Kardiologie

Herzklappenerkrankungen oft unerkannt

Rund 115.000 Menschen über 65 Jahre in Österreich sind von einer Herzklappenerkrankung betroffen, diese bleibt aber oft unerkannt. Obwohl die Symptome lebensbedrohend sein können, würden sie als normaler Bestandteil des Älterwerdens abgetan, warnte der Verein „Meine Herzklappe“ am Montag zum Beginn der europäischen Herzklappenwoche. In deren Rahmen gibt es Online-Sprechstunden für Betroffene.

red/Agenturen

„Wir müssen das Bewusstsein der Menschen für die Herzklappenerkrankung als schwere, aber behandelbare Erkrankung schärfen“, betonte Christian Hengstenberg, Präsident von „Meine Herzklappe“ in einer Aussendung. „Gerade jetzt, wo viele Menschen verunsichert sind, ob sie wegen Corona überhaupt zum Arzt gehen sollen, müssen wir besonders intensiv informieren. Denn das Risiko eines unbehandelten Herzklappenfehlers ist ungleich größer als eine mögliche Covid-19-Infektion“, sagte der Leiter der Kardiologie am AKH Wien.

Unbehandelte Herzerkrankungen wie die Aortenklappenstenose führen bei der Hälfte der Betroffenen innerhalb von zwei Jahren zum Tod. Trotzdem kennen 93 Prozent der über 60-Jährigen diese Krankheit nicht einmal dem Namen nach, hieß es in der Aussendung. Nur wenigen sei bewusst, dass ein Engegefühl in der Brust, Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder ein Ohnmachtsanfall Symptome einer Herzklappenerkrankung sein können.

Herzgeräusch erstes Anzeichen

Für ein rechtzeitiges Erkennen ist eine Stethoskop-Untersuchung notwendig. Der erste Hinweis ist ein charakteristisches Herzgeräusch, der Herzklappenfehler wird dann mittels einer Ultraschalluntersuchung bestätigt. Der Verein „Meine Herzklappe“ veranstaltet während der heurigen Herzklappenwoche (14. bis 20. September) kostenlose Online-Sprechstunden in Kooperation mit dem Roten Kreuz und mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums. Hengstenberg und sein Kollege Raphael Rosenhek, Leiter der Ambulanz für erworbene Herzklappenfehler, stehen am 15., 16. und 17. September online für Fragen zum Thema Herzklappenerkrankungen zur Verfügung. „Das ersetzt natürlich niemals den Besuch beim Arzt, kann aber helfen, mögliche Symptome im Vorfeld besser erkennen zu können“, erläuterte Hengstenberg.