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Nobelpreis

Auszeichnung geht an Briten und zwei Amerikaner

Die Medizin-Nobelpreise gehen heuer an den Briten Sir Peter J. Ratcliffe (Oxford University) und die beiden US-Amerikaner William J. Kaelin, Jr. (Harvard University) sowie Gregg L. Semenza (John Hopkins University) für ihre Forschungen, wie Zellen die vorhandene Sauerstoffkonzentration sozusagen „riechen". Die Medizin-Nobelpreise werden seit 1901 verliehen. Der erste Nobelpreis ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Im vergangenen Jahrzehnt wurde etwa der Entdecker des Malaria-Wirkstoffes Artemisinin geehrt und die Erforscher der „Inneren Uhr“. Ein kurzer Überblick.

red/Agenturen

Die Medizin-Nobelpreisträger seit 2008

2019: Sir Peter J. Ratcliffe (Oxford University) und die beiden US-Amerikaner William J. Kaelin, Jr. (Harvard University) sowie Gregg L. Semenza (John Hopkins University) teilen sich den Preis für ihre Entdeckungen, die zum Verständnis der Mechanismen führten, wie Zellen die vorhandene Sauerstoffkonzentration „riechen". Sauerstoff ist zentral für das Leben auf der Erde und für den Organismus. Aber wie genau Zellen unterschiedliche Verfügbarkeiten von Sauerstoff wahrnehmen und sich daran anpassen, war lange unklar, wie das Nobel-Komitee am Karolinksa-Institut in Stockholm am Montag mitteilte.

2018: Der US-Forscher James Allison und der japanische Wissenschafter Tasuku Honjo teilen sich den Nobelpreis für Physiologie und Medizin in Anerkennung ihrer Entdeckungen über Immuncheckpoints, die zur modernen Immuntherapie gegen Krebserkrankungen führten.

2017: Die US-Forscher Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young für die Erforschung der biologischen „Inneren Uhr" von Organismen.

2016: Der Japaner Yoshinori Ohsumi, der das lebenswichtige Recycling-System für Proteine in Zellen entschlüsselt hat.

2015: Die Chinesin Youyou Tu, die den Malaria-Wirkstoff Artemisinin entdeckt hat. Sie teilte sich den Preis mit dem gebürtigen Iren William C. Campbell und dem Japaner Satoshi Omura, die an der Bekämpfung weiterer Parasiten gearbeitet hatten.

2014: Das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O'Keefe (USA/Großbritannien) für die Entdeckung grundlegender Strukturen des Orientierungssinns des Menschen,

2013: Thomas Südhof (gebürtig in Deutschland) sowie James Rothman (USA) und Randy Schekman (USA) für die Entdeckung von wesentlichen Transportmechanismen in Zellen.

2012: Der Brite John Gurdon und der Japaner Shinya Yamanaka für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den Embryonalzellen.

2011: Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (Frankreich) für Arbeiten zur Alarmierung des angeborenen Abwehrsystems. Ralph Steinman aus Kanada entdeckte Zellen, die das erworbene Immunsystem aktivieren. Er war kurz vor der Verkündung gestorben und bekam den Preis posthum.

2010: Der Brite Robert Edwards für die Entwicklung der Reagenzglas-Befruchtung.

2009: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak (alle USA) für die Erforschung der Zellalterung.

Livestream zur Verleihung

 

Zahlen & Fakten rund um den Nobelpreis

Die Nobelpreise werden seit 1901 in Stockholm und Oslo verkündet und vergeben.

31.587.202 Schwedische Kronen hinterließ Dynamit-Erfinder Alfred Nobel 1896 mit seinem Testament. Die ersten Preisträger erhielten 1901 jeweils 150.782 Kronen, heute sind es in jeder Kategorie 9 Mio. Kronen (8,2 Mio. Euro) - das entspricht heute in etwa dem Wert des ursprünglichen Preisgeldes.

904 Auserwählte und 24 Organisationen haben bisher den Nobelpreis in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften erhalten. Der Wirtschaftsnobelpreis ist zwar kein offizieller Nobelpreis, wird meist aber dazugerechnet. Vier Persönlichkeiten sowie das UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) wurden bereits zweimal, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) sogar dreimal geehrt.

96 Jahre alt war der bisher älteste Preisträger, Arthur Ashkin, als er im vergangenen Jahr den Physiknobelpreis erhielt.

52 Mal wurden bisher Frauen mit Nobelpreisen geehrt, darunter zweimal Marie Curie.

49 Mal gab es - gezählt in allen Kategorien zusammen - keinen Nobelpreis, vor allem in Kriegs- und Krisenjahren. Am häufigsten wurde der Friedenspreis ausgesetzt, in Vorjahr war es wegen eines Skandals bei der Schwedischen Akademie der Literaturpreis. Er wird heuer nachgeholt.

17 Jahre war die jüngste Preisträgerin Malala Yousafzai alt, als sie 2014 den Friedensnobelpreis erhielt.

14 Mal teilten sich Familienmitglieder einen Preis. Besonders erfolgreich war die Familie Curie.

13 deutschsprachige Autoren erhielten den Literaturnobelpreis.

3 Friedensnobelpreisträger saßen am Tag der Bekanntgabe im Gefängnis: Carl von Ossietzky, Aung San Suu Kyi und Liu Xiaobo.

4 Preisträger waren gezwungen, Nobelpreise abzulehnen. Adolf Hitler untersagte den Chemikern Richard Kuhn und Adolf Butenandt sowie dem Mediziner Gerhard Domagk die Annahme. Die Sowjetunion sagte für den Autor Boris Pasternak ab.

2 Preisträger lehnten den Nobelpreis aus eigenen Stücken ab: Jean Paul Sartre 1964, der aus Prinzip keine Ehrungen akzeptierte, und Le Duc Tho, der 1973 zusammen mit Henry Kissinger für die Aushandlung des Vietnam-Friedens ausgezeichnet werden sollte.

 

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Karolinka Institut - Nobelpreis
Die so genannte Nobelversammlung am Karolinska Institut bestimmt jährlich die Träger des Nobelpreises für Medizin.
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