Corona-Pandemie doppelt sorgenbehaftet: U.a. mit der Sorge, sich beim Besuch einer Gesundheitseinrichtung anzustecken und der Sorge, dass sich der Gesundheitszustand verschlechtern könnte, wenn Untersuchungen weiter aufgeschoben werden. Digital-unterstütztes Disease Management (CDM) könne die Versorgung und psychosoziale Begleitung dieser Personengruppen sicherstellen und dabei deren Ansteckungsrisiko minimieren, hielt der Wiener Onkologe und Psychotherapeut Alexander Gaiger fest. „Telemedizin ist eine Möglichkeit das Gesundheitssystem pandemietauglich zu machen“, wie es Gaiger zusammenfasste.

Pandemie hat vieles möglich gemacht

Herwig Ostermann, der Geschäftsführer von Gesundheit Österreich (GÖG) blickte in seinem kurzen Eingangsstatement auf die vergangenen 15 Monte zurück: „Sie waren natürlich anstrengend, haben aber auch vieles möglich gemacht und wir haben gelernt, wo das System noch Tücken hat. Damit müssen wir uns weiter beschäftigen“, berichtete er den rund 250 angereisten Expertinnen und Experten, Umsetzern und Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen, der Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Pandemie habe im Gesundheitswesen vieles beschleunigt, betonte auch die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner Strauß (ÖVP). „Die Dynamik in der Gesundheitsversorgung, die Weiterentwicklung im eHealth-Bereich ist wesentlich schneller gegangen als in den letzten Jahren. Man hat plötzlich zu Lösungen gegriffen, die jahrelang nur diskutiert wurden. Diese Dynamik müssen wir mitnehmen, um weiter für eine gute Gesundheitsversorgung zu sorgen“, zeigte sich die Landesrätin überzeugt. Wie das gehen soll, wird bis zum 26. Juni in Schladming diskutiert.

„Wir brauchen den persönlichen Austausch mit den Stakeholdern, die am Gelingen der Gesundheitsversorgung ihren Anteil haben. Dieser Netzwerkgipfel bietet die Gelegenheit uns schonungslos den Spiegel vorzuhalten und dort hinzudrücken, wo es wehtut, denn das sind die Dinge, die wir voranbringen müssen“, forderte Katharina Reich, Sektionschefin und Chief Medical Officer im Gesundheitsministerium die Teilnehmer auf, sich in die Diskussionen der kommenden Tage einzubringen.

Das Austrian Health Forum (AHF) wurde im 2018 von Hans Harrer (Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft), Christoph Hörhan und Thomas Zembacher gegründet. 2019 fand erstmalig das international besetzte Austrian Health Forum (AHF) im salzburgischen Leogang statt. Im Mai 2020 geht das Format in die zweite Runde.

 

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Katharina Reich, Sektionschefin und Chief Medical Officer im Gesundheitsministerium: „Dieser Netzwerkgipfel bietet die Gelegenheit uns schonungslos den Spiegel vorzuhalten und dort hinzudrücken, wo es wehtut, denn das sind die Dinge, die wir voranbringen müssen.“
Juliane Bogner Strauß, steirische Gesundheitslandesrätin (ÖVP): „Man hat plötzlich zu Lösungen gegriffen, die jahrelang nur diskutiert wurden. Diese Dynamik müssen wir mitnehmen, um weiter für eine gute Gesundheitsversorgung zu sorgen.“