In der EU muss mehr gegen „Superbugs“ -Bedrohung getan werden

Die EU hat bei der Bekämpfung von sogenannten Superbugs, also insbesondere antibiotikaresistente Bakterien, bisher nur wenige Fortschritte erzielt. Auch wenn es im Veterinärwesen einige Erfolge gegeben habe, deute bis jetzt wenig darauf hin, dass die Gesundheitsbelastung durch Antibiotikaresistenz verringert wurde, berichtete der Europäische Rechnungshof in Luxemburg am Freitag.

red/Agenturen

Antibiotikaresistenz tritt auf, wenn Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze eine Widerstandsfähigkeit gegen Medizin entwickeln, die bisher eine wirksame Behandlung bot. In der EU sterben jährlich etwa 33.000 Menschen an Infektionen, die durch arzneimittelresistente Bakterien verursacht werden. Dadurch entstehen Kosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro aufgrund von zusätzlichen Gesundheitskosten und Produktivitätsverlusten.

Die Bekämpfung von „Superbugs“ ist ein schwieriges Unterfangen und erfordert einen ganzheitlichen „One-Health“-Ansatz für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Die Prüfer des EU-Rechnungshofs bewerteten die Verwaltung von zentralen Tätigkeiten und Ressourcen zur Verringerung von Antibiotikaresistenz durch die Europäische Kommission und die EU-Agenturen. Sie prüften die Unterstützung der Kommission zur Stärkung des „One-Health“-Ansatzes der Mitgliedstaaten sowie ihren Beitrag zur Förderung eines umsichtigen Einsatzes von Antibiotika bei Tieren. Zudem wurde die EU-Unterstützung für die Forschung im Bereich der Antibiotikaresistenz untersucht.

„Antibiotikaresistenz stellt eine ernst zu nehmende Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar“, so Nikolaos Milionis vom Europäischen Rechnungshof. „Die Europäische Kommission muss zusammen mit den Mitgliedstaaten intensiver daran arbeiten, dieser wachsenden Bedrohung entgegenzutreten.“

Umsichtigerer und effizienterer Einsatz und Entwicklung neuer Antibiotika

Letztlich sind bei der Bekämpfung der Antibiotikaresistenz zwei wesentliche Herausforderungen zu bewältigen. Ein umsichtigerer und effizienterer Einsatz bestehender Antibiotika sowie die Entdeckung und Bereitstellung neuer Antibiotika durch Forschung und Entwicklung.

Die Prüfer kamen zum Schluss, dass die EU-Unterstützung zur Stärkung des „One-Health“-Ansatzes der Mitgliedstaaten in Bezug auf Antibiotikaresistenz nützlich war. Insbesondere habe sie zu fundierteren Entscheidungen beigetragen und die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten erleichtert.

Es bestehe aber Potenzial für weitere Synergien, um die Bekämpfung der Antibiotikaresistenz durch gezielte, kostenwirksame Investitionen zu fördern, so die Prüfer. Sie wiesen weiters auf Lücken in der Überwachung des Fortschritts sowie in der Überwachung therapieassoziierter Infektionen hin, wodurch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz gebremst werden dürften. Außerdem sind die wissenschaftlichen Daten über das Auftreten und die Verbreitung von Antibiotikaresistenz ihrer Ansicht nach weiterhin unzureichend.

Bei der Entwicklung neuer Antibiotikaklassen gab es bisher keinen Durchbruch. Daher müssten Strategien zur Förderung der Erforschung von Antibiotikaresistenzen in der EU gestärkt werden, so der EU-Rechnungshof. Zudem empfiehlt dieser der EU-Kommission, die Unterstützung der Mitgliedstaaten zu verbessern und einen umsichtigen Einsatz von antimikrobiellen Tierarzneimitteln sowie eine bessere Überwachung der Antibiotikaresistenz zu fördern.