Coronavirus

Impfstoff wohl erst ab Ende 2021? Was die Entwicklung bremst

Ein Impfstoff gegen das Coronavirus wird nach Einschätzung des Impfexperten Giuseppe Pantaleo erst gegen Ende 2021 vorliegen. Grund dafür sind unter anderem aufwändige Tests für ein Zulassung und der nötige Ausbau von Produktionskapazitäten.

red/Agenturen

„Selbst wenn wir sehr optimistisch sind, glaube ich nicht an Zulassung vor der zweiten Hälfte des nächsten Jahres, realistisch ist wohl eher Ende 2021“, sagte Pantaleo, Chef des Schweizerischen Impfstoff-Forschungsinstituts am Lausanner Universitätsspital Chuv, in einem Interview.

Denn es sei nicht das Gleiche, ob ein Impfstoff fertig entwickelt sei oder dann tatsächlich von den Gesundheitsbehörden zugelassen und in grossem Massstab eingesetzt werde. Am weitesten fortgeschritten sei zurzeit der Impfstoff des Jenner-Instituts der Universität Oxford, der zusammen mit dem Pharmakonzern Astrazeneca entwickelt werde.

10.000 Personen für klinische Tests nötig

Hersteller müssen die Sicherheit eines Impfstoffs mit klinischen Studien beweisen. Dafür werden laut Pantaleo bis zu 10. 000 Personen benötigt. Und es brauche Zeit, die Personen zu rekrutieren und die Daten auszuwerten.

Zudem hat die Pandemie in Europa stark nachgelassen. Mit den wenigen Neuinfektionen pro Tag in der Schweiz „kann man hier keine Studien mehr durchführen“, sagte der Mediziner. Das gelte mittlerweile auch für Italien, Frankreich und Deutschland. In den USA seien die Chancen für Tests höher, da es dort immer noch Hotspots gebe.

Gleichzeitig müsse vor allem auch die Wirksamkeit der Impfstoffe für ältere Menschen belegt werden, für die sich das Virus am verheerendsten auswirkt. Es mache es keinen Sinn, klinische Studien mit jüngeren Menschen zu machen, deren Immunsystem viel besser mit dem Virus umgehen könne.

Validierung des Produktionsprozesses

Impfstoffhersteller gehen davon aus, dass fünf bis zehn Milliarden Impfstoffdosen benötigt werden. Pantaleo sieht darin eine weitere Herausforderung. Einige Impfstoffe, etwa proteinbasierte, könnten zwar einfacher in grossen Mengen hergestellt werden als andere. Der Produktionsprozess für grosse Impfstoffmengen müsse jedoch erst validiert werden, was einige Monate dauern könne.

„Schliesslich wissen wir noch nicht, ob eine einzelne Impfdosis ausreicht, oder mehrere Dosen verabreicht werden müssen.“ Um dazu Daten zu bekommen, müssten die Patienten in den klinischen Studien nach sechs Monaten untersucht werden, um zu sehen, ob die Immunantwort anhalte.

Ausserdem dauere es mindestens zwei Jahre, bis eine neue Produktionsanlage mit Genehmigung der Behörden Impfstoffe herstellen könne. „Die Kapazität kann also nicht innerhalb von zwölf Monaten hochgefahren werden“, sagte Pantaleo.