Medizin-Nobelpreis

Auszeichnung „natürlich längst überfällig"

Der Hepatologe Michael Trauner von der MedUni Wien hat sich am Montag sehr erfreut gezeigt, dass der Medizin-Nobelpreis 2020 an die Entdecker des Hepatitis-C-Virus vergeben wurde. Das „ist natürlich überfällig“ gewesen, so Trauner. „Das war einer der absolut durchbrechenden Erfolge in der Medizin.“ Es handle sich um die erste chronische Viruserkrankung, die jetzt heilbar ist, auch wenn es keine Impfung gibt“, betonte der Mediziner.

red/Agenturen

Aids/HIV ist etwa noch nicht heilbar, aber unterdrückbar, erläuterte der Leiter der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien am AKH. Auch Hepatitis-B sei nicht eliminierbar, aber es gebe eine Impfung. Bei Hepatitis-C liege die Heilungsrate durch aktuelle Therapien bei 95 bis fast 100 Prozent. Dennoch werde auch gegen Hepatitis-C noch an einer Impfung geforscht. Die Kosten der medikamentösen Behandlung hätten sich „in der Zwischenzeit relativiert“ und werden von der Krankenkasse gezahlt.

Die Jahrestherapie mit Spritzen ist mittlerweile von unterschiedlichen Präparaten mit Tabletten abgelöst worden, berichtete Trauner. Die Standardtherapie dauert nun zwölf Wochen und ist deutlich vereinfacht, was die Dosis und Zahl der Tabletten betrifft. Bei den wenigen Prozent, wo die Behandlung nicht anschlägt, handelt es sich laut dem Experten um Patienten, die eine schon sehr fortgeschrittene Lebererkrankung haben oder wenn sonstige Begleiterkrankungen vorliegen. Man könne aber auch Patienten nach Lebertransplantationen sehr gut behandeln. Die positiven Auswirkungen der Therapie zeigen sich laut Trauner auch in den zurückgehenden Transplantationszahlen.

Teil des Kapitel Hepatitis C in Österreich geschrieben

„Mich freut es natürlich als Gastroenterologe und Hepatologe, dass dieses Gebiet ausgezeichnet wurde“, sagte Trauner. Der Experte verwies auf weitere renommierte Forscher auf dem Gebiet, die etwa die erste Therapie und Medikamente entdeckt hätten. Es sei „immer die Frage was beim Nobelpreis ausgezeichnet wird“, so Trauner: „Wenn es zu viele gibt, die für einen Preis infrage kommen, dann konzentriert man sich auf die grundlegenden Entdeckungen.“

Das Kapitel der Hepatitis-C-Forschung sei „auch in Österreich kräftig mitgeschrieben worden“, erzählte Trauner. Er verwies auf Studien seines Kollegen Peter Ferenci, wo Österreich „früh als kleines Land mitkoordiniert“ habe. Jetzt sei es hierzulande eher die Herausforderung, alle Patienten zu identifizieren und zu behandeln, es gebe „sicher noch eine beträchtliche Dunkelziffer“.

„Wir können den Forschern nur unendlich dankbar sein, dass sie das ermöglicht haben“, sagte Angelika Widhalm von der Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ). Es sei „natürlich für einen Patienten, der eine Diagnose bekam, ein Schock gewesen - und ist es heute noch“. Früher war es jedoch „ein unvorstellbares Erlebnis, dass man erfährt, dass man negativ ist“, berichtete Widhalm, die selbst mit einer frühen Therapieform von Hepatitis-C geheilt wurde.

Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (PHARMIG), würdigte den Nobelpreis für die drei Forscher Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice ebenfalls. „Durch kontinuierliche Forschung ist es schlussendlich im Jahr 2013 gelungen, ein Medikament auf den Markt zu bringen, mit dem die Krankheit heilbar ist. Das ist letzten Endes genau das, was wir bei jeder Krankheit anstreben, nämlich, sie heilbar zu machen“, sagte PHARMIG-Generalsekretär Alexander Herzog in einer Aussendung.