Welt-Diabetestag

Österreich beileibe „kein Musterschüler"

Rund 40.000 Menschen erhalten pro Jahr in Österreich die Diagnose Diabetes, Tendenz entgegen dem internationalen Trend steigend. Außerdem gibt es besorgniserregend viele junge Patienten, erläuterten Experten bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Wien anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November. Sie forderten konkrete Maßnahmen von der Politik.

red/Agenturen

Bundesweit sei seit Jahren ein Ost-West-Gefälle zu verzeichnen: Wien, Niederösterreich und das Burgenland gelten als besonders betroffene Regionen. Die Zahlen der insgesamt Betroffenen steigen kontinuierlich: In der Gruppe mit regelmäßiger Medikamentenverordnung lag die Zahl der Männer zwischen 2012 und 2017 um 14 Prozent, bei Frauen um elf Prozent. Nach einem kurzen Rückgang zwischen 2013 und 2015 nehmen die Neuerkrankungen seit 2016 wieder zu, wobei die Inzidenz in der Gesamtbevölkerung 2017 etwas niedriger war als 2013.

Positive Auswirkungen zeigt vor allem der starke Trend zu Früherkrankungen, weswegen die Neuerkrankungen bei über 50-Jährigen zurückgingen. Allerdings sind immer Jüngere betroffen: Bei den unter 35-Jährigen vorwiegend Frauen, Männer holen aber bis zum 50. Lebensjahr auf. Insgesamt sind etwas mehr Männer als Frauen betroffen.

Prädiabetes „besorgniserregend“ bei jungen Menschen

Die steigenden Zahlen bei den Jüngeren und die hohe Rate des Vorstadiums Prädiabetes bei den Jüngsten sieht ÖDG-Präsidentin Alexandra Kautzky-Willer von der Med Uni Wien als „besorgniserregend“ an. Ein vorrangiges Ziel müsse es sein, gerade diese Betroffenen rasch zu finden und zu versorgen. Ansonsten sei mit besonders schwerwiegenden Verlaufsformen zu rechnen.

Sowohl Versorgungssituation und als auch -struktur müssten verbessert werden, mahnten die Mediziner und appellierten an die zukünftige Regierung und neu entstehenden Institutionen des österreichischen Sozialversicherungssystems: Es gelte, eine weitere Welle von Diabeteserkrankungen zu verhindern und Menschen mit Diabetes ein langes und gutes Leben zu ermöglichen. Die Diabetesstrategie von 2017 enthalte alle wichtigen Handlungsempfehlungen und müsse rasch umgesetzt werden. Ein zentraler Aspekt: Jeder sollte sein persönliches Risiko kennen.

Die ÖDG sieht sich durch den aktuellen Rechnungshofbericht zur Diabetes-Prävention und -Versorgung und neueste wissenschaftliche Daten in ihren Forderungen bestätigt. Als einen wichtigen Aspekt sieht die Fachgesellschaft die Präzisionsmedizin, aber auch die Vorsorge kann eine entscheiden Rolle spielen. Eine besonders dringliche Forderung ist für Kautzky-Willer etwa die Aufnahme des HbA1c zur Früherkennung in die Vorsorgeuntersuchung. Darüber hinaus plädierte sie für zielgruppenspezifische Interventionsprogramme bei Risikogruppen und eine Personalisierung der Präventions- und Behandlungsprogramme.

Eine konsequente Lebensstiländerung - etwa durch eine starke Kalorienrestriktion - kann erstaunliche Ergebnisse bringen. Allerdings gilt gemäß aktuellen OECD-Bericht jeder Zweite in Österreich als übergewichtig oder adipös. Adipositas wiederum ist der Hauptrisikofaktor für Diabetes mellitus Typ 2.

 

Diabetes
Immer jünger sind die von Diabetes Betroffenen: Bei den unter 35-Jährigen sind das vorwiegend Frauen, Männer holen aber bis zum 50. Lebensjahr auf.
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