Chronobiologie

Stimmungswechsel Richtung Moll

Spätestens im November ist für viele Menschen Schluss mit lustig. Die Tage werden kürzer, die Sonne ein seltener Gast. Und oftmals lässt der „Winterblues“ grüßen. Der lange Sommer tut heuer sein Übriges dazu.

red/Agenturen

Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD), erklärt dazu: „Wenn die Tage kürzer werden, schüttet der Körper mehr Melatonin aus - das sogenannte Schlafhormon.“ Die hormonelle Umstellung könne auch Stimmungsschwankungen bewirken, jedenfalls bei einigen Menschen. Die Folge seien dann beim Jahreszeitenwechsel die Frühjahrsmüdigkeit beziehungsweise erwähnter „Winterblues“.

Mehrere Faktoren sind zuständig für Stimmungswechsel

„Eigentlich brauchen wir jetzt erst einmal zwei oder drei richtige Kälteeinbrüche, damit der Körper verzeichnet, dass er sich jetzt auf den Winter umstellen soll“, vermutete Matzarakis. Vor Pauschalisierung warnte der Gesundheitsmeteorologe. „Bei depressiven Verstimmungen wie dem 'Winterblues' kommen eigentlich immer mehrere Faktoren zusammen, und man kann nicht exakt sagen, welchen Anteil das Wetter daran hat.“

Zudem sei längst nicht die gesamte Bevölkerung betroffen, betonte der Chronobiologe Jörg Stehle von der Goethe-Universität Frankfurt. „Am 'Winterblues' leiden lediglich fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung.“ Auch wenn die Ursachen noch nicht restlos erklärt seien, habe das Phänomen etwas mit der Empfindlichkeit der inneren Uhr des Menschen zu tun.

Blaulichtlampen für die innere Uhr

In einer YouGov-Umfrage gaben 51 Prozent der mehr als 2.000 Befragten an, dass sie im Herbst unter Stimmungsschwankungen leiden. Frauen reagierten dabei sensibler auf das herbstliche Grau-in-Grau: Der Umfrage zufolge spüren 55 Prozent der weiblichen Befragten den herbstlichen Blues, aber nur 46 Prozent der Männer werden von Schwermut-Anflügen gepackt.

„Die innere Uhr reagiert von Mensch zu Mensch unterschiedlich auf Lichtexposition, manche sind sehr empfindlich, andere Menschen weniger“, sagte Stehle. Licht sei aber zwingend notwendig, um diese innere Uhr täglich zu verstellen. „Von daher war der sonnenreiche Sommer dieses Jahr sicherlich für viele Menschen hilfreich, da sie morgens mit genügend Licht versorgt wurden“, vermutete der Wissenschafter. Das galt aber nur für die Sommermonate: „Die viele Sonne während unseres herrlichen Sommers dieses Jahr nützt allerdings im Winter herzlich wenig, da unsere Uhr solche Informationen nicht speichert.“

Dem fehlenden morgendlichen Licht im Winter kann man allerdings künstlich auf die Sprünge helfen, nämlich mit Blauchtlichtlampen. Darauf würde unsere innere Uhr besonders empfindlich reagieren, so Stehle. Ansonsten wirkt die simple Allzweckwaffe Bewegung: Eine Runde Laufen oder ein Morgenspaziergang hilft beim Wechsel von Moll zu Dur.  

Uhr Zahnräder antik
In einer EU-weiten Befragung hatten sich im vergangenen Jahr 84 Prozent der Teilnehmer für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen.
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