Faktencheck

Wie die Zahl geimpfter Hospitalisierter mit Impfquote korreliert

Zuletzt war das Thema medial extrem präsent: Offizielle Zahlen aus Israel, wonach etwa 60 Prozent aller Hospitalisierungen durch Geimpfte erfolgen. Diese Statistik wird gerne in impfkritischen Kreisen herangezogen, um eine angebliche Ineffektivität der Corona-Impfungen  zu beweisen.

red/Agenturen

Reichweite erhielt die israelische Statistik in letzter Zeit vor allem dadurch, dass große Medien wie der ORF oder das ZDF darüber berichteten. Beim ZDF sprach man sogar davon, dass die Zahlen „erschreckend“ seien. Auf den ZDF-Artikel beziehen sich auch viele Postings in Sozialen Medien.

Einschätzung

Ein hoher Anteil Geimpfter unter den Hospitalisierungen ist weder unerwartet noch erschreckend. Er spricht auch nicht gegen die nachweisbare Effektivität von Impfungen, sondern eher für die hohe Impfrate der Bevölkerung.

Überprüfung

Die israelische Regierung stellt für die Bevölkerung ein Info-Dashboard zur Verfügung. Anfang August wurde dieses um weitere Detailinformationen ergänzt, etwa zum Impfstatus von hospitalisierten Personen.

Seitdem wird der Fakt, dass rund 60 Prozent der hospitalisierten Personen bereits geimpft sind, oft geteilt. Wenn man sich die aktuellen Daten (Stand 26. August 2021) ansieht, zeigt sich, dass Geimpfte (324 vollständig Immunisierte und 16 Teilgeimpfte) am 25. August zwar nicht mehr die Mehrheit der schweren Verläufe in Israel ausmachten, aber immer noch einen großen Anteil bildeten. Dem gegenüber standen 359 Ungeimpfte mit schweren Verläufen.

Auslaufender Impfschutz und verringerte Effektivität

Wie kommt also diese Ausgeglichenheit zustande und was sagt sie über Impfungen aus? Im ORF-Beitrag werden unter Berufung auf Experten vor allem zwei Gründe ausgemacht. Zum einen der frühe Impfbeginn in Israel, wodurch einige Immunisierungen bereits auslaufen und somit auch Geimpfte wieder anfälliger für das Virus werden. Zum anderen das erhöhte Risiko durch die Delta-Variante.

Beide Argumente sind schlüssig. In Israel wurde tatsächlich versucht, die Bevölkerung sehr früh und sehr schnell durchzuimpfen, wie auch in Medien immer wieder berichtet wurde. Aufgrund eines Abkommens mit dem Impfstoffentwickler Biontech/Pfizer konnte dies auch in die Tat umgesetzt werden. Zudem wird für die Delta-Variante eine reduzierte Effektivität der Impfungen vermutet.

Analyse nach Altersgruppen wichtig

Ein großer Faktor ist jedoch auch die Altersverteilung der Hospitalisierungen. Teilt man im Dashboard die Hospitalisierungen auf Menschen unter und über 60 Jahren auf, zeigt sich, dass nur bei Über-60-Jährigen mehr Geimpfte als Ungeimpfte hospitalisiert werden. Bei Menschen unter 60 Jahren gibt es bei Ungeimpften mehr als doppelt so viele schwere Verläufe wie bei Geimpften.

Die Erklärung dafür ist, dass in den höheren israelischen Altersgruppen bereits sehr viele Menschen geimpft worden sind. Die Anzahl der Vollimmunisierungen bei Menschen über 70 Jahren liegt laut Dashboard bei mehr als 90 Prozent. Auch in der Altersgruppe 40 bis 69 sind bereits über 80 Prozent zweimal geimpft. Ein hohes Alter spielt bei Infektionen laut Virologen eine große Rolle und ist auch ein durch Statistiken belegter Risikofaktor.

Der Biostatistiker und Datenanalyst Jeffrey S. Morris von der University of Pennsylvania verdeutlichte das Problem auf Twitter mit einer eigenen Tabelle. Zieht man nur die absoluten Zahlen der schweren Verläufe heran, könnte der Eindruck erweckt werden, dass Impfungen nicht helfen, da das Verhältnis zwischen Geimpften und Ungeimpften nahezu ausgeglichen ist. Die Unterschiede zeigen sich, wenn man diese Zahlen in Relation zur Anzahl geimpfter und ungeimpfter Menschen setzt. Morris kommt hier zu einer Impf-Effektivität von 67,5 Prozent. Noch deutlicher wird es allerdings, wenn man zusätzlich nochmal nach Alter aufschlüsselt. Hier berechnet er für die Altersgruppe über 50 eine Effektivität der Impfungen von 85,2 Prozent und für Menschen unter 50 Jahren eine Effektivität von 91,8 Prozent. Dies deckt sich auch mit Studienergebnissen.

Eine im Juli veröffentlichte Studie aus Israel hat sich mit erfolgten Impfdurchbrüchen beschäftigt. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass bei einem Großteil der trotz Vollimmunisierung hospitalisierten Personen in der Studie Vorerkrankungen existierten. Im Vergleich zu hospitalisierten Ungeimpften sei die Anzahl der Vorerkrankungen größer gewesen.