Behandlungskonzept „Alkohol. Leben können“ wird in Wien ausgeweitet

Das bisher als Pilotprojekt gehandhabte Behandlungskonzept „Alkohol. Leben können“ für alkoholkranke Menschen ist fortan regulärer Bestandteil der Wiener Gesundheitsversorgung. Der große Erfolg des gemeinsamen Projekts von Pensionsversicherungsanstalt (PVA), Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und der Stadt Wien ermögliche diesen Schritt, wurde am Donnerstag auf einer Pressekonferenz betont.

red/Agenturen

Das für alkoholkranke Menschen kostenlose Behandlungskonzept „Alkohol. Leben können“ existiert seit 2014 und kommt in mehreren Wiener Einrichtungen zur Anwendung. Darunter etwa das Schweizer Haus Hadersdorf in Wien-Penzing. Laut deren Geschäftsführerin, Barbara Gegenhuber, punktet das Konzept vor allem durch Niederschwelligkeit im Zugang, individuelle Maßnahmen und seiner ambulanten Ausrichtung. Eine zentrale Anlaufstelle kümmert sich für die Patienten um sämtliche Aspekte der Versorgung, um die Bewilligung des Antrags und auch um die Erstellung eines individuellen Betreuungsplans. Das Arbeitsleben der zu behandelnden, alkoholkranken Personen wird ebenso wie deren Wohnsituation und familiäres Umfeld von Anfang an berücksichtigt.

„Viele Klienten wollen nicht aus ihrem Alltag herausgenommen werden, da sie etwa Versorgungspflichten haben“, erklärte Gegenhuber. Das Behandlungskonzept biete deshalb neben einer stationären Aufnahme eine ambulante Therapiemöglichkeit von 8.00 bis 16.00 Uhr an, um die Lebensrealität der Betroffenen bestmöglich mit medizinischen und therapeutischen Maßnahmen zu vereinbaren. Neben gesundheitlichen Aspekten wird ein Fokus darauf gelegt, dass die Patienten arbeitsfähig bleiben oder es wieder werden.

Seit 2014 wurden rund 6.500 Personen - die Altersspanne reicht vom 17- bis zum 80-Jährigen - behandelt. Künftig werden durch eine Ausweitung der Kapazitäten bis zu 2.000 Aufnahmen pro Jahr möglich sein. Dabei wolle man auch speziell darauf achten, dass die Schwelle für wohnungslose Personen gesenkt werde, sagte Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien.

Positive Wirkung bestätigt

Eine begleitende Evaluierung durch das Institut für Höhere Studien (IHS) ergab, dass bei 68 Prozent der Klienten eine positive Veränderung im Konsumverhalten eingetreten war. Bei jeweils rund der Hälfte besserte sich auch die körperliche und psychische Gesundheit sowie die berufliche Situation. „21 Prozent konnten in ihrer Beschäftigung gehalten werden“, erklärte Lochner. Bei älteren Programmen wäre der Prozentsatz weit geringer.

Von diesem Erfolg profitieren nicht nur die Patienten, sondern auch PVA, WGKK und die Stadt Wien. „Die wissenschaftliche Begleitung zeigte rund 40 Prozent geringere Kosten im Vergleich zu einer Behandlung außerhalb von ‚Alkohol. Leben können’ und das bei besserem Behandlungserfolg. Jeder hier investierte Euro erspart der Gesellschaft ein Vielfaches an Folgekosten“, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).

Manfred Anderle, Obmann der PVA, sprach von einer Win-Win-Situation. Schließlich brächte ein längerer Verbleib im Arbeitsleben eine höhere Pensionsleistung und gleichzeitig weniger Pensionsausgaben sowie höhere Beiträge. Bis 2021 sei die Finanzierung auf die Beine gestellt. „Ich hoffe natürlich, dass es darüber hinausgeht, weil das Programm einfach Sinn macht“, meinte Anderle. Alois Bachmeier, Obmann der WGKK, zeigte sich erfreut, „Alkohol. Leben können“ in den Regelbetrieb übernehmen zu können. Die WGKK würde sich Kosten für Therapien und Folgeerkrankungen ersparen.

 

Bier
Beim Alkohol liegt Österreich mit einem durchschnittlichen Konsum von 11,8 Litern reinen Alkohols pro Kopf (Menschen über 15 Jahre) im Jahr 2017 an zweitschlechtester Stelle nach Litauen (12,3 Liter).
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