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Coronavirus 

Vorarlberger Patientin profitierte von Plasma-Behandlung

Eine 70-jährige Covid-19-Patientin, die darüber hinaus an der Lungenerkrankung COPD leidet, ist in Vorarlberg erfolgreich mit Blutplasma eines Coronavirus-Genesenen behandelt worden. Die Frau befinde sich auf dem Weg der Besserung und sei bereits wieder auf die Normalstation des LKH Bludenz verlegt worden, gab am Mittwoch Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) bekannt.

red/Agenturen

Die 70-Jährige war die erste Coronavirus-Patientin, die in Vorarlberg auf diese Weise therapiert wurde. „Wir wissen, dass mit dem Coronavirus infizierte Patienten mit der Vorerkrankung COPD sehr schwere Verläufe zeigen“, sagte der behandelnde Arzt, Primar Dietmar Striberski (Leiter der Internen Abteilung im LKH Bludenz). Im konkreten Fall habe die Patientin wegen sehr hohen Sauerstoffbedarfs durchgehend mit einer Überdruckbeatmungsmaske versorgt werden müssen.

70-jährige Frau, die an COPD leidet, konnte wieder auf Normalstation verlegt werden

Als sich der Gesundheitszustand weiter verschlechtert habe, sei der Entschluss für eine Behandlung mit Rekonvaleszenten-Plasma gefasst worden. Eine Intubation habe man unter allen Umständen verhindern wollen, da sich intubierte COPD-Patienten nur sehr schwer wieder von der Beatmungsmaschine entwöhnen lassen, so Striberski. Das Blutplasma des genesenen Coronavirus-Patienten wurde der 70-Jährigen in drei Einheiten verabreicht. Das behandelnde Ärzteteam bewertete die Entwicklung des Gesundheitszustandes der Frau als sehr positiv. Die Therapie habe angeschlagen, der Patientin geht es zwischenzeitlich deutlich besser, und der Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff über eine Sonde sei erheblich gesunken, hieß es. Die 70-Jährige sei mobil.

Primar Peter Fraunberger, Leiter des medizinischen Zentrallabors und des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes in Vorarlberg, berichtete von einer hohen Spendenfreudigkeit. „Die Bereitschaft ist sehr hoch, sodass wir einen guten Vorrat für die Gabe dieser Plasmen bereitstellen können“, stellte er fest. Dem Spendenaufruf des Blutspendedienstes Vorarlberg seien viele gefolgt, die Depots sah er dank der großen Solidarität und Spendenfreudigkeit gut gefüllt. „Der in Vorarlberg neu initiierte Therapieansatz bietet Schwererkrankten eine echte Chance, mit dem Virus fertig zu werden“, sagte Landesrätin Rüscher.

Erster in Österreich mit Blutplasma Behandelter genesen

Bereits zuvor war am LKH-Uniklinikum Graz der erste Corona-Patient mit Blutplasma eines bereits von der Covid-19-Erkrankung Geheilten ebenfalls genesen. Ein Medikament gegen das heimtückische SARS-CoV-2-Virus gibt es weiterhin nicht, die im Blutplasma von Genesenen enthaltenen Antikörper können jedoch schwerkranken Patienten helfen, die Infektion zu besiegen.

Die Grazer Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin verfügt über ein besonderes Verfahren um das Blut von genesenen pathogenaktiven Spendern zu Plasma aufzubereiten. Das Blutplasma eines genesenen Covid-19-Erkrankten haben die Grazer Spezialisten verwendet, um damit einen 36-jährigen obersteirischen Patienten, der unter einem Antikörpermangelsyndrom leidet, zu behandeln, wie Klinikleiter Peter Schlenke auf Anfrage der APA berichtete.

Infektiologe: „Es wäre wahrscheinlich schlecht ausgegangen"

Der Mann wurde am 11. März positiv auf das Virus getestet, er litt an Atemnot und Fieber, kam ins Krankenhaus, hat die bekannten Therapien bekommen und wurde letztlich nach mehreren fiebrigen Wochen ins Grazer LKH-Uniklinikum gebracht, wie der Grazer Infektiologie Robert Krause gegenüber der APA erklärte. „Der Patient hatte eine bestehende Lungenerkrankung aufgrund seines Antikörpermangelsyndroms, er hatte sehr hohe Entzündungsparameter und brauchte Sauerstoff. Es wäre wahrscheinlich schlecht ausgegangen, der Patient hat über Wochen keine klinische Besserung gezeigt“, fasste Krause zusammen. „Die Entzündungsparameter sind jetzt alle weg, er ist weiterhin noch sauerstoffpflichtig und fühlt sich wie er sagte 'fast normal'“, schilderte Krause die aktuelle Situation.

Am 10. April bekam der Patient die erste 200-Milliliter-Gabe mit dem Plasma eines Einzelspenders verabreicht. „Die Anwendung erfolgte experimentell. Wir sind davon ausgegangen, dass die Antikörper im Plasma zur Neutralisierung des Virus beitragen. Der Patient hat zweimal 200 Milliliter verabreicht bekommen. Wenige Tage später wurde er von der Intensivstation auf die Normalstation verlegt“, so Schlenke.“

Wir haben Erfahrung mit Plasmagaben, allerdings nicht bei Covid-19-Erkrankten. Doch wir hatten einige Fallberichte aus China zu dieser Vorgangsweise. Jetzt haben wir einen ersten Anhalt, dass es gemacht werden kann“, äußerte sich Krause vorsichtig zu dem bisherigen Ergebnis.

Der positive Entwicklung des Gesundheitszustandes des Patienten kann als Anzeichen, dass der Therapieansatz erfolgreich sein könnte, bewertet werden. Ein Wirksamkeitsnachweis über wissensschaftliche Studien liegt aber noch nicht vor. Erste Versuche, Covid-19-Erkrankte mit dem durch Plasmapherese gewonnenen Plasma von geheilten, ehemals Infizieren zu behandeln, laufen auch an Kliniken in Tirol und Salzburg.

Noch keine wissenschaftlich tragfähige Aussage zur Wirksamkeit der Behandlung 

In Graz wurden aktuell zwei weitere an einer angeborenen oder erworbenen Immundefizienz leidende Patienten mit den Antikörpern aus dem Plasma von Genesenen behandelt. „Hier ist es noch zu frisch, um Ergebnisse vorzulegen“, sagte Krause. Momentan könne man laut Schlenke auf rund 50 potenzielle Spender zurückgreifen, aus denen der jeweils bestgeeignete Spender für den Empfänger ausgewählt werde.

Zur Wirksamkeit der Behandlung ließen sich noch keine wissenschaftlich tragfähigen Aussagen machen. „Hierzu bräuchte es eine große Studie mit einer Placebogruppe. Da stellt sich dann wieder die Frage, ob man den Patienten in der Placebogruppe, die ja auch eine Therapie brauchen, diese einfach vorenthalten darf. Da kommen wir in einen ethisch großen Konflikt“, gab Krause zu bedenken.

Es sei ist jedenfalls „keine Therapie, die man jedem geben kann. Da muss man schon sehr selektiv wählen und eine strenge Nutzen-Risikoabwägung machen, denn das Ganze kann auch Nebenwirkungen mit sich ziehen“, hob Krause hervor.