Im ersten Jahr der Coronapandemie gab es in Kärnten weniger Suizide

Im ersten Jahr der Coronapandemie hat es weniger Suizide in Kärnten gegeben als in den Vorjahren. 92 Menschen starben 2020 auf diese Weise, im Durchschnitt sind es jedoch 115, wurde am Donnerstag auf einer Fachtagung zur Suizidprävention in Klagenfurt bekanntgegeben. Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) betonte aber: „Das Thema Suizid kann nicht ernst genug genommen werden und die aktuellen Rahmenbedingungen mit der Corona-Pandemie erschweren die Situation zusätzlich.“

red/Agenturen

In Österreich sterben jedes Jahr ungefähr 1.200 Menschen durch Suizid, dies sind rund dreimal mehr Menschen als im Straßenverkehr. Wegen dieses Problems und anlässlich des Welttages der Suizidprävention am Freitag fand die Tagung statt. Dass es in Kärnten im vergangenen Jahr weniger Suizide waren sei überraschend, so die Landeshauptmann-Stellvertreterin Prettner. Der Psychiater Roger Pycha aus Südtirol erklärte, dass diese Entwicklung dort ähnlich sei, es ebenfalls einen Rückgang gegeben habe. Dafür seien die Todesfälle in vielen anderen Bereichen gestiegen. Bei den psychiatrischen Krankheiten habe es sogar eine Steigerung von 129 Prozent gegeben.

Für 2021 hielt die Entwicklung in Kärnten nicht an: Zur Jahresmitte lag die Suizidzahl mit 61 wieder auf dem Niveau aus den Zeiten vor der Pandemie. In 2019 waren es zu diesem Zeitpunkt 63 und in 2018 58 Suizide. Heuer ist die bisherige Zahl der weiblichen Suizide mit 25 Prozent deutlich höher als mit 7 Prozent in 2020. In 2019 hingegen waren 31 Prozent der Suizide von weiblichen Personen. Laut Primaria Christa Rados vom Landeskrankenhaus Villach suizidierten sich in jüngeren Lebensjahren mehr Frauen, im Alter seien es dagegen mehr Männer.

Vorbild sei Kärnten im Bereich der Datenerhebung. „Wir erfassen hier Daten aus multiprofessionellen Quellen und erreichen so eine enorme Datenqualität, die weit über die reine Statistik hinausreicht. Damit nehmen wir eine Vorbildrolle in Österreich ein. Dafür investieren wir jährlich auch 18.000 Euro“, erklärte Prettner. Ein Problem sei jedoch laut Primaria Rados und Primarius Herwig Oberlerchner vom Klinikum Klagenfurt die Schambehaftung des Themas, die es zu einem Tabu mache. Im Schnitt würden 91 Prozent der Suizide überlebt, doch nur ein Bruchteil als solcher deklariert. Dadurch ergebe sich eine hohe Dunkelziffer.

Dem schloss sich die Gesundheitsreferentin an: „Wir müssen hier noch mehr sensibilisieren - in Kärnten gibt es viele Angebote, Hotlines die 24 Stunden am Tag besetzt sind und Hilfe bieten - das müssen wir den Menschen bewusstmachen. Psychische Erkrankungen, Einsamkeit oder Ängste dürfen nicht übersehen oder bagatellisiert werden. Nur dann können wir hier Hilfestellungen anbieten“, appellierte Prettner.

Psychiatrischer Not- und Krisendienst (PNK) für Kärnten PNK Ost: Tel.: 0664 - 300 7007, täglich 0-24 Uhr und PNK West (Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Landeskrankenhaus Villach): Tel.: 0664 - 300 9003, täglich 0-24 Uhr