Neurologie

Gerätebasierte Therapien bei Parkinson zu wenig genutzt

Parkinson-Patienten profitieren von gerätebasierten Therapien, diese werden aber nicht oft genug eingesetzt, erklärte Regina Katzenschlager von der Neurologischen Abteilung der Klinik Donaustadt in Wien bei einer Pressekonferenz. Gebräuchlich sei, Wirkstoffe zu schlucken, die aber oft zu kurz wirken. Sie könnten etwa durch Sonden gezielter und beständig verabreicht werden, um den Patienten „Off-Zeiten“ mit starken Symptomen und manche Nebenwirkungen zu ersparen.

red/Agenturen

„Ursache für die klassische Parkinson-Erkrankung ist ein selektiver Untergang von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren“, sagte Walter Pirker von der Abteilung für Neurologie der Wiener Klinik Ottakring. Die Nervenzellen, an denen Dopamin andockt, bleiben intakt. Deshalb kann man die Krankheit behandeln mit einer Gabe von L-Dopa, einer Vorstufe von Dopamin, die im Körper in diesen Botenstoff umgewandelt wird. Ebenfalls wirksam sind Dopaminagonisten, das sind Medikamente, die im Gehirn die Wirkung von Dopamin nachahmen.

L-Dopa hat aber eine kurze Halbwertszeit im Körper und wird von den Patienten, die es als Tabletten schlucken, oft nicht gut über den Dünndarm aufgenommen, berichtete Katzenschlager. Die Parkinson-Krankheit verursache nämlich auch Verdauungsprobleme. Dopaminagonisten wiederum haben zusätzliche Nebenwirkungen, manchmal zum Beispiel kurze Einschlafphasen, die Autofahren zu gefährlich machen, sowie impulsartiges Kaufen und gesteigertes Sexualverhalten, weil Dopamin auch im Belohnungssystem des Gehirns eine Rolle spielt. Teils dauert es deshalb bei der oralen Therapie mehrere Jahre, bis die geeignete Medikation und Dosis gefunden wird.

Signifikant verkürzte Off-Dauer des Patienten

„Zusätzlich gibt es auch gerätebasierte Therapieformen - viele Kliniker haben aber das Gefühl, dass diese in der Praxis nicht oft genug mit den Patienten und Angehörigen diskutiert werden“, sagte sie. L-Dopa könne man mit einer Sonde durch die Bauchhaut, die über eine kleine Pumpe gespeist wird, direkt an den Ort der Aufnahme im Dünndarm abliefern. Dies würde zu nachweisbarer Dopaminausschüttung im Bewegungszentrum des Gehirns innerhalb kurzer Zeit führen.

„Im Vergleich zu oral gegebenem L-Dopa führt eine Infusion zu einer signifikant verkürzten Dauer der sogenannten Off-Zustände der Patienten“, erklärte die Medizinerin. Dies sind Phasen, in denen die Symptome aufgrund von Dopaminmangel sehr ausgeprägt sind. Im Gegensatz zur Verabreichung von Tabletten führen Infusionen meist auch nicht zu einer Zunahme von Dyskinesien (Bewegungsablaufstörungen).

Die Patienten könnten sich auch den Dopaminagonisten „Apomorphin“ etwa mittels Pen subkutan verabreichen, also etwa unter die Bauchhaut. „Er bedient alle Typen an Dopamin-Rezeptoren und wirkt schneller als alle anderen Mittel, wenn er so verabreicht wird“, sagte Katzenschlager. Die Patienten würden so meist innerhalb von sieben bis acht Minuten vom Off- in den On-Zustand gelangen. „Die Methode ist sehr verlässlich und wirkt bei 95 Prozent der Patienten“, berichtete sie. Vor allem morgendliche Offs seien mit dem Apomorphin-Pen gut vermeidbar. Apomorphin könne man auch kontinuierlich mit einer Infusion geben, wie sie mit Kollegen in einer in der Fachzeitschrift „Lancet Neurology“ veröffentlichten Studie gezeigt habe.

Die Pressekonferenz fand anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Parkinsongesellschaft statt, die am 23. Oktober abgehalten wird - aufgrund der Covid-19 Krise virtuell.