Nobelpreis

Auszeichnungen für eine bessere Welt

Alfred Nobels Vorgabe war eindeutig: Die nach ihm benannten Preise sollten diejenigen erhalten, „die der Menschheit im vergangenen Jahr den größten Nutzen erwiesen haben“ - so steht es im Testament des Dynamit-Erfinders aus 1895. Noch heute folgen die Vergabekomitees in Stockholm und Oslo Nobels Wünschen. Nächste Woche ist es wieder so weit, die diesjährigen Preisträger werden bekannt gegeben.

red/Agenturen

Die Komitees ehren Wissenschafter in den Kategorien Medizin, Physik und Chemie für ihre bahnbrechenden Entdeckungen, zeichnen Literaten für herausstechende Werke aus und würdigen Persönlichkeiten, die sich für Frieden und die Gemeinschaft der Völker einsetzen, mit dem Friedensnobelpreis. Der Wunsch Nobels hatte zur Folge, dass viele der größten Wissenschafter, Schriftsteller, Persönlichkeiten und Institutionen des 20. und 21. Jahrhunderts ausgezeichnet wurden. 904 Auserwählte und 24 Organisationen haben den Nobelpreis zwischen 1901 und 2018 erhalten, darunter vier Menschen und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) gleich doppelt, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) sogar dreimal.

„Die Preisträger haben auf völlig unterschiedliche Weise dazu beigetragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, ist die Leiterin des Nobelpreismuseums in Stockholm, Erika Lanner, überzeugt. In dem Museum läuft gerade eine Ausstellung an, die in ähnlicher Weise auch in Indien zu sehen ist. „For the Greatest Benefit to Humankind“, heißt sie angelehnt an Nobels große Worte. Gezeigt wird, wie Preisträger die Weltgeschichte durch ihre Entdeckungen und Errungenschaften vorangebracht haben - etwa durch die Entdeckung der antibiotisch wirkenden Substanz Penicillin oder die Gründung des Roten Kreuzes.

Die Arbeiten der Preisträger zeigten in ihrer Gesamtheit, dass Ideen wirklich die Welt verändern können, sagt Lanner. „Das ist eine sehr hoffnungsvolle Vorstellung: Einzelne Personen - Wissenschafter, Schriftsteller oder Leute, die in der Politik oder Friedensarbeit aktiv sind - können tatsächlich einen gewaltigen Unterschied machen, und das nicht nur auf theoretischer Ebene.“ Ihre Beiträge prägten die Art und Weise, wie die Menschheit heute lebe, welche Krankheiten geheilt und wie der Planet geschützt werde.

„Wissenschaftliche Welt ohne Nobelpreis nicht denkbar“

Dabei kann eine Erfindung zur anderen führen, wie Lanner am Beispiel des Medizin-Nobelpreisträgers des Jahres 1930 erklärt. „Karl Landsteiner hat die verschiedenen Blutgruppen entdeckt, was Bluttransfusionen möglich machte.“ Später hätten dann James Black, Gertrude Elion und George Hitchings - Medizin-Nobelpreisträger im Jahr 1988 - Arzneimittel entwickelt, die verhindern, dass das Immunsystem transplantierte Organe abstößt. Joseph Murray wiederum sei aufbauend auf diesen Erkenntnissen die erste Nierentransplantation geglückt. Er erhielt 1990 den Nobelpreis für Medizin.

„Die Wissenschaft hat es uns ermöglicht, Hindernisse zu überwinden, von denen wir nicht geglaubt haben, dass das möglich ist“, sagt Lanner. „Die Wissenschaft ist die Hoffnung, dass wir die großen Fragen und Herausforderungen lösen, vor der die Menschheit heute steht.“

Für Lanner treibt nicht die Aussicht auf Auszeichnungen, sondern die Leidenschaft für die Forschung die Wissenschafter an. Dennoch spielten die Nobelpreise eine unverzichtbare Rolle im wissenschaftlichen Kalender, sagt der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale), Jörg Hacker. „Wir freuen uns jedes Jahr darauf, wenn die neuen Nobelpreisträger bekanntgegeben werden.“ Er geht sogar noch ein Stück weiter: „Eine wissenschaftliche Welt ohne Nobelpreisträger wäre nicht denkbar“, sagt der Mikrobiologe.

