Medizinische Universität Innsbruck

Tiroler bekommen Stiftungsprofessur für Kinderonkologie

Ermöglicht wurde dies durch eine finanzielle Unterstützung der Kinder-Krebs-Hilfe für Tirol und Vorarlberg in Höhe von 500.000 Euro. Rund 70 bis 80 Krebsneuerkrankungen pro Jahr von Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren werden an der Innsbrucker Kinderklinik behandelt.

red/Agenturen

Mit dem gebürtigen Südtiroler Roman Crazzolara habe ein international anerkannter Experte für Kinderonkologie für die Stiftungsprofessur berufen werden können, sagte Thomas Müller, Direktor der Kinderklinik, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Er bezeichnete dies als einen „historischen Tag für mich und für die Klinik". Auftrag der Stiftungsprofessur sei es, den Bereich der Kinderonkologie in Wissenschaft, Lehre und Krankenversorgung in Innsbruck nachhaltig zu stärken.

In den vergangenen Jahren habe sich in der Kinderonkologie viel getan, meinte der neu berufene Professor. Über 80 Prozent der an Krebs erkrankten Kinder können mittlerweile dauerhaft geheilt werden. Vor 30 bis 40 Jahren hätten noch kaum Kinder gerettet werden können, sagte Crazzolara. An der Innsbrucker Kinderklinik werden Patienten aus Tirol, Vorarlberg und auch Südtirol versorgt. Die Wahrscheinlichkeit eines Kindes, an Krebs zu erkranken, liege bei eins zu 270.

Krebs bei Kinder völlig anders als derjenige bei Erwachsenen

Die Anzahl der Krebserkrankungen sei aber auch in diesen Altersgruppen in den vergangenen Jahren gestiegen. „Wir haben heute rund 30 Prozent mehr Erkrankungen als noch vor 30 Jahren", erklärte der Südtiroler. Dieser Anstieg liege aber nicht unbedingt an äußeren Einflüssen, sondern vor allem auch an einer besseren Diagnostik, so der Mediziner. Überhaupt seien äußere Einflüsse als Ursache für Krebserkrankungen bei Kindern, wie etwa bei Erwachsenen das Rauchen oder Fettleibigkeit, nicht wirklich nachweisbar.

Krebsformen bei Kindern unterscheiden sich deutlich von jenen von Erwachsenen. Rund ein Viertel der Erkrankungen bei Kindern sei eine akute lymphatische Leukämie, erklärte Crazzolara. Bei dieser Krebsform gebe es aber mit weit über 90 Prozent auch sehr gute Heilungschancen. Ein weiteres Viertel seien Gehirntumore in unterschiedlichster Ausprägung. Manchen dieser Tumore seien noch nicht gut therapierbar. „Hier gibt es noch viel Handlungsbedarf", sagte der Mediziner. Die restliche Hälfte der Krebserkrankungen bei Kindern teile sich auf etwa 30 bis 40 unterschiedliche Krebsformen auf.

Neben dem Ausbau der Nachsorge und Betreuung sollen mit Hilfe der Stiftungsprofessur auch neue Therapieansätze entwickelt werden. „Wir verlassen derzeit etwas den Weg der klassischen Chemotherapie zugunsten der Immuntherapie", erläuterte Crazzolara. Denn Nebenwirkungen wie Entzündungen oder Übelkeit könnten dadurch verhindert werden. „Es geht nicht nur um einen maximalen Heilungserfolg, sondern auch darum, Komplikationen zu vermeiden und Nebenwirkungen besser in den Griff zu bekommen", fügte der Südtiroler hinzu. Auch eine neue Therapieform sei derzeit im Kommen. Bei der sogenannten Zelltherapie werden körpereigene Zellen entnommen und so umprogrammiert, dass sie die Tumorzellen beseitigen können, erklärte der Kinderarzt.