Coronavirus

Ärzte sehen Forschung und Praxis etwas gebremst

Die Covid-19-Situation im Gesundheitsbereich schlägt in manchen Aspekten auch auf medizinische Forschungsprojekte durch. Vor allem dort, wo in der klinischen Forschung viel Patientenkontakte notwendig ist, sei manches ausgebremst, weil Ärzte mitunter anderes zu tun haben, sagte der Leiter des Forschungsreferats der Ärztekammer Wien, Martin Andreas, am Donnerstag. Auf Kinderstationen ist die Versorgung und Forschung dagegen nicht eingebrochen, erklärten Experten.

red/Agenturen

Im Alltag an der Klinik seien mitunter Abläufe durch die veränderliche Pandemiesituation etwas verlangsamt, was aber „durchaus aufholbar“ wäre. Die Diagnose, Versorgung und begleitende Versorgungsforschung von und zu Kinderkrebserkrankungen sei „durch Covid nicht eingebrochen". Das sagte Ruth Ladenstein von der St. Anna Kinderkrebsforschung in Wien im Rahmen eines von den Initiatoren des Forschungspreises „International Medis Awards“ (IMA) organisierten Online-Pressegespräch zu den „Auswirkungen der SARS-CoV-2 Pandemie auf die Forschungslandschaft". Auf eine weitere Normalisierung hofft die Wissenschafterin, die den Preis 2019 für die Mitentwicklung des monoklonalen Antikörpers Dinutuxumab beta zur Therapie von Patienten mit Neuroblastom-Erkrankung erhielt, in Richtung Frühjahr oder Sommer.

Manche durch die seit Monaten andauernde Krise entstandenen Zeitverluste würden sich leider auch weiter fortsetzen, sagte Reinhold Kerbl, Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche am LKH Hochsteiermark am Standort Leoben. Im erweiterten medizinischen Alltag würden vor allem Jungärzte und -forscher ausgebremst, die momentan vielfach in gewohntem Umfang nicht wissenschaftlich an Kliniken tätig sein könnten, so Kerbl, der sich überzeugt zeigte, dass Covid-19 auch nächstes Jahr ein großes Thema sein wird - Impfung hin oder her.

Für den Experten ist es angesichts im Raum stehender Fortschritte in der Vakzinentwicklung eine „interessante Frage, ob erste Impfungen auch für Kinder zugelassen werden". Er selbst sehe Kinder jedenfalls „nicht als allererste Zielgruppe, weil sie kaum und eher leicht erkranken". Auch deshalb sollten zuerst die Risikogruppe und medizinisches Personal beim Impfen Vorrang haben, sagte Kerbl. Ein grundlegendes Problem sei, dass im Bereich der Pädiatrie immer noch zu wenige Studien zum Einsatz von Medikamenten, die eigentlich nur für Erwachsene zugelassen sind, bei Kindern gemacht würden, betonten Ladenstein und Kerbl, die hier auch die öffentliche Hand mehr gefordert sehen.

Das gelte prinzipiell auch für die gesamte in Österreich in den vergangenen Jahren rückläufige klinische Forschung, konstatierte Andreas. Gerade die Covid-19-Krise und die fieberhafte Suche nach Medikamenten und Impfstoffen zeige wie wichtig diese sei. Österreich habe hier zwar eine gewisse Tradition, die Rahmenbedingungen hätten sich zuletzt aber verschlechtert. Neben der unternehmensgesponserten Forschung sollte hier auch die staatliche Forschungsförderung mehr öffentlich finanzierte Wissenschaft ermöglichen.