Ein wichtiger Punkt sei die hohe öffentliche Aufmerksamkeit, die Nobelpreisträger durch ihre Auszeichnung erhielten. „Das gibt dem Ganzen etwas mehr Gewicht, als wenn es direkt aus der Scientific Community kommt“, sagt Hacker.

Die Geschichte des Nobelpreises lehre letztlich, dass Veränderungen möglich seien und es immer einen Weg nach vorne gebe, sagt die Stockholmer Museumsleiterin Lanner. Diese Botschaft wolle das Museum gerade auch an Kinder und Jugendliche weitergeben. „Wir wollen jungen Leuten zeigen, dass Ideen tatsächlich die Welt verändern können. Die Entdeckung, die du in deinem Labor in einem Teil der Welt machst, kann einige Jahre später dazu führen, dass die Eltern von jemand anderem überleben und von einer Krebserkrankung geheilt werden. Diese Art von Einfluss lässt sich in Geld und Preisen nicht bemessen.“

 

Zahlen & Fakten

Die Nobelpreise werden seit 1901 in Stockholm und Oslo verkündet und vergeben.

31.587.202 Schwedische Kronen hinterließ Dynamit-Erfinder Alfred Nobel 1896 mit seinem Testament. Die ersten Preisträger erhielten 1901 jeweils 150.782 Kronen, heute sind es in jeder Kategorie 9 Mio. Kronen (8,2 Mio. Euro) - das entspricht heute in etwa dem Wert des ursprünglichen Preisgeldes.

904 Auserwählte und 24 Organisationen haben bisher den Nobelpreis in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften erhalten. Der Wirtschaftsnobelpreis ist zwar kein offizieller Nobelpreis, wird meist aber dazugerechnet. Vier Persönlichkeiten sowie das UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) wurden bereits zweimal, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) sogar dreimal geehrt.

96 Jahre alt war der bisher älteste Preisträger, Arthur Ashkin, als er im vergangenen Jahr den Physiknobelpreis erhielt.

52 Mal wurden bisher Frauen mit Nobelpreisen geehrt, darunter zweimal Marie Curie.

49 Mal gab es - gezählt in allen Kategorien zusammen - keinen Nobelpreis, vor allem in Kriegs- und Krisenjahren. Am häufigsten wurde der Friedenspreis ausgesetzt, in Vorjahr war es wegen eines Skandals bei der Schwedischen Akademie der Literaturpreis. Er wird heuer nachgeholt.

17 Jahre war die jüngste Preisträgerin Malala Yousafzai alt, als sie 2014 den Friedensnobelpreis erhielt.

14 Mal teilten sich Familienmitglieder einen Preis. Besonders erfolgreich war die Familie Curie.

13 deutschsprachige Autoren erhielten den Literaturnobelpreis.

3 Friedensnobelpreisträger saßen am Tag der Bekanntgabe im Gefängnis: Carl von Ossietzky, Aung San Suu Kyi und Liu Xiaobo.

4 Preisträger waren gezwungen, Nobelpreise abzulehnen. Adolf Hitler untersagte den Chemikern Richard Kuhn und Adolf Butenandt sowie dem Mediziner Gerhard Domagk die Annahme. Die Sowjetunion sagte für den Autor Boris Pasternak ab.

2 Preisträger lehnten den Nobelpreis aus eigenen Stücken ab: Jean Paul Sartre 1964, der aus Prinzip keine Ehrungen akzeptierte, und Le Duc Tho, der 1973 zusammen mit Henry Kissinger für die Aushandlung des Vietnam-Friedens ausgezeichnet werden sollte.

 

Alfred Nobel
Alfred Nobel, Erfinder des Dynamits, stiftete den nach ihm benannten Preis. Seit 1901 wird er vergeben.
